TEr lässt die Kirche im Dorf: Jetzt geht Pastor Junge in den Ruhestand
Abschied: Pastor Uwe Junge steht vor dem Altar der St.-Marien-Kirche in Twielenfleth. Foto: Vasel
Als Pastor steht Uwe Junge aus Grünendeich für die Volkskirche. Jetzt geht der 66-Jährige in den Ruhestand. Er war Seelsorger, Reise-Onkel und Hüter der Kulturschätze.
Twielenfleth. Jetzt heißt es Abschied nehmen für Pastor Uwe Junge. Noch wohnt der 66-Jährige in Grünendeich. Doch Anfang 2027 kehrt er mit seiner Frau Karin Lankuttis-Junge zurück nach Kehdingen.
„Mein Weg führt mich dorthin, wo alles begann“, sagt der Pastor von Hollern-Twielenfleth und Grünendeich. Aktuell sanieren beide sein Elternhaus in Freiburg. Seine Gefühle schwanken zwischen Traurigkeit und Freude, viele Freundschaften entstanden.
Gemeinschaft in der Evangelischen Jugend in Kehdingen prägte ihn
Zur Kirche sei er früh gekommen. Junge engagierte sich in der Evangelischen Jugend Kehdingen. „Es war eine tolle Gemeinschaft“, sagt der Theologe und schwelgt in Erinnerungen an Discoabende, Bibelarbeit und Gitarrenmusik am Lagerfeuer. Pastor Hinrich Rathje und Diakon Friedrich Armbrust ließen ihnen seinerzeit „sehr viel Freiraum“. So durften sie sonnabends in St. Wulphardi selbstständig Andachten organisieren.
„Danach ging es in die Disco, oft in die Mülltonne nach Stade“, erinnert sich Junge. Für die Kirche zahlte sich die Jugendarbeit aus. „Acht von uns wurden Religionslehrer, Diakon oder Pastor“, sagt Junge. Nach dem Abitur am Athenaeum in Stade musste er mit 17 Jahren eine Entscheidung treffen: Pastor, Kapitän oder Bauingenieur.

Neujahrsempfang 2026: Bürgermeister Dirk Thobaben im Gespräch mit Pastor Uwe Junge vor dem 600 Jahre alten Altar der St.-Marien-Kirche in Twielenfleth. Foto: Vasel
Er entschied sich für ein Theologiestudium an der Georg-August-Universität in Göttingen. Dabei hatte ihm eine Lehrerin noch mangelhafte Sprachbegabung attestiert. Sie sollte sich täuschen. Er lernte Latein, Altgriechisch und biblisches Hebräisch. Vor allem alttestamentliche Theologie, Geschichte Israels und Kirchengeschichte hatten ihn gefesselt.
In den Semesterferien kehrte er nach Kehdingen zurück. Er organisierte Fahrten nach Schweden. Auf einer dieser Reisen lernte er seine spätere Frau Karin kennen. Junge wechselte an die Uni Hamburg. Nach dem Staatsexamen habe er ein Jahr auf sein Vikariat warten müssen. Es gab mehr Bewerber als Stellen. Seinerzeit hätten im Wintersemester noch 120 ihr Studium begonnen, heute seien es vielleicht 12 Studenten.
Volkskirche gehört mitten ins Dorfleben
Er überbrückte die Zeit - als Sachbearbeiter im Arbeitsamt am Steindamm in Hamburg St. Georg mit vielen sozialen Problemen. Das habe ihn geprägt. Das galt auch für sein Vikariat am Dom zu Bardowick bei Pastor Werner Brandes. Der ging auf Menschen zu.
„Kirche muss eine den Menschen zugewandte Volkskirche sein, sie gehört mitten ins Dorf und ins tägliche Leben - in schönen und schweren Zeiten“, so Junge. Gottesdienste oder Taufen an Orten wie Obsthöfen, Schützenfesten, Kaffeeklappe und Lühesand waren ihm wichtig.
Die Arbeit in der Notfallseelsorge gehörte für ihn über Jahrzehnte dazu. Der Bonhoeffer-Satz „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist“ war ihm ein Leitbild. Deshalb werde er beim Abschied auf die Erzählung vom barmherzigen Samariter aus dem Lukas-Evangelium eingehen.
Im „riesigen Dom“ von Bardowick hielt er Weihnachten 1987 seinen ersten Gottesdienst vor 25 Menschen ab. Nach heute vermeide er es, von der Kanzel zu predigen. Pastoren sollten „auf Augenhöhe“ mit und zu den Menschen reden.
Altländer werden vom Papst empfangen
Seine erste Stelle trat er 1990 in Horneburg an. Rund 17 Jahre lang blieb Uwe Junge an der Liebfrauenkirche.
Dann habe ihn Superintendent Rudolf Rengstorff aufgefordert, sich im Alten Land zu bewerben. Hollern-Twielenfleth und Lühekirchen waren zusammengeführt worden, es entstanden kooperative Strukturen wie in Horneburg/Bliedersdorf. Mit Altländern reiste er zu den Stätten der Christenheit, von Jerusalem bis Rom. Der Papst empfing die Gruppe. Das brachte ihm im Kollegenkreis den Spitznamen „Reise-Onkel“ ein.
Kirche ist für ihn „Heimat für die Seele“. Diese sei Lebensbegleiter - von Taufe über Konfirmation und Heirat bis zum Abschied. Er habe 1200 Kinder getauft, 700 Brautpaaren den Ehesegen erteilt, aber auch fast 1500 Menschen zu Grabe getragen.
Seine Arbeit brachte ihm eine TV-Rolle ein. Mit der Schauspielerin Iris Berben stand er 2020 in der ZDF-Verfilmung von Dörte Hansens Buch „Altes Land“ vor der Kamera. Neun Mal musste die Szene auf dem Twielenflether Friedhof gedreht werden, bis die Beerdigung im Kasten war. Mal störte ein Rasenmäher, mal ein Airbus oder eine Wolke.
Bewahrer der Altländer Kulturschätze
Zehn Jahre lang war er Vorsitzender von Kirchensynode und Kirchenkreis-Bauausschuss. Stolz sei er, zum Erhalt der Kirchen, Kulturschätze und Orgeln beigetragen zu haben. Der Kehdinger Uwe Junge: „Die Altländer Kirchen sind die schönsten im Kirchenkreis.“

Pastor Uwe Junge und Restauratorin Silke Adam begutachten den Heiligen Mauritius. Foto: Vasel
Er habe „mit einem tollen Team“ aus Haupt- und Ehrenamt zusammenarbeiten dürfen. Die Vielfalt in der Kirchenmusik, von Gospel bis Orgel, bereitete ihm Freude. Dank gelte auch seiner Frau, sie habe sich als „Pfarrfrau“ stark in der Gemeindearbeit engagiert.
In St. Mauritius wird sich Uwe Junge am Sonntag, 1. November, 14 Uhr, mit einem Gottesdienst mit der Old Country Gospel-Company und dem Blasorchester Altes Land verabschieden, anschließend lädt er Gemeindemitglieder und Wegbegleiter zum Empfang in den Hollerner Hof ein.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.