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Femizid

TErstochene Frau von Apensen: Ehemann wird wegen Mordes angeklagt

Mutmaßlicher Femizid in Apensen: Ermittler und Spurensicherer betreten den Tatort in Apensen.

Mutmaßlicher Femizid in Apensen: Ermittler und Spurensicherer betreten den Tatort in Apensen. Foto: Vasel

Sie öffnete die Tür zu ihrer Wohnung - kurze Zeit später war sie tot. Der Fall der 40 Jahre alten Frau, die von ihrem Mann niedergestochen worden sein soll, bewegte. Nun beginnt der Prozess.

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Von Birger Hamann
Mittwoch, 10.06.2026, 12:10 Uhr

Apensen. Es war der 19. Dezember 2025, als sich die Tat ereignete. Gegen 8 Uhr klopfte ein Mann an die Wohnungstür eines Hauses an der Apenser Ortsdurchfahrt. Nachdem die 40-Jährige die Tür geöffnet hatte, stach der Mann mehrfach mit einem Messer auf die Frau ein. Im Elbe Klinikum Buxtehude kämpften Ärzte um das Leben des Opfers - vergeblich.

Vor der 4. Großen Strafkammer des Stader Landgerichts beginnt am Donnerstag, 11. Juni, die Hauptverhandlung gegen einen 57 Jahre alten Mann wegen des Vorwurfs des Mordes. Es ist derjenige, der zustach. Es ist ihr Ehemann.

Der Angeklagte soll im Dezember 2025 seine Ehefrau, die sich von ihm getrennt hatte, zu Hause aufgesucht und sofort nach Öffnen der Haustür mit einem Messer auf sie eingestochen und dadurch getötet haben. So steht es sinngemäß in der Anklageschrift. Bislang sind elf Verhandlungstage angesetzt. Bis zum Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Mordmerkmale: So steht es im Strafgesetzbuch

Warum die Anklage auf Mord lautet, wird aus Paragraf 211 des Strafgesetzbuches (StGB) ersichtlich. Darin heißt es: „Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam ... einen Menschen tötet.“ Im Apenser Fall ist das Mordmerkmal Heimtücke erfüllt, weil der Täter die Arglosigkeit des Opfers ausnutzte. Die Frau konnte demnach nicht mit einem Angriff rechnen und sich folglich auch nicht wehren.

Der Fall hatte damals auch deswegen großes Mitgefühl hervorgerufen, weil die Tote vier Kinder im Alter zwischen 6 und 20 Jahren hinterlassen hat - alles auch Kinder des Angeklagten. Der war nach der Tat geflohen. Unter anderem Zeugenaussagen brachten die Ermittler auf die Spur des Vaters. Die Polizei fahndete bundesweit nach dem 57-Jährigen.

Zeuge stellt sich acht Tage nach der Tat

Acht Tage nach der Tat, am 27. Dezember, konnte der mutmaßliche Täter festgenommen werden. Der öffentliche Fahndungsdruck war offenbar so groß gewesen, dass der Mann sich nach vorheriger Absprache zusammen mit einem Rechtsanwalt beim Amtsgericht Buxtehude stellte. Anschließend wurde er in eine niedersächsische Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft eingeliefert.

„Es ist kein Einzelfall“, sagte Elena Knoop, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade, nach der Tat. Es handele sich bei dem Femizid um ein „strukturelles Problem“. Sie und ihre Kolleginnen verweisen auf das Bundesinnenministerium: Fast täglich werde eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Im Kreis Stade gab es vor der Tat in Apensen zwei weitere Fälle, bei denen Frauen durch Gewalt ihrer Partner gestorben waren.

Zwei grausame Fälle im Kreis Stade

  • 2023 wurde Renata S. in Horneburg Opfer eines Femizids: Ihr Noch-Ehemann tötete sie am 19. September in der Moorstraße mit Messerstichen. Das Landgericht Stade verurteilte ihn wegen Mordes zu einer Haftstrafe von zehn Jahren.
  • Am 11. November 2024 überschüttete ein Mann sich und seine Frau in Buxtehude in der Schröderstraße mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie und sich selbst an. Der Täter (47) überlebte sein eigenes Verbrechen nicht, die Frau starb einen Tag später im Krankenhaus.

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