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Kommunalwahl

TGrünen-Kandidatin Amalien Meyer: „Sauensiek braucht Frauen im Rat“

Aus Venzuela nach Sauensiek, wo Amalien Meyer lebt und arbeitet.

Aus Venzuela nach Sauensiek, wo Amalien Meyer lebt und arbeitet. Foto: Laudien

Keine einzige Frau ist im Sauensieker Gemeinderat - das will Amalien Meyer ändern. Wieso sich die Grünen-Politikerin und Bäckereiverkäuferin dazu entschlossen hat.

Von Susanne Laudien 05.09.2026, 15:50 Uhr

Sauensiek. In Sauensiek ist Amalien Meyer vielen als Verkäuferin beim Holzofenbäcker bekannt. „Seit fünf Jahren bin ich dort beschäftigt. Zweimal in der Woche beginnt meine Schicht um 4.30 Uhr. Dann belade ich den Bäckereiwagen für den Verkauf auf den Wochenmärkten in Buchholz und Altona.“ Die Arbeit in der Bäckerei sei eine gute Ergänzung zu ihrem politischen Engagement, erzählt sie. „Hier erfahre ich, was die Bürger wirklich bewegt. Vor allem ältere Menschen haben momentan große Sorgen, dass vieles teurer wird.“

Die 34-Jährige ist Kreisgeschäftsführerin der Grünen im Landkreis Stade sowie Co-Vorsitzende im Ortsverband Buxtehude-Apensen und kandidiert jetzt zur Kommunalwahl am 13. September als Spitzenkandidatin für den Sauensieker Gemeinderat sowie auf Listenplatz 4 für Apensens Samtgemeinderat. Warum hat sie sich dazu entschlossen? „Ich finde es wichtig, dass in Sauensiek auch Frauen die Entscheidungen mittreffen, was im Ort passieren soll.“

Bislang bestand der Gemeinderat ausschließlich aus Männern mit Bürgermeister Rolf Suhr (CDU) an der Spitze. Insbesondere für Gleichberechtigung, Migration, Integration und Klimaschutz möchte sich Amalien Meyer künftig in Sauensiek sowie auch in Apensens Samtgemeinderat einsetzen. Bei ihrer Kandidatur für den Samtgemeinderat sei sie froh, dass die erfahrenen Grünen-Politiker Marion Augustin (Listenplatz 1) und Peter Löwel (Listenplatz 2) ihr den Rücken stärken.

Von Venezuela nach Buxtehude

„Gegensätzlichkeiten haben mich schon immer begleitet“, erklärt die 34-Jährige zu ihrem Engagement in der Politik und ihrer Arbeit in der Bäckerei. Geboren in Venezuela, kam sie mit einem Jahr als Tochter einer venezolanischen Mutter und eines deutschen Vaters nach Deutschland. „Ich wuchs in Buxtehude zwischen den Kulturen meiner südamerikanischen Mutter und meiner deutsch-konservativen Großmutter auf.“

Sie sei ein Arbeiterkind, ihr Vater ist Koch, ihre Mutter Hauswirtschafterin, und sie habe schon früh für ihren Lebensunterhalt selber gesorgt. Mit 16 jobbte sie auf Festivals und machte schließlich eine Ausbildung zur Sparkassenangestellten bei der Hamburger Sparkasse. Zum Schock ihrer Eltern kündigte sie nach der Ausbildung ziemlich spontan die gut bezahlte Anstellung. „Ich hatte schon damals einen moralischen Kompass und merkte, dass ich dort fehl am Platz bin. Ich beriet lieber in Not geratene Mütter anstatt lukrative Großanleger.“

Bachelor-Arbeit über Fridays for Future

Sie nahm sich eine Auszeit und ging über die Kirchengemeinde für ein Jahr nach Taizé in Frankreich, ein christlich-ökumenisches Begegnungszentrum. „Ich arbeitete und lebte dort auf engstem Raum mit Frauen aus der ganzen Welt.“ Danach holte sie das Abitur nach und studierte in Bremen Politikwissenschaft und Soziologie an einer privaten Universität dank Stipendium, guter Noten und Nebenjobs.

Auf dem Weg zum Gemeinderat: Amalien Meyer steuert dort die Gleichberechtigung an.

Auf dem Weg zum Gemeinderat: Amalien Meyer steuert dort die Gleichberechtigung an. Foto: Laudien

Es war die Zeit der Jugend-Klima-Bewegung Fridays for Future, über die sie dann auch ihre Bachelor-Arbeit schrieb und dazu viele Schüler zu ihrem Aktivismus interviewte. Gleichzeitig jobbte sie nebenbei beim Holzofenbäcker in Sauensiek.

Sauensiek statt Leben auf der Schanze

„Die Arbeit in der Bäckerei machte mir Spaß, und als eine Verkaufsleitung gesucht wurde, übernahm ich die Vollzeitstelle.“ Früher habe sie mal von einem Leben auf der Schanze in Hamburg geträumt. Doch durch ihren Ehemann, der in Sauensiek verwurzelt sei, habe es sie aufs Dorf in die 2500-Seelen-Gemeinde verschlagen.

Seit 2021 engagiert sich Amalien Meyer bei den Grünen. „Schon bei der damaligen Wahl hat es mich gestört, dass hauptsächlich nur Männer als Kandidaten aufgestellt wurden. Aber auch Menschen mit Migrationshintergrund und Beeinträchtigungen sind in den Räten unterrepräsentiert.“

Amalien Meyer ist unterwegs für die Themen Gleichberechtigung, Integration und Klimaschutz.

Amalien Meyer ist unterwegs für die Themen Gleichberechtigung, Integration und Klimaschutz. Foto: Laudien

„50 Prozent der Sauensieker sind Frauen, doch keine einzige ist im Gemeinderat“, sagt Meyer. „Irgendeine musste mal den Anfang machen, und somit entschied ich mich zur Kandidatur.“ In Sauensiek seien vielfältigere Perspektiven nötig, und auch an den Strukturen müsse etwas geändert werden. Dazu zählen unter anderem die abendlichen Ratssitzungen, die familienfreundlicher, etwa als hybride Lösung, gestaltet werden könnten. „Frauen sollten sich viel mehr aktiv in die Politik einbringen“, plädiert Meyer. Außer ihr kandidiert für den Sauensieker Gemeinderat nur noch Marlies Hupe von der CDU - sowie 15 Männer.

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