THier sperrt der Deichverband illegale Angler aus
Geschichte: Ein Zaun wird den Weg zum See in Zukunft versperren, Bänke und Tisch kommen weg. Foto: Vasel
Eigentlich wollte Oberdeichrichter Dierk König seinen Fokus auf den Deichbau legen. Doch jetzt wird er zum Zaun-König - dank einiger illegaler Angler.
Guderhandviertel. Seit 2023 setzen sich Naturliebhaber aus dem Alten Land und Horneburg für den Schutz von Flora und Fauna an den Gewässern am linken Lühe-Deich nördlich der A26-Brücke zwischen Horneburg und Guderhandviertel ein.
Naturschützer klagen über Wildangler
„Seit Jahren beobachten Natur- und Tierliebhaber, wie das naturnahe Gewässer von Anglern in Beschlag genommen wird - auch in der Brut- und Setzzeit“, beklagt ein Guderhandvierteler. Das sei nicht ohne Folgen geblieben.
Viele Vögel mieden mittlerweile den beim Abbau von Klei entstandenen Teich mit seinem Schilf- und Röhrichtgürtel. Der Vogelliebhaber, der „aus Sorge vor Übergriffen“ durch die Wildangler anonym bleiben will, verweist unter anderem auf die Haubentaucher. Ihre „gröck-gröck“- oder „keck-keck-keck“-Rufe seien kaum noch zu vernehmen.

Vogelfrei: Wildangler sind Naturschützern ein Dorn im Auge. Foto: Vasel
Die kleine Gruppe aus Guderhandviertel und Umgebung geht davon aus, dass die Wildangler die Haubentaucher vertrieben haben. Die Angler störten die Vögel, für die eine ganzjährige Schonzeit gelte, auch in der Paarungs- und der Brutzeit. Ein Grund: Die Wildangler legen ihre Angeln nicht nur im Bereich des Rast- und Picknick-Platzes am Wetternweg aus, sondern rund um den Teich. Davon zeugen unzählige Trampelpfade. Hinzu komme Müll, von Flaschen bis zu Kippen.

Wildmüll: Zigarettenkippen am Ufer. Foto: Vasel
Auch Wasservögel wie Kormorane, Schwäne oder Blässhühner seien nicht mehr oder kaum noch anzutreffen. Viele der Wildangler ließen ihre Angelschnüre und ihre -haken mit Schwimmer zurück. „Erst kürzlich hat sich ein Blässhuhn stranguliert“, sagt der Naturschützer. In der Vergangenheit hätten vor allem Saisonarbeitskräfte aus Süd- und Osteuropa hier geangelt. Nachdem der See allerdings auch in Angler-Foren im Internet auftauchte, seien auch Pkw aus Hamburg und aus Schleswig-Holstein gesichtet worden. Dabei dürfen nur Obstbauern den Wirtschaftsweg zum See nutzen.

Gefährlich: Angelhaken und -schnüre hängen in der Uferböschung. Foto: Vasel
Die Bürger schalteten unter anderem den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Polizei, die Samtgemeindeverwaltung und die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Stade ein. „Wir sind nicht weitergekommen“, klagt Heiner Baumgarten von der BUND-Kreisgruppe aus Stade. Das Gewässer stehe nicht unter Naturschutz. Es gehöre dem Deichverband der I. Meile Altenlandes. Der Teich sei kein kartiertes Paragraf-30-Biotop, doch für Baumgarten greift trotz alledem der „faktische Schutz durch das Bundesnaturschutzgesetz“.
Gewässer dient als Ökoausgleich für den Deichbau
Demnach sind Handlungen, die zur Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung „naturnaher Bereiche stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation führen könnten, verboten“. Das sei „kein Vollschutz“, heißt es beim Kreis-Naturschutzamt. Die Untere Naturschutzbehörde könne auch in diesem Fall kein Einzäunen von Eigentümern verlangen.

Trampelpfade führen zum See. Foto: Vasel
Der Landkreis Stade spielt den Wildangler- und Wildmüll-Ball zurück an den Deichverband. Dieser müsse dafür Sorge tragen, dass die Kompensationsfläche für den Deichbau gesichert wird. Der Landkreissprecher Daniel Beneke verweist auf den Planfeststellungsbeschluss von 2007.
Naturschutz
T Harsefeld: Für den Feuersalamander wird ein Weg gesperrt
Seinerzeit war der linksseitige Lühe-Deich auf einer Länge von rund 2,7 Kilometern von 2,20 auf 3,50 Meter über Normalhöhennull (NHN) erhöht worden. Bei der Abnahme hoben der damalige Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) und der damalige Oberdeichrichter Arend Fischer hervor, dass im Zuge der fünf Millionen Euro teuren Maßnahme auch „zwei neue Feuchtbiotope“ entstanden. Auf beiden wurde Deichbauerde (Klei) abgebaut.
Das auch von der A26 erkennbare größere Gewässer im Außendeichbereich dient auch als Überschwemmungsgebiet. Deich und Deichverteidigungsweg liegen zwischen den Gewässern.
Deichverband will naturnahes Gewässer jetzt einzäunen
Doch jetzt kam Bewegung in die Sache. Vertreter von Deichverband, Gemeinde Guderhandviertel, Samtgemeinde Lühe sowie der Polizei trafen sich am Donnerstagnachmittag im Rathaus von Steinkirchen. „Wir werden den See zum Teil einzäunen“, sagte der Oberdeichrichter des Deichverbands I. Meile Altenlandes, Dierk König, dem TAGEBLATT auf Anfrage. „Das begrüßen wir sehr, wir hatten es empfohlen“, so Beneke.

Der Bauhof der Samtgemeinde Lühe mäht zum letzten Mal das Gras auf dem Picknickplatz am Wetternweg. Foto: Vasel
Der Bauhof der Samtgemeinde Lühe werde noch im Juni die Picknickbänke mit Tisch auf dem Rastplatz für Fahrradfahrer und Wanderer am See entfernen. „Wir wollen damit auch verhindern, dass die örtliche Polizei ständig angerufen wird“, sagt der Bürgermeister von Guderhandviertel, Marco Hartlef (CDU).
Vor allem an den Wochenenden gab es Ärger. Die Polizei habe Besseres zu tun. Hartlef bedauert, dass das inkorrekte Verhalten weniger jetzt viele treffe. Der Rastplatz mit Seeblick am Wetternweg war beliebt bei Touristen und Ausflüglern, insbesondere bei Radlern. Die zentrale Obstroute führt hier vorbei.
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