THiobsbotschaft für Eltern: Aus für Kita in Estebrügge nach 35 Jahren
Ihre Kita schließt: Pastorin Agnethe Krarup und Regenbogenkinder-Leiterin Andrea Segeler-Hinsch blicken wehmütig auf den Elternbrief (von links). Foto: Vasel
Die Regenbogenkinder-Kita in Estebrügge schließt im August. Als Pastorin Agnethe Krarup und Kita-Leiterin Andrea Segeler-Hinsch den Eltern die Nachricht überbrachten, flossen Tränen.
Estebrügge. Der evangelisch-lutherische Kindertagesstättenverband Stade und die Gemeinde Jork hätten den Betriebsführungsvertrag zum 31. August 2026 „im gegenseitigen Einvernehmen“ aufgelöst, so die Geschäftsführerinnen Albina Chmel und Miriam Baxmann aus Stade in einem Elternbrief. Im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss der Gemeinde Jork sei die Entscheidung einstimmig gefallen, hieß es aus der Politik.
Sinkende Geburtenzahlen sind ein Grund
Die Hauptgründe für die Schließung des Kindergartens „Die Regenbogenkinder“ im Gemeindehaus der St.-Martini-Kirche in Estebrügge seien niedrige Kinderzahlen und sinkende Geburtenzahlen in der Altländer Kommune. Aktuell besuchen 15 Kinder diese Kita am Wetternweg. Einige wechseln nach den Sommerferien in die Grundschule An der Este in Königreich. Die anderen neun Kinder können in die DRK-Kindertagesstätte „Königskinder“ in der Hinterstraße neben der Grundschule wechseln, sagt Verwaltungsvize Arne Krüger.
Kita-Leiterin Andrea Segeler-Hinsch freut sich, dass die Erzieherinnen der Regenbogenkinder die Eingewöhnung der Kleinen im Laufe des Augusts bei den Königskindern begleiten dürfen. Dass alle Kinder zusammen im Ort bleiben können, tröste sie.

Blick auf die St.-Martini-Kirche im Ortszentrum von Estebrügge. Foto: Vasel
Die langjährige Leiterin Andrea Segeler-Hinsch geht im Herbst in Rente. Bei der Nachricht vom Aus der Kita in der in den 1960er Jahren errichteten St.-Martini-Gemeinde sind Tränen geflossen. „Wir haben hier eine Bullerbü-Situation“, sagt die Kita-Leiterin. Vier Erzieherinnen, beschäftigt beim Verband, kümmern sich um die Elementargruppe mit 15 Plätzen. In den vergangenen Jahren war eine Aufstockung auf 20 Kinder im Gespräch - verbunden mit dem Umbau der Garderobe.
Erstmals keine Warteliste für Kita-Plätze
Die Gemeinde Jork werde durch die Schließung fast 140.000 Euro im Jahr sparen. Aktuell halte die Kommune 530 Kita- und Krippenplätze vor. In den früheren Jahren gab es eine Warteliste. Im Kindergartenjahr 2026/2027 gebe es erstmals keine. Verwaltungsvize Krüger spricht von „einem Dutzend“ freier Plätze. Eltern wünschten Ganztagsplätze.
Spielgruppe war Keimzelle der Regenbogenkinder
Segeler-Hinsch ist seit 22 Jahren an Bord und hat den langen Weg von der Spielgruppe (1991) über den Spielkreis (2000/2001) bis zum Kindergarten (2019) begleitet. Vor 35 Jahren herrschte Notstand, an der Este fehlten Kita-Plätze. Deshalb schlossen sich Eltern aus dem Umfeld der St.-Martini-Kirchengemeinde zusammen, um die Vormittagsbetreuung zu sichern.
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Die Kirche stellte den Gemeindesaal zur Verfügung, mittags mussten Spielzeug und Möbel zur Seite geräumt werden. Denn auch die übrigen (kirchlichen) Gruppen konnten auf den Raum nicht verzichten. Erzieherinnen der ersten Stunde waren Angelika Mogk - heute Leiterin der kirchlichen Kita „Hand in Hand“ in Jork und Marianne Podbielski. 15 Kinder betreuten sie an drei Vormittagen in der Woche - unterstützt von den Eltern. Väter und Mütter mussten drei Wochen im Jahr helfen, das war Pflicht, um die Betreuung und die Mehrzwecknutzung des Saales zu ermöglichen.
Der Glaube wird hier gelebt
Als Diakon Volker Puhl-Mogk aus der Wohnung im Gemeindehaus auszog, bauten Eltern und Jugendliche die freigewordene Wohnung mit Pastor und Diakon um. Aus der Spielgruppe wurde ein Spielkreis mit fünftägiger Vormittagsbetreuung. Dadurch gab es öffentliche Mittel. Elterndienste waren nicht mehr zwingend notwendig. 2019 wurde nach Umbauten außen eine Brandschutztreppe installiert.

30. Geburtstag der Kita in der Corona-Pandemie-Zeit: Pastorin Agnethe Krarup, Ute Behnke und Inke Wunder vom Kirchenvorstand der St.-Martini-Gemeinde in Estebrügge sowie Elisabeth Salzburg-Reymann (von links) nehmen 2021 die Leiterin des kirchlichen Kindergartens „Die Regenbogenkinder“, Andrea Segeler-Hinsch (vorne), in ihre Mitte. Foto: Vasel
Damit waren die Vorgaben des Kindertagesstättengesetzes erfüllt. Aus dem Spielkreis wurde eine Kita. Seitdem betreut das Team die Kleinen von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr. Eine Mensa für das Mittagessen kam hinzu.
Christlicher Glaube wurde und werde in der Kita gelebt, viele Konfessionslose schickten ihre Kinder in die „Bullerbü-Kita“. Pastorin Agnethe Krarup ist oft bei den Regenbogenkindern: „Kita und Kirche, für mich eine tolle Gemeinschaft.“ Sie bedauere das Aus, die Gründe seien aber nachvollziehbar.
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