THotel- und Insel-Wünsche: So wird das Alte Land attraktiver für Touristen
Joachim und Sabine Fronzek entspannen nach vielen Gesprächen bei der Tourismus Lounge 2026. „Dieses Format sollte es öfter geben“, sagt Joachim Fronzeck. Foto: Meyer
Das Alte Land erfüllt Touristen viele Wünsche - und lässt einige offen. Acht Menschen aus der Tourismusbranche verraten, wie die Urlausbregion noch besser wird.
Altes Land. Das Alte Land punktet als Nordeuropas größtes geschlossenes Obstanbaugebiet. Es überzeugt vor allem in der Obstsaison. Liegt darin eine Schwäche und gibt es zu wenige Schlechtwetterangebote? Reicht die Verkehrsinfrastruktur? Repräsentieren die aktuellen Angebote das Alte Land ausreichend?
Das Moxy Hotel in unmittelbarer Nähe zum Airbus-Werk Finkenwerder war erstmals Austragungsort des Diskussionsforums Tourismus Lounge, das zuvor Gastgebertag hieß und letztmals 2024 stattgefunden hat. Foto: Meyer
Bei dem Event Tourismus Lounge 2026, das vom Tourismusverband Landkreis Stade/Elbe erstmals im Moxy Hotel in Finkenwerders Dienstleistungszentrum ElbAir ausgerichtet wurde, vernetzten sich Tourismusanbieter und Verbandsmitglieder und diskutierten auch die Zukunft der Urlaubsregion. Acht Menschen wünschen sich was.
Das sind Zukunftswünsche des Tourismusverbands
Mehr Übernachtungsmöglichkeiten, verlängerte Tagesaufenthalte und maritime Angebote, damit sich Touristen „entlang des Wassers bewegen“, sind Zukunftswünsche von Ines Utecht.
Die Geschäftsführerin des Tourismusverbands weiß, dass „Obstblüte und -ernte“ ein „irres Zugpferd“ sind. Es sei aber wichtig, Urlauber auch in der Nebensaison ins Alte Land zu locken. Trotz „reicher Museumslandschaft“, Schloss Agathenburg oder Kaufhaus Stackmann in seiner Nähe müsse das Alte Land noch stärker Schlechtwetterangebote fokussieren.

War aus der Lüneburg nach Finkenwerder zugeschaltet: Tourismusverband-Geschäftsführerin Ines Utecht (unterste Kachel). Foto: Meyer
Ex-Bürgermeister sehnt sich nach mehr und größeren Hotels
Wer was wissen will über das Alte Land, hat mit dem ehemaligen Bürgermeister von Mittelnkirchen, Heiner Schlichtmann, den Richtigen gefunden. Schlichtmann liebt das Radfahren und sagt: Der Zustand der Radwege in der Region sei „gewöhnungsbedürftig“. Das würde der Landkreis aber auch wissen. „Da muss was passieren“, sagt er.

Heiner Schlichtmann war früher im Tourismusverband-Vorstand tätig und hat mitgeholfen, ihn zu professionalisieren. Martina Wilkens kümmert sich beim Verband heute um Finanzen, Personal und Verwaltung. Foto: Meyer
In seiner Vision gebe es zu wenige Hotels mit Kapazitäten für große Reisegruppen, daher brauche es mindestens ein größeres Hotel: „Ich sage mal frech: Wo mindestens eine Busladung mit mindestens 50 Gästen nächtigen kann.“ Großgruppen bleiben in den Hansestädten. Den Wunsch greift ein weiterer Altländer auf.

Das Alte Land gilt als Hochburg für Radfreunde. Fünf Radfernwege führen durch das Alte Land, darunter der Elberadweg, und zwölf überregionale Radrouten. Foto: Meyer
„Das schöpft das Potenzial nicht aus“: Was das Alte Land nicht vernachlässigen sollte
Dr. Boy Friedrich ist einer von vielen Altländer Gästeführern, die in historischer Tracht mit Reisegruppen die Landschaft und Kultur in der Urlaubsregion erkunden. Er befürwortet Schlichtmanns Hotel-Wunsch, aus eigener Erfahrung erlebte er: „Im letzten Jahr haben wir mit Gruppen vier Tage Fahrradtouren gemacht - von Stade aus.“
Dorfentwicklung
T Adrenalin-Kick am Stahlseil: Einmal quer über die Elbe fliegen
Mit der Obstregion zu werben, „schöpft das Potenzial nicht aus“, sagt der Botschafter des Alten Landes. Auf einer Skala von 0 bis 10 schätzt Friedrich das ausgeschöpfte Potenzial auf fünf. Das Alte Land sei eine „kaum wie eine andere von Menschenhand geprägte Kulturlandschaft“. Kirchen, Museen, Fachwerkhäuser und Höfe: Auch diese Facetten der Altländer Kultur müssten mehr nach außen getragen werden.

Dr. Boy Friedrich aus Cranz bietet als Altländer Gästeführer verschiedene Angebote an: Bus-, Radtouren, Dorfrundgänge, Architektur-, Kirchen- und Mueseumsführungen und Touren auf Plattdeutsch. Foto: Meyer
Friedrich spinnt Utechts Hoffnung weiter und fordert, mehr Wasserwege zu erschließen, etwa für Barkassenfahrten wie zwischen Hamburg und Buxtehude.
Öffentlicher Nahverkehr steht auf der Wunschliste der Tourismusanbieter
Sabine und Joachim Fronzek sind in Grünendeich heimisch und führen Urlauber an besondere Orte im Alten Land. „Die Gäste wollen an die Hand genommen werden“, sagt sie. 2000 hatten sie ihre erste Ferienwohnung, heute vermieten sie zwölf, die alle am Elbdeich liegen. Dabei gibt es ein Problem.

Das Alte Land und sein einzigartiges Landschaftsbild: Vom Deich an der Elbe in Grünendeich kann man in Richtung Hansestadt Stade blicken, den alten Leuchtturm, Obsthöfe und -plantagen sehen. Foto: Meyer
Es gebe zwar eine Buslinie von Jork nach Finkenwerder. Über eine von Stade am Elbdeich entlang bis Finkenwerder würden die Fronzeks und ihre Mieter - meist Ü60 - sich freuen. Das erspare weite Wege zu den Haltestellen. ÖPNV verbessern findet Zustimmung.
Ulrike Schuback betreibt das Obstparadies Schuback und begrüßt viele Hamburger Touristen bei sich. Die Verkehrsverbindungen von Hamburg ins Alte Land seien „nicht optimal“. Sie hat Ideen: Mietfahrräder in Buxtehude oder Dollern an den Bahnhöfen bereitstellen oder die Fähre von Cranz nach Blankenese reaktivieren, verbunden mit einer „Ausbaggerung der Elbe“.
Starkregen-Fluten
T Hahnöfersand-Deal mit Hamburg: Altländer fürchten negative Folgen
Der Hamburger Senat bekräftigte erst vor kurzem, dass die Fähre nicht wieder in Betrieb genommen wird. Schuback wünscht sich auch: „Die Insel Hahnöfersand sollte freigegeben werden, um sie für den Tourismus zu nutzen.“ Die Gemeinde Jork prüft die Nutzung von Hahnöfersand im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens.
So klappt es mit der Aufmerksamkeit
Manfred Umland ist Inhaber von Hartlefs Gasthof in Bützflethermoor. Auf den Tourismus im Alten Land ist er bedingt angewiesen. Wenn, dann profitiert er von Radfahrer-Gesellschaften, die bei ihm pausieren. E-Ladesäulen für Räder, aber auch für Autos müsse es mehr geben.
Ferienwohnungen oder Essen in Restaurants: Das knipst Fotograf Marco Senf aus Neuenkirchen für seine Kunden aus dem Gastgewerbe. „Aufmerksamkeit geht dahin, wo das beste Bild ist“, sagt Senf. Er hat keinen Wunsch, aber einen Rat.

Lauschten im Moxy Hotel der Rede von Ines Utecht per Videoschalte: Mitglieder des Tourismusverbands. Foto: Meyer
In puncto Digitalisierung müsse das Gastgewerbe nachlegen und sich auf Homepages oder Social Media besser vermarkten. Denn gute Bilder entscheiden oft, für wessen Bett oder Tisch sich Urlauber entscheiden.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.