THugo Egon Balder: „Habe immer nur Sachen gemacht, auf die ich Lust hatte“
TV-Legende Hugo Egon Balder ist Mitbetreiber der Rockkneipe Zwick auf der Reeperbahn. Foto: Buchmann
„Tutti Frutti“, „Alles Nichts Oder?!“, „Genial daneben“: Hugo Egon Balder ist eine deutsche TV-Legende. Bevor er ins Alte Land kommt, stand er dem TAGEBLATT Rede und Antwort.
TAGEBLATT: Ich habe erfahren, dass Sie noch kein Fischbrötchen gegessen haben, seit Sie in Hamburg leben. Haben Sie das inzwischen nachgeholt?
Hugo Egon Balder: Nein.
Woran hapert es?
Ich habe keine Lust auf Fischbrötchen.
Aber das gehört doch in Hamburg dazu?
Es gehört auch dazu, wenn man in Köln wohnt, in den Kölner Dom zu gehen. Da war ich auch nicht.
Warum?
Ist mir einfach zu kalt und zu dunkel. Ich hatte in Köln auch mit Karneval nichts am Hut, ich komme ja aus Berlin. Ich musste einmal hin, weil RTL immer irgendeine Sitzung übertragen hat. Da hatte der Programmdirektor mich belatschert, dass ich endlich mal dabei sein muss.

Hugo Egon Balder, Hella von Sinnen und Wigald Boning bei Dreharbeiten zum beliebten Comedy-Quiz „Genial daneben“. Foto: Henning Kaiser/dpa
Da musste ich mich als David Copperfield verkleiden. Und dann sind wir da unter Tatütata, mit Harry Wijnvoord und wie die alle da hießen, damals in den Saal marschiert. Und alle gingen nach vorne rechts, da waren die Plätze reserviert, und ich ging links, da war der Ausgang. Vor der Tür stand meine damalige Frau mit laufendem Motor.
2010 sind Sie beim Zwick auf St. Pauli eingestiegen. Was macht denn eine gute Kneipe aus?
Da gibt es viele Sachen. Wir sind ja eine Musikkneipe, da ist schon mal Musik wichtig. Der Wirt muss nett sein. Die Speisen und die Getränke müssen in Ordnung sein und das Publikum muss klasse sein. Und die Lage möglichst so, dass man einen Parkplatz findet.
Sie leben in Blankenese. Von dort ist es nicht weit bis ins Alte Land. Sind Sie schon mal dort gewesen?
Nee, aber ich weiß, dass Inge Meysel da gewohnt hat. Und wir kaufen immer Äpfel aus dem Alten Land.
Warum wollten Sie unbedingt in Hamburg leben?
Da muss ich eine Gegenfrage stellen: Warum nicht? Ich wollte immer schon nach Hamburg, seit meiner frühesten Kindheit. Mit 17 Jahren habe ich Musik gemacht im Top Ten, wo die Beatles waren. Seitdem will ich nach Hamburg. Hamburg ist einfach eine geile Stadt. Ich bin nicht so sehr der Bergtyp, die sind mir zu hoch.
Schauen Sie selbst noch bewusst Fernsehen - und wenn ja, was?
Ich gucke Dokumentationen oder „Inspector Barnaby“. Ich habe alle Folgen schon 7000-mal gesehen. Ich gucke sie trotzdem immer wieder. Und „Bares für Rares“ gucke ich gerne. Das macht großen Spaß, weil Horst Lichter kenne ich ja schon lange.
Werden Sie heute noch auf „Tutti Frutti“ angesprochen?
Von den Älteren, ja. Also von den über 100-Jährigen (lacht).
Kürzlich sorgte ein freizügiger Auftritt der Rapperin Ikkimel im ZDF für Furore. Sollte man nicht meinen, dass das Publikum seit den 90ern lockerer geworden ist?
Nein, im Gegenteil, es ist schlimmer geworden. Jeder kann seine Meinung äußern, im Internet auch anonym. Also, es hat sich vieles verändert in der Richtung.

Hugo Egon Balder (Mitte) und seine Mädchen aus der RTL-Nackedei-Show „Tutti Frutti“. Foto: dpa (bearbeitet)
Viele Leute sagen, man muss vorsichtig sein mit dem, was man sagt. Auch Witze, ganz schwierig. Interessiert mich alles nicht. Man muss immer ehrlich bleiben. Es ist doch alles halb so wild. Man wird sofort in eine Ecke gestellt, entweder die linke oder die rechte. Aber das kümmert mich alles nicht.
In der Doku „Was haben wir gelacht“ reden bekannte TV-Frauen wie Esther Schweins oder Hella von Sinnen über erlebten Sexismus. Was denken Sie darüber?
Also, ich muss dazu sagen, dass ich das überhaupt nicht wahrgenommen habe. Ich bin ja da wahrscheinlich auch betriebsblind in solchen Sachen. Das sind ehrlicherweise auch Themen, die mich nie betroffen haben. Weil ich und mein Partner Jacky Dreksler nie auf die Idee gekommen wären, irgendeine sexistische Bemerkung zu machen.
Und ich kann mit reinem Gewissen behaupten, dass zum Beispiel „RTL Samstag Nacht“ eine Sendung war, wo diese ganzen Sachen alle nicht passiert sind. Das hat Esther auch kürzlich in einem Stern-Interview zum Thema gesagt.
Musik ist ebenso ein großer Bestandteil Ihres Lebens.
Wir haben ja gerade wieder eine neue Band gegründet, die „Bad Falling Bostels“. Wir bringen jetzt eine ganze CD raus und treten wieder im „Fernsehgarten“ auf. Das macht Spaß. Ich habe immer nur Sachen gemacht, auf die ich Lust hatte. Wir hatten uns mit den Bad Falling Bostels auch beim ESC angemeldet.
Was war die Antwort?
Wir sind abgelehnt worden.
Mit welcher Begründung?
Weil die keinen Humor haben (lacht). Nein, das war natürlich nur ein Jux.
In einem Interview hat sich Iris Berben über das Älterwerden geäußert: „Es ist beschissen.“ Wie sehen Sie das?
Beschissen will ich jetzt nicht sagen, aber es ist nicht gerade das Schönste auf der Welt. Auf der einen Seite ist es insofern schön, weil die Erfahrungswerte einfach größer werden und man sich nicht mehr so über Sachen aufregt.
Auf der anderen Seite hat man natürlich körperliche Wehwehchen. Die kommen automatisch, da kann man nichts machen. Solange das alles noch im Rahmen ist (klopft dreimal auf den Holztisch), ist das alles noch gut. Mir geht’s ja nicht schlecht, um Gottes willen. Aber wenn ich morgens aufwache, denke ich mir: Du bist keine 20 mehr.
Welche Projekte haben Sie sich noch vorgenommen?
Ich habe momentan ein bisschen Pause. Im November geht es wieder los mit Theater. Ich kann ja nicht nur zu Hause sitzen. Das ist langweilig. Theater kann ich auch noch spielen, bis ich 100 bin. Wenn es geht.
Hugo Egon Balder tritt am 25. Juli um 19 Uhr bei den Borsteler Sommerklängen auf. Tickets gibt es für 17 Euro online, bei Bücherstübchen Elke Krog sowie Drogerie Hubert in Jork und dem Buchladen Schwarz auf Weiß in Buxtehude.
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