Zähl Pixel
Küstenschutzkonferenz

TUmweltminister verspricht mehr Tempo bei Deicherhöhung im Alten Land

Ab April 2027 soll der Deich in Jork-Hinterbrack erhöht werden. Das Foto zeigt die Sielbauarbeiten im Herbst 2025.

Ab April 2027 soll der Deich in Jork-Hinterbrack erhöht werden. Das Foto zeigt die Sielbauarbeiten im Herbst 2025. Foto: Vasel

Der Deichbau soll schneller vorankommen - das kündigte Umweltminister Meyer auch in diesem Jahr bei der Küstenschutzkonferenz an. Immerhin: Eine Zusage gab es.

author
Von Björn Vasel
Freitag, 24.04.2026, 12:00 Uhr
Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind in Niedersachsen auf sichere Deiche angewiesen. Diese schützen Werte in Höhe von 200 Milliarden Euro. Der Weltklimarat IPCC geht bis Ende dieses Jahrhunderts von einem Meeresspiegelanstieg um 60 bis 110 Zentimeter aus. Rund 14 Prozent der Landesfläche seien bedroht, sagte der Niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne) bei einer Zukunftswerkstatt im Stader Kreishaus. „Der Küstenschutz ist eine riesige Herausforderung.“

Niedersachsenweit wollen Bund und Land von 2026 bis 2028 rund 126,9 Millionen Euro in den Küstenschutz investieren. Mehr als 575 Millionen Euro werden die Ertüchtigung der Deiche und der Neubau von sieben Sperrwerken den Steuerzahler allein im Landkreis Stade auf einer Länge von knapp 80 Kilometern kosten. 600 Kilometer sind es landesweit.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) will den Deichbau beschleunigen.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) will den Deichbau beschleunigen. Foto: Vasel

Angesichts des Klimawandels, verbunden mit höher auflaufenden Sturmfluten und einer Zunahme von Starkregenereignissen, dürfe es „kein Weiter-so geben“. Umweltminister Meyer unterstrich bei der Küstenschutzkonferenz wie bereits in seinen Stader Reden in den Jahren 2024 und 2025: „Wir müssen beim Küsten- und Hochwasserschutz schneller und besser werden.“

Meyer und Godehard Hennies vom Wasserverbandstag verwiesen auf das Ahrtal-Hochwasser vom Juli 2021, allein an der Ahr starben 135 Menschen. Die Schäden lagen bei 30 Milliarden Euro, bis 2058 muss das Land Niedersachsen jedes Jahr aus dem eigenen Haushalt 14,5 Millionen Euro zur Bewältigung der Katastrophe zahlen. Hennies war sich mit dem Minister einig: „Investitionen in den Küsten- und Hochwasserschutz sind der beste Menschenschutz.“

Minister will Pilotprojekt im Alten Land fördern

In einem Punkt gab es bei der Zukunftskonferenz eine konkrete Zusage des Ministers. Er sicherte Bürgermeister Matthias Riel und Peter Rolker vom Wasser- und Bodenverband Jork-Borstel-Ladekop zu, dass das Land Niedersachsen im Alten Land ein „Pilotprojekt“ zur Gewinnung von Deichbaumaterial aus der Borsteler Binnenelbe unterstützen werde.

Sein Ministerium habe bereits einen Fördertopf in Höhe von rund einer Million Euro aufgelegt. Die Altländer könnten mit 100.000 Euro rechnen, sagte Umweltminister Meyer in einem Gespräch mit dem TAGEBLATT nach der Konferenz. Er verstehe das als „Startschuss“, um das Ausbaggern auf den Weg zu bringen. Die Details sollen am 30. April bei einem Treffen mit den Altländern in Hannover geklärt werden.

Riel zeigte sich nach einem kurzen Vorgespräch mit Meyer „zuversichtlich“. Dass die Ausbaggerung der Borsteler Binnenelbe sieben bis zwölf Millionen Euro kosten wird, sieht Meyer nicht als Hürde. Schließlich müsse der Kleiboden für die Deicherhöhung ohnehin bezahlt werden.

Wie berichtet, tickt die Uhr. Im Jahr 2050 wird das Gewässer verlandet sein. Insbesondere durch die massiv zunehmenden Schlickeinträge aus der Elbe durch die Vertiefungen des Flusses habe sich das Wasservolumen reduziert. Die Wasserbauer rechnen mit 400.000 Kubikmeter Klei für die Deicherhöhung.

Eine von der Gemeinde Jork und dem Landkreis Stade mit dem Fachbüro Sweco angefertigte Projektskizze und Proben hätten gezeigt, dass das Material verbaut werden könne, so Riel. Außerdem gelte es, die Beregnung der Obstbauplantagen zu sichern.

Die Schlick-/Klei-Entnahme aus Elbe, Neben- und Binnenelbe sowie Nebenflüssen könne helfen, Steuergelder bei der Kreislaufbaggerung zu sparen, sagte der Minister. Außerdem würden Flora und Fauna profitieren. An der Ems gebe es seit Jahren Schlick-zu-Klei-Verfahren. Alleine an der Elbe würden perspektivisch je 2,5 Millionen Kubikmeter Klei und Sand benötigt, mahnte Landrat Seefried.

Tauschten sich bei der Küstenschutzkonferenz aus: Kai Seefried, Ulrich Ostermann, Christian Meyer, Wilhelm Ulferts und Godehard Hennies (von links).

Tauschten sich bei der Küstenschutzkonferenz aus: Kai Seefried, Ulrich Ostermann, Christian Meyer, Wilhelm Ulferts und Godehard Hennies (von links). Foto: Vasel

Oberdeichrichter Wilhelm Ulferts und Hennies warben für eine Regelung zur Deichbaubeschleunigung. Deichbau soll Priorität bekommen, Öko-Ausgleichsregeln entfallen. Im Gegenzug würden die Verbände auf der Binnenseite artenreiches Gras aussäen - freiwillig. Meyer legte sich nicht fest, er stellte erneut einen Kompromiss in Aussicht. Insbesondere der Streit um den Ausgleich für „mesophiles Grünland“ hat in Hinterbrack dazu geführt, dass der Elbdeich auf einer Länge von zwei Kilometern erst ab April 2027 erhöht werden kann. Die Planung begann 2018.

Auch bei den Genehmigungsverfahren für vorübergehende Klei-Lagerstätten stellte Meyer eine Erleichterung in Aussicht - vielleicht noch vor der Landtagswahl im Herbst 2027.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel