TKundgebung: Steinkirchens Bürgermeisterin hält leidenschaftliche Rede
Für die Demokratie vor Ort, für ehrenamtliches Engagement in den Räten, für verantwortungsvolles Wählen: Bürgermeisterin Sonja Zinke (CDU) hält eine leidenschaftliche Rede. Foto: Richter
Die AfD hat in Steinkirchen zum Bürgerdialog eingeladen. Die deutsche Nationalhymne wird angestimmt. Allerdings auf der anderen Seite der Straße, bei einer Kundgebung für Vielfalt und Demokratie.
Steinkirchen. „Vielleicht denkt jetzt der ein oder die andere, oha, geht das überhaupt? Darf die hier jetzt eine Rede in ihrem Amt als Bürgermeisterin halten? Muss sie sich nicht parteipolitisch neutral verhalten?“, sagt Steinkirchens Bürgermeisterin Sonja Zinke zu Begin ihrer Rede. Zuhörer findet sie nicht nur auf der eigenen Straßenseite, wo mehr als 100 Menschen einem Aufruf der Omas gegen Rechts zur Kundgebung für Vielfalt und Demokratie gefolgt sind. Auch gegenüber, wo die AfD unter blauen Schirmen mit etwa 30 Personen Bürgerdialog, Bierausschank und Bratwurstgrill startet, lauschen einige der Rede.
Bei der AfD gibt's Bier und Bratwurst gratis - und eine Spendenbox mit der Aufschrift: Unser Land zuerst. Foto: Richter
Zinke löst auf: Ja, sie müsse sich neutral verhalten. Doch sie sei bewusst als Bürgermeisterin mit einem Appell gekommen: „Für die Kommunalpolitik als Basis unserer Demokratie.“ Sie wirbt für die Gemeinderäte, die Ehrenamtlichen, die dort manchmal über Stunden tagen, sich informieren, fortbilden, netzwerken. Mit Blick auf die Kommunalwahl am 13. September appelliert sie an die Wähler, sich vor ihrer Entscheidung vier universelle Fragen zu stellen: 1. Ist es wahr? 2. Ist es fair für alle Beteiligten? 3. Wird es die Freundschaft und den guten Willen fördern? 4. Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen? „Wer Politik gegen Menschen macht, scheitert an diesen Fragen“, sagt Zinke. Wer für die Demokratie einstehe, so wie die Omas gegen Rechts und ihre Unterstützer, lebe diese Fragen jeden Tag.
Pflastermaler dekorieren vor AfD-Dialog die Straße
Zu den Unterstützern gehören Steinkirchener wie Susanna. „Ich finde es wunderbar, dass auf unserer Seite so viel mehr Menschen erschienen sind als bei der AfD. Es ist wichtig, dass wir als Nachbarschaft Haltung zeigen.“ Einige haben das Pflaster vor dem Bürgerdialog mit Regenbogen, bunten Herzen und Sprüchen wie „Toleranz, Vielfalt, Menschlichkeit“ geschmückt. Regenbogenfahnen wehen, viele haben Plakate gemalt. „Wehret den Anfängen“, steht auf einem.

Steinkirchener Pflaster: Wo die AfD ihren Standort angemeldet hatte, wurde der Boden tags zuvor mit Kreide bemalt. Foto: Richter
„Wehret den Anfängen“, sagt auch Dr. Ute Dürkes (SPD) nach einem Ausflug zum AfD-Stand gegenüber. Ein Gespräch mit Maik Julitz, dem Kreisvorsitzenden der AfD, hat nicht lange gedauert - keine Spur von Konsens. Auch Ulrike Mohr (Grüne), stellvertretende Bürgermeisterin von Grünendeich, wechselt für ein paar Worte die Straßenseite: „Ich habe keine Angst, hallo zu sagen und mich zu zeigen. Ich will mich politisch über Sachthemen auseinandersetzen. Wir müssen unsere Wählerschaft überzeugen und zurückgewinnen.“
Inzwischen haben sich bei der AfD einige Menschen mehr an die Biertische gesellt. Etwa 40 dürften es sein, die sich gegen 16 Uhr bei Freibier und Bratwurst im Schatten der Kirche unterhalten. Trotz der Hitze mit mehr als 30 Grad geht es entspannt zu, finden die zwei Polizeibeamten, die das Geschehen beobachten.
Nationalhymne: AfD singt nicht mit
Bei den Omas und ihren Unterstützern gibt es kalte Getränke, Erdbeerkuchen und Gesang. Der Bunte Block Buxtehude stellt sich mit Blick auf die blauen Schirme auf und stimmt die deutsche Nationalhymne an. Zu einem gemeinsamen musikalisch-patriotischen Bekenntnis mit der AfD kommt es nicht. Erstaunter Kommentar eines Mannes, auf dessen Rücken „Junge Freiheit“ steht: „Dass das Wort Vaterland denen über die Lippen kommt!“ Auf die Frage, warum sie die Nationalhymne nicht mitgesungen haben, antwortet AfD-Pressesprecher Helmut Wiegers: „Das hat uns die Sprache verschlagen.“
Ansonsten zeigt Wiegers sich mit dem Verlauf des Bürgerforums zufrieden. Auf der anderen Seite hofft Marion Meyer von den Omas, dass Aktionen wie diese die demokratische Gemeinschaft in Zukunft widerstandsfähiger machen gegen Antidemokraten: „Wir heißen zwar Omas gegen Rechts, aber wir sind generell gegen Extremismus - egal woher. Und wir wollen, dass die jungen Menschen wissen, dass eine Partei, die demokratisch wählbar ist, nicht unbedingt eine demokratische Partei ist.“
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Die Omas gegen Rechts hatten aufgerufen, etwa 100 Menschen kamen - darunter Mensnchen aus der Nachbarschaft, der Bunte Block Buxtehude, Eltern gegen rechts und Parteienvertreter von CDU bis Linke. Foto: Richter