TKunst gegen Schließung: Cartoonist legt Kirche als Mahnung in Trümmern
Pastor Olaf Prigge, Künstler Matthias Wenk und Heinzfrieder Dürkes (von links) bereiten die Vernissage-Andacht mit Cartoon-Ausstellung der Altländer Kirchenstiftung in Grünendeich vor. Foto: Vasel
Die Gotteshaus-Retter von der Altländer Kulturstiftung werben um Unterstützung. Ihre Mission: Sie wollen verhindern, dass in fünf von sechs Kirchen das Licht ausgeht.
Steinkirchen. Ihre sechs Kirchen in der Samtgemeinde Lühe sind den Altländern heilig. Doch ihr Erhalt wird die Kirchengemeinden in der nahen Zukunft finanziell an ihre Grenzen bringen. Laut der Freiburger Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer wird die Leistungsfähigkeit der Kirchen bis 2060 um 50 Prozent abnehmen. Jede dritte Kirche dürfte laut Experten-Prognose in den nächsten 40 Jahren aufgegeben werden.
Das wollen die Altländer verhindern. Deshalb haben sie 2006 die Altländer Kirchenstiftung aus der Taufe gehoben.
Cartoonist legt Kirche in Trümmern
Mit einer Vernissage-Andacht will der Förderverein der Altländer Kirchenstiftung am Freitag, 26. Juni, 19 Uhr, in der St.-Marien-Kirche in Grünendeich auf ihre Arbeit aufmerksam machen und weitere Kirchenretter ins Boot holen. Der Cartoonist Matthias Wenk (52) wird seine Werke in der 1608 als Fachwerkbau errichteten Kirche ausstellen.
Im Mittelpunkt wird ein Bild der im Jahr 1332 erstmals erwähnten St.-Martini-et-Nicolai-Kirche in Steinkirchen stehen: Priester Heinrich vergießt in der comic-ähnlichen Karikatur zu Füßen des Kirchturms bitterliche Tränen. „Möchte die jemand behalten oder kann die weg?“, heißt es in der Sprechblase eines Zuschauers. Währenddessen legt ein Bagger das Kirchenschiff mit Schätzen wie der weltberühmten Arp-Schnitger-Orgel (1685/1687) in Trümmern, weil sich die Altländer den Unterhalt nicht mehr leisten können.
„Der Erhalt der Kulturregion Altes Land liegt mir am Herzen“, sagt Wenk. Die Kirchen seien für ihn Orte der Begegnung. Bereits seit seiner Jugend zeichnet der Firmenkundenberater der Sparkasse Stade-Altes Land - heute überwiegend digital. Seit 2024 folgen ihm auf seinem Instagram-Account xhorus77 mehr als 2000 Menschen.
Mit seinen Cartoons und seinen Karikaturen im Comic-Stil in Deutsch und in Englisch möchte er Denkanstöße setzen - für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und Nachhaltigkeit. Dabei setzt er auch auf bewegte Bilder (Animationen), erzählt der Mitbegründer der Stiftung und Kassenwart des Fördervereins.

Bilder der Vernissage-Andacht in der St.-Marien-Kirche in Grünendeich. Foto: Vasel
Drei der fünfzehn Motive werden in direktem Bezug zur Kirchenstiftung stehen. Der Förderverein wolle damit „ein breiteres und vielleicht jüngeres Publikum für den Erhalt der Kirchen erreichen“, sagt Mitstreiter Heinzfrieder Dürkes. Gemeinsam wollten sie durch ihr Engagement ihren Beitrag leisten, damit „die Kirche im Dorf bleibt“.
Festes Fundament des Gemeindelebens
Der Reichtum der Altländer war und ist Segen und Fluch zugleich. Denn die freien Marschbauern konnten sich seit dem Mittelalter prachtvoll ausgestattete Kirchen leisten - ausgestattet mit Orgeln, unter anderem von Arp Schnitger (1648 - 1719). „Das erklärt die hohe Kirchendichte mit zehn Bauten zwischen Hollern und Neuenfelde im Vergleich zur Stader Geest“, sagt Pastor Olaf Prigge.
Die St.-Mauritius-Kirche in Hollern, die St.-Marien-Kirche in Twielenfleth, die St.-Marien-Kirche in Grünendeich, die St.-Bartholomäus-Kirche in Mittelnkirchen sowie die St.-Johannes-Kirche in Neuenkirchen und die St.-Martini-et-Nicolai-Kirche sind auch ihren Nachfahren heilig. „Wir wollen das wertvolle, einzigartige Erbe unserer Vorfahren erhalten“, sagt Dürkes, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der Altländer Kirchenstiftung. Dabei gehe es um weitaus mehr als Kunstschätze.
Schließlich seien Kirchen identitätsstiftende Orte. Die Gotteshäuser seien auch „als Kult(ur)orte unverzichtbar für die Gesellschaft“, betont Prigge. Sie seien Orte des Glaubens, der Begegnung, der Zuflucht und der Besinnung. Kirche gebe Orientierung in allen Lebensfragen. Nicht nur auf den Orgeln erklinge hier seit Jahrhunderten himmlisch schöne Musik. Im Sakralen falle es leichter, das Herz zu öffnen.
Als Orte der Gemeinschaft schaffen sie Verbindung - nicht nur unter den Christen selbst, sondern unter allen Einwohnern unabhängig vom Glauben. Sie stehen für Frieden und die Würde des Menschen. Dürkes: „Sie bilden ein festes Fundament des Gemeindelebens.“
Jeder kann Kirchenretter werden
Doch der Erhalt der „Wahrzeichen unserer Dörfer“ koste schon heute viel Geld. Die Unterhaltung der sechs sakralen Bauten schlägt mit bis zu einer halben Million Euro im Jahr zu Buche. 20 bis 30 Prozent müsse die Kirchengemeinde bei Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten selbst aufbringen.

Unsere Kirche im Dorf lassen: Heinzfrieder Dürkes (von links) und Pastor Olaf Prigge hängen das neue Plakat der Altländer Kirchenstiftung auf. Foto: Vasel
Mehr als 270.000 Euro seien seit 2006 als Stiftungskapital eingeworben worden. Doch damit die Altländer Kirchenstiftung jährlich mehr als 60.000 Euro ausschütten kann, müsste das Kapital auf mehr als 2 Millionen Euro erhöht werden. Ohne eine „Kapitalerhöhung“, könne spätestens 2030 allenfalls noch eines von sechs Kirchengebäuden aus Mitteln der Landeskirche unterstützt werden.
Spenden für bestimmte Kirchen und Projekte oder klassische Zustiftungen, hier werden nur die Zinserträge verwendet, sind willkommen. Neue Flyer und Plakate sind aufgelegt worden.
Kirchenstiftungskonto
Spendenkonto: Volksbank Stade-Cuxhaven; IBAN: DE83 2419 1015 1000 5706 00; BIC: GENODEF1SDE; Vermerk: 6313 Altländer Kirchenstiftung.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.