TLühe plant ein Jugendparlament – doch wo bleibt das Interesse?
Vier Themen hatte sich Kreisschülersprecher Hauke Ilsemann überlegt: Mitsprache & Mitbestimmung; Treffpunkte & Freiräume; Mobilität & Wege; Aktionen, Events & Budget. Foto: Kress
Samtgemeindebürgermeister und Kreisschülersprecher laden zu einem Info-Markt, doch der Saal bleibt weitgehend leer. Trotzdem zeigen sich beide vorsichtig zufrieden.
Grünendeich. 62 Brezeln wurden gebacken, Kaltgetränke und Äpfel standen am Mittwochabend bereit. Am Ende kamen drei Jugendliche zum Info-Markt über ein mögliches Jugendparlament ins Lokal „Zur schönen Fernsicht.“ Der Saal mit rund 150 Plätzen blieb weitgehend leer.
So hatten sich die Organisatoren Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke (parteilos) und Kreisschülersprecher Hauke Ilsemann den Abend nicht vorgestellt. Mit etwa 30 Interessierten hatten Gerke und Ilsemann nach eigenen Angaben gerechnet.
Im Lokal „Zur schönen Fernsicht“ fand der Info-Markt zu einem möglichen Jugendparlament statt. Fern blieben allerdings viele Jugendliche. Foto: Kress
Die Einladung hatten die Organisatoren über soziale Medien und lokale Vereine verbreitet. Gekommen ist fast niemand. Resignieren wolle man trotzdem nicht.
Lühe plant ein Jugendparlament
Die Anliegen und Wünsche der Jugendlichen aus Lühe sollen stärker in die Kommunalpolitik einfließen. Dabei könnte ein Jugendparlament helfen. Konkrete Pläne zur Zusammensetzung, zu Abläufen von Treffen oder Budgets gibt es noch nicht. Zunächst wolle man herausfinden, ob überhaupt Interesse an einem solchen Gremium besteht, sagt Bürgermeister Gerke.

Hauke Ilsemann (links) und Timo Gerke sind ambitioniert in das Projekt gegangen. Das Ergebnis war ernüchternd. Foto: Samtgemeinde Lühe
Er sei im Austausch mit dem aus Grünendeich stammenden Kreisschülersprecher Hauke Ilsemann auf die Idee gekommen. Ilsemann selbst sei über den Landesschülerrat und Kontakte zu erfolgreichen Jugendparlamenten in anderen Kommunen auf das Konzept aufmerksam geworden.
Ich will per Brief wählen – aber wie genau funktioniert das?
Ziel sei es, dass Jugendliche sich stärker engagieren, ihre Interessen vertreten und diese in die Samtgemeindeausschüsse einbringen, so Gerke.
Ilsemann kandidiert selbst für Gemeinderat, Samtgemeinderat und Kreistag für die Sozialdemokraten. Die Veranstaltung am Mittwochabend habe er aber ausschließlich in seiner Funktion als Kreisschülersprecher organisiert. Er und Gerke sind sich einig: Das habe nichts mit Wahlkampf zu tun.
Was wünschen sich die Jugendlichen?
Was wünschen sich die Jugendlichen? Was stört sie in der Samtgemeinde? Wie gut fühlen sie sich durch den ÖPNV angebunden? Mit diesen Fragen wollten die Veranstalter Diskussionen anstoßen und herausfinden, welche Themen Jugendliche beschäftigen.
Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wurde aus dem Workshop mit Kleingruppen, ein Gespräch in einer kleinen Gruppe.
Gerke fragte den einzigen männlichen Teilnehmer, einen 16-Jährigen, welches Thema ihn beschäftigte. Er wollte wissen, wie es um das Jugendzentrum stehe. Das aktuelle Zentrum könne die Samtgemeinde ab Anfang November nicht mehr nutzen, Alternativen seien im Gespräch, antwortet Gerke.
Eine Teilnehmerin aus Grünendeich spricht den ÖPNV an. Zu schlecht sei die Verbindung nach Stade und zurück. Das Thema müsse auf Kreisebene angegangen werden, sagt Ilsemann. Er nehme es mit in den Kreisschülerrat.
Der Jugend eine Stimme geben
Auch Jennifer Pingel, Sprecherin der Jugendkonferenz (JuKo) der Samtgemeinde Lühe, war bei dem Treffen zur Verwunderung von Bürgermeister Gerke dabei. Sie kam mit der Intention, die Jugendlichen bei dem Workshop mit Ideen, Kontakten und Perspektiven zu unterstützen.
„Die Jugend soll stärker einbezogen werden“, fordert sie und stößt bei allen Anwesenden auf Zustimmung. Durch ihre Ämter merke sie immer wieder, dass Kinder und Jugendliche eine starke Meinung zu bestimmten Themen hätten. Wie sie diese politisch einbringen können, sei aber ungewiss. „Ich glaube, dass da kommunikativ noch Platz nach oben ist“, erklärt Pingel.
Eine der beiden Teilnehmerinnen stimmt zu: „14-Jährige dürfen noch nicht wählen.“ Umso wichtiger sei es, ihnen trotzdem eine Möglichkeit zu geben, ihre Anliegen und Wünsche zu teilen.
So soll es weiter gehen
Pingel verweist auf die nächste Sitzung der JuKo am Donnerstag, 27. August. Dort wolle sie das Thema Jugendparlament nochmals aufgreifen - mit hoffentlich mehr Beteiligung. Die Konferenz findet um 19 Uhr im Jugendzentrum in Steinkirchen statt. Auch Kreisschülersprecher Ilsemann will an diesem Termin teilnehmen und diesen als zweiten Ansatz nutzen.

Bei der Jugendkonferenz (JuKo) in Lühe wolle man das Gespräch über ein Jugendparlament fortsetzen - hoffentlich mit mehr Beteiligung. Foto: Kress
Trotz der geringen Beteiligung sehen Gerke und Ilsemann den Abend nicht als Misserfolg. Grundlegende Themen und Interessen wurden besprochen und auch die ersten Handynummern ausgetauscht. Ilsemann räumt ein, dass die Eindrücke „nicht sehr repräsentativ“ seien. Trotzdem zieht er ein positives Fazit: „Auf jeden Fall war das der erste Schritt in die richtige Richtung.“
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