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TNach Schließung: Familie Atli will den Este-Markt neu beleben

Der Este-Markt soll komplett renoviert werden.

Der Este-Markt soll komplett renoviert werden. Foto: Vasel

Zwei gute Nachrichten für Estebrügge: Für den Este-Markt gibt es eine Perspektive - und auch die Supermarktplanung kommt voran.

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Von Björn Vasel
24.06.2026, 11:15 Uhr

Estebrügge. Mehmet und Hatice Demir haben ihr kleines Lebensmittelgeschäft in Estebrügge am Sonnabend geschlossen. Lediglich die Kühltheken und Regale stehen noch auf der knapp 100 Quadratmeter großen Verkaufsfläche im Erdgeschoss. Das Ehepaar hatte den Este-Markt im Jahr 2022 von der Familie Atli übernommen. Dieser gehört die Immobilie an der Ecke Estebrügger Straße/Steinweg heute noch.

So sieht es im Este-Markt aus: Das Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss steht leer.

So sieht es im Este-Markt aus: Das Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss steht leer. Foto: Vasel

Von 2010 bis 2022 führten Derya und Yahya Atli den Este-Markt mit Lieferservice. Seit vier Jahren betreiben sie das Café Goldbrunch in der Bahnhofstraße in Buxtehude. Eigentlich wollten sie sich von der Immobilie im Alten Land trennen. Makler Arne Müller von Bansemer Immobilien aus Horneburg bot das Wohn- und Geschäftshaus im Herbst 2025 anfänglich für 890.000 Euro zum Verkauf an. Aktuell ist es für 650.000 Euro („Festpreis“) zu haben.

Während das Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss leersteht, sind die beiden Wohnungen im Obergeschoss vermietet. Sollte jemand morgen mit dem Geld vor ihrer Tür stehen, würden sie „möglicherweise“ noch verkaufen, so Derya und Yahya Atli gegenüber dem TAGEBLATT. Doch damit rechnen sie eher nicht.

Familie Atli will Geschäft wieder selbst führen

„Es ist alles noch sehr frisch, wir haben gerade die Schlüssel erhalten“, so Derya Atli am Dienstag. Deshalb haben sie eine Entscheidung getroffen. Ihr Ladengeschäft in der Estebrügger Straße 80 solle nicht lange leerstehen. „Wir wollen allerdings erst einmal komplett renovieren“, betont Yahya Atli. Das werde voraussichtlich drei Monate dauern. Damit nicht genug.

Der Este-Markt soll komplett renoviert werden. Der Kaufmann Hannes Schacht hatte das Wohn- und Geschäftshaus 1977 errichtet.

Der Este-Markt soll komplett renoviert werden. Der Kaufmann Hannes Schacht hatte das Wohn- und Geschäftshaus 1977 errichtet. Foto: Vasel

Familie Atli will das Geschäft wieder selbst führen - wahrscheinlich „mit einem Partner“. Derya Atli schwebt bereits ein Konzept für den Este-Markt vor: ein Lebensmittelgeschäft - wie früher mit den Waren des täglichen Bedarfs und türkischen Spezialitäten - und ein Imbiss.

Der Kaufmann Hannes Schacht hatte das Wohn- und Geschäftshaus im Jahr 1977 errichtet. Auf dem Grundstück stand früher Gasthaus Koopmann. Zu der Gastwirtschaft gehörte ein Eisen- und ein Kolonialwarenladen. Seit 1876 war in dem Haus eine Reichspost-Agentur untergebracht. Nach dem Abriss des Gasthauses nutzte Familie Pickenpack das Grundstück neben der 1927 errichteten Sparkasse (Brüggerei) als Garten mit Garage. In den 1980er Jahren übernahm Schachts Tochter Ilse mit ihrem Mann Erich Müller das Lebensmittelgeschäft mit Getränkemarkt. Danach stieg Aydin Sahinbas („Goldi“) ein - gefolgt von den Atlis.

Damit gäbe es weiterhin mehrere Geschäfte im Ortskern. Die Fleischerei Mahler, die Sparkasse und die Gastwirtschaft Holst zählen dazu. Hinzu kommen Brückenbäckerei und Brüggerei, die von einem Verein beziehungsweise der Dorfgenossenschaft betrieben werden.

Supermarktplanung geht weiter

Während die bei den Menschen an der Este vermissten Geschäftsleute ihre Rückkehr vorbereiten, geht die Planung für eine Supermarktansiedlung in Estebrügge weiter. Das hat der Bürgermeister der Gemeinde Jork, Matthias Riel, bestätigt.

Wie berichtet, hatte Florian Komossa von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in den von der Gemeinde Jork in Auftrag gegebenen Einzelhandelskonzepten in den Jahren 2019 und 2023 festgestellt, dass es eine „Unterversorgung“ der vier Ortschaften an der Este gebe. Die Estebrügger, Königreicher, Hover und Moorender führen zum Einkaufen vor allem nach Buxtehude.

Die Kaufkraft fließe überwiegend ab. Unter dem Strich gäben die Verbraucher von der Este 15,6 Millionen Euro im periodischen Bereich (Lebensmittel, Getränke, Wasch- und Putzmittel sowie Drogerieartikel, Zeitungen und Heimtierfutter) aus. Knapp 3950 Einwohner gebe es links und rechts der Este. Laut einer Befragung von 2023 wünschten sich 90 Prozent der Verbraucher ein besseres Einzelhandelsangebot.

Rechtliche Hürde für Ansiedlung überwunden

Bislang erschwerte eine Vorgabe die Ansiedlung eines Marktes. Laut Raumordnung solle ein Markt mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern im zentralen Siedlungsgebiet liegen und „fußläufig“ erreichbar sein. 50 Prozent des Umsatzes müssen mit Kunden aus einem Umkreis von einem Kilometer erwirtschaftet werden können. Juristen sprechen von städtebaulich integrierten Lagen. „Doch im Ortskern gibt es keine Grundstücke“, sagt Bürgermeister Riel.

Deshalb haben sich die Altländer mit dem Amt für regionale Landesentwicklung und den Planern beim Landkreis Stade an einen Tisch gesetzt. In den Gesprächen sei erreicht worden, dass auch Flächen westlich der Buxtehuder Straße (K39) außerhalb des Ortskernbereiches für die Ansiedlung eines Vollsortimenters wie Edeka oder Rewe in Betracht kommen und „genehmigungsfähig“ wären.

„Lüneburg und Stade haben uns sehr unterstützt“, freut sich der Rathaus-Chef. Der Kreis Stade hatte Estebrügge bereits als „Standort mit herausgehobener Bedeutung für die Nahversorgung“ eingestuft. Der Markt in Estebrügge dürfe allerdings nicht größer als der Rewe-Markt in Jork sein, 1300 bis 1400 Quadratmeter seien im Gespräch. Der Jorker Rewe-Markt ist 1500 Quadratmeter groß.

Nach TAGEBLATT-Informationen ist die Projektentwicklung Kähler, ihr gehört die Penny-Immobilie in Westerjork, bereits mit Eigentümern im Gespräch. Diese ist an keinen Konzern wie Edeka, Rewe oder Schwarz-Gruppe gebunden. Sollte sich ein Investor finden, werde ein Bebauungsplan von der Kommune aufgestellt. Frühestens diese Kosten müsste der Investor über einen städtebaulichen Vertrag tragen. Ab 2028 könnte ein Markt realisiert werden. Riel: „Vorher werden wir die Bürger zu einer Informationsveranstaltung einladen.“

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