TNächster Schritt fürs Megaprojekt: 266 Meter hohe Windräder an der A26 geplant
Die von der Landwind-Gruppe im Sommer 2025 ins Auge gefassten Anlagen von Nordex haben eine Nabenhöhe von 179 Metern. Das entspricht einer Gesamthöhe von 266 Metern. Foto: Ulrich Mertens/Nordex
Die Samtgemeinde Lühe wird im Oktober das Planungsrecht für einen Windpark schaffen. Wenn alles klappt, könnten die Anlagen ab 2030 den ersten Strom liefern.
Steinkirchen. Es ist fast geschafft: Der Bauausschuss der Samtgemeinde Lühe hat bei seiner Sitzung am Mittwochabend dem Rat einstimmig empfohlen, die 16. Änderung des Flächennutzungsplans (F-Plan) abzusegnen. Mit diesem Feststellungsbeschluss schafft die Samtgemeinde Lühe eine 118 Hektar große Sonderfläche für Windenergie östlich der Autobahn 26 und der L111 (Buxtehuder Straße) in der Gemeinde Hollern-Twielenfleth.
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Die nächste Wohnbebauung befindet sich rund 850 Meter nordöstlich der geplanten Flächennutzungsplanänderung im Bereich Bachenbrock, westlich liegt Stade-Ottenbeck mit dem Airbus-Werk.
Landwind-Gruppe will Millionen investieren
Die Landwind-Gruppe steht bereits seit zwei Jahren in den Startlöchern. Das Unternehmen aus Gevensleben plant, baut und betreibt Windparks - auch mit Bürgerbeteiligung. Im Bereich der Sonderfläche am Rande des Alten Landes könnten elf Windenergieanlagen (Typ: Nordex N175 6.X) mit einer Nennleistung von jeweils 6,8 Megawatt errichtet werden.

Diese Flächen östlich der Autobahn 26 und der L111 (Buxtehuder Straße) werden im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Lühe als Sonderfläche Windenergie ausgewiesen. Links unten ist das Airbus-Werk eingezeichnet. Foto: E&P Evers Stadtplanung
Diese Windkraftanlagen haben einen Rotordurchmesser von rund 175 Metern. Bei einer Nabenhöhe von 179 Metern kämen diese auf eine Gesamthöhe von 266 Metern. Zum Vergleich: Die beiden Strommasten der Elbkreuzung 2 auf Lühesand sind jeweils 227 Meter hoch.
Wie viele tatsächlich errichtet werden, ist laut Landwind-Gruppe noch offen. Das werde sich laut Projektleiter Jochen Tobaben-Merkens erst im Genehmigungsverfahren zeigen.
Rein rechnerisch könnten jede dieser Nordex-Anlage etwa 4500 bis 5500 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen und 10.000 bis 13.000 Tonnen CO2 (Kohlenstoffdioxid) einsparen. Wie viel Geld investiert wird, bleibt offen. Branchenkenner gehen von mehr als zehn Millionen Euro pro Anlage aus.
Flora und Fauna laut Gutachter nicht gefährdet
Laut IDN Ingenieur-Dienst-Nord stehen der Schutz von Flora und Fauna dem Windpark nicht entgegen. Allerdings seien einige Kompensations- und Schutzmaßnahmen - etwa für Vögel wie die Feldlerche, Fledermäuse, Amphibien und Fische wie den Europäischen Schlammpeitzger - notwendig. Kollisionsgefährdete Vogelarten würden diesen Änderungsbereich nicht regelmäßig überfliegen.
Der 130-seitige Umweltbericht spricht hier von einer untergeordneten Bedeutung als Rast- und Gastgebiet. Hervorgehoben werden Biotope wie Streuobstwiesen (HO) und mesophiles Grünland in dem von Obst und Grünland geprägten Bereich. Die Untere Naturschutzbehörde teile diese Auffassung, so Stadt- und Regionalplaner Philipp Reinhart von E&P Evers Stadtplanung aus Hamburg.
2030 könnten die ersten Windkraftanlagen laufen
Ende Oktober wird die Änderung des F-Plans auf der Tagesordnung des Rates stehen. Das Ja ist eine Formalie. Nach der Sitzung werden die Unterlagen an den Landkreis Stade geschickt - zur Genehmigung des F-Plans. Das sollte, so der Projektleiter, innerhalb eines Monats passieren.
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Das Jahr 2027 hat Landwind für die Erstellung der Antragsunterlagen für den Windpark verplant. In 2028 rechnen die Projektierer mit einer Genehmigung der Windkraftanlagen durch den Kreis Stade. Danach könnten ab 2029/30 die Bauarbeiter loslegen. In knapp vier Jahren könnten die ersten Anlagen des Windparks bereits Strom erzeugen.
Altländer nutzen historisches Zeitfenster
Stadtplaner, Landwind und Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke sind sich einig, dass die Kommune mit dem Beschluss der laufenden Raumordnungsplanung des Landkreises Stade zuvorgekommen sind. Bekanntlich wollen die Altländer die große Chance nutzen, die sich ihnen durch das Windenergieflächenbedarfsgesetz des Bundes und die Gemeindeöffnungsklausel im Baugesetzbuch eröffnet hat.

Grenzen des Vorranggebietes kulturelles Sachgut (graue Linie) und der Windkraft-Potenzialfläche in Hollern-Twielenfleth, unten verläuft die A26. Foto: Land Niedersachsen
Das Zeitfenster gelte es zu nutzen. Noch gilt das neue Regionale Raumordnungsprogramm nicht. Wenn es im Laufe des Jahres 2027 in Kraft tritt, wird die Gemeindegrenze als Grenze des Kulturellen Sachgutes Altes Land festgesetzt. Das wäre das Aus für die Windkraftpläne. In Schutzgebieten für Kulturlandschaften sind sogenannte raumbedeutsame Anlagen über 40 Meter verboten.

Die ins Auge gefassten Anlagen von Nordex haben eine Nabenhöhe von 179 Metern. Foto: Ulrich Mertens/Nordex
Samtgemeinde, Landwind und Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) vertreten die Auffassung, dass Lühe die Windkraftpläne noch umsetzen kann. Der Landkreis Stade vertritt eine andere Auffassung. Schon heute sei, mit Blick auf Landesraumordnung, die Gemeindegrenze als Grenze des Kulturellen Sachgutes zu werten. Gerke: „Wir werden klagen, sollte der Landkreis Stade den F-Plan nicht genehmigen.“
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