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Fahrradprotesttour

TNein zu LNG: Klimacamp auf einer Obstplantage in Guderhandviertel

Marek Jüchter, Erhard Asbrand, Tiger Sebastiansen und Kaya Schlößler machen Station in Guderhandviertel auf ihrer „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradprotesttour (von links).

Marek Jüchter, Erhard Asbrand, Tiger Sebastiansen und Kaya Schlößler machen Station in Guderhandviertel auf ihrer „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradprotesttour (von links). Foto: Vasel

Gemeinsam treten sie in die Pedale, um sich für mehr Wind-, Solar- und Wasserkraft starkzumachen. Für eine Nacht verwandelte sich der Obsthof Blohm in ein Klimacamp.

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Von Björn Vasel
Mittwoch, 20.05.2026, 10:05 Uhr

Guderhandviertel. Bei ihrer „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradprotesttour haben Klimaschützer aus ganz Deutschland am Montagabend auf dem Obsthof von Claus Blohm für eine Nacht einen Stopp eingelegt und ein Klimacamp errichtet. Den Ort hatten sie bewusst gewählt.

Teilnehmer halten ein Protestbanner bei der „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradprotesttour auf dem Hof von Claus Blohm in ihren Händen.

Teilnehmer halten ein Protestbanner bei der „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradprotesttour auf dem Hof von Claus Blohm in ihren Händen. Foto: Vasel

Die Kinder des Öko-Obstbauern aus Guderhandviertel, Franziska und Johannes, gehörten zu den neun jungen Klimaschützern, die mit Greenpeace und der Anwältin Dr. Roda Verheyen erreichten, dass die CDU/SPD-Bundesregierung ihr Klimaschutzgesetz ändern musste. Ihre Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht war im März 2021 von einem Erfolg gekrönt worden.

Klimaschutz ist ein Menschenrecht

Die Richter stuften den Klimaschutz als Menschenrecht ein und zwangen die Bundesregierung, das nationale Klimaschutzziel im Gesetz zu ändern: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 um 65 Prozent statt 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt, die Klimaneutralität bereits 2045 statt 2050 erreicht werden. Die Altländer forderten seinerzeit den schnelleren Ausstieg aus den fossilen und den schnelleren Ausbau der regenerativen Energien - wie der Windkraft.

Der Protest mache ihr Hoffnung, so Franziska Blohm. Sie hoffe, dass ein breiter Protest die Bundesregierung bewege, die Anstrengungen wieder zu erhöhen. Schließlich zeichne sich ab, dass Deutschland die Reduktionsziele bei Treibhausgasemissionen bis 2030 verfehlen werde.

Protest gegen Stader LNG-Terminal

Das wollen die jungen Naturschützer nicht hinnehmen. Etwa 80 bis 100 Umweltaktivisten treten seit Montag in die Pedale. Ihre unter anderem von Students for Future initiierte Fahrradprotesttour „Exit Gas - Enter Future“ führt von Hamburg über das Alte Land, Stade, Bremen, Osnabrück und Münster entlang geplanter oder in Bau befindlicher Gaspipelines, -kraftwerke und -importterminals nach Hamm.

Protestplakat der 550 Kilometer langen „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradtour.

Protestplakat der 550 Kilometer langen „Exit Gas - Enter Future“-Fahrradtour. Foto: Vasel

In Stade demonstrierten sie gegen das LNG-Terminal. Sie kritisierten insbesondere den Bau und den Abschluss langfristiger Lieferverträge, unter anderem mit Lieferanten von Frackinggas aus den USA oder Flüssigerdgas aus Golfstaaten wie Katar. Durch Abschluss von Zwanzigjahresverträgen kette Deutschland sich auf Jahrzehnte an fossiles und teures Gas.

Mehr erneuerbare Energien und Batteriespeicher

„Wir demonstrieren für einen deutlich schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und gegen den Ausbau von Gasinfrastruktur durch die CSU-Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche“, sagt Fahrrademo-Sprecher Tiger Sebastiansen. „Wir dürfen den Ausbau von dreckiger Gasinfrastruktur nicht zulassen, damit machen wir uns von Autokraten abhängig und gefährden das Klima und unsere Sicherheit“, sagt der Klimaschützer. Energiepolitik für Gaskonzerne und schnelle Gewinne gingen auf Kosten der jungen Generation.

„Notwendig wäre stattdessen der verstärkte Ausbau klimafreundlicher Alternativen wie Windkraft, Photovoltaik oder Wasserkraft.“ Sie denken nicht nur an klassische Wasserkraftwerke, sondern auch an innovative Technologien wie Flusswärmepumpen für Fernwärme - etwa in der Elbe. Mehr Tempo müsse es beim Bau von Batteriespeichern geben. Es müsse jetzt gehandelt werden. Erneuerbare Energien seien preiswerter, sicherer und krisenfester als fossiles Gas.

Erklärten sich solidarisch: Bio-Obstbauer Claus Blohm (Zweiter von rechts) und Bürgermeister Timo Gerke (Dritter von rechts) hoffen auf Windkraft an der A26.

Erklärten sich solidarisch: Bio-Obstbauer Claus Blohm (Zweiter von rechts) und Bürgermeister Timo Gerke (Dritter von rechts) hoffen auf Windkraft an der A26. Foto: Vasel

Die Fahrradtour endet am Sonnabend, 30. Mai, in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Dort hat ein deutschlandweites Bündnis aus BUND, Fridays for Future, Greenpeace sowie Campact zu einer Großdemo aufgerufen. Diese startet um 12 Uhr. In Stockum an der Lippe (Ortsteil von Werne) wollen die Protestler vor dem vom Energiekonzern RWE AG geplanten zusätzlichen Gaskraftwerksblock Gersteinwerk das weltgrößte Windrad-Menschenbild bilden.

Martin Lüdders, aktiv in der Grünen Jugend und im Klimabündnis gegen LNG im Kreis Stade, redet am Dienstag bei der Demo. im Hintergrund ist das LNG-Terminal in Stade zu sehen.

Martin Lüdders, aktiv in der Grünen Jugend und im Klimabündnis gegen LNG im Kreis Stade, redet am Dienstag bei der Demo. im Hintergrund ist das LNG-Terminal in Stade zu sehen. Foto: privat

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