TNur ein Zubrot? Was der Kürbis den Höfen im Alten Land bringt
Unternehmerin Anna Marquardt baut vor allem die Sorte Hokkaido an. Foto: Thumann
In vielen Hofläden werden auch Kürbisse verkauft. Zeichnet sich ein neuer Trend ab? Auf Spurensuche im Alten Land und über die Kreisgrenze hinaus.
Landkreis. Der Oktober ist der Höhepunkt der Kürbissaison. Ob zur Pyramide gestapelt, beim Discounter, im Hofladen oder zu Halloween – rund um den 31. Oktober ist der Kürbis allgegenwärtig.
Mehr als 160.000 Tonnen werden in Deutschland geerntet. 2024 waren es weltweit 35 Millionen Tonnen mit dem Schwerpunkt Indien. Im Alten Land werden nach bisherigem Kenntnisstand rund fünf Tonnen auf insgesamt einem Hektar Fläche von zwei Obsthöfen produziert.
Früher war der Kürbis noch ein Alleinstellungsmerkmal
Ist hier ein Trend entstanden, der für das Alte Land eine wirtschaftliche Bedeutung bekommen und sich in direkte Konkurrenz zur Apfelernte begeben könnte?
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Ulrike Schuback schüttelt den Kopf. „Nein, im Alten Land nicht. Es ist ein gutes Zubrot, um das Angebot attraktiver zu machen für die Kunden“, sagt die Chefin des Obstparadieses Schuback. Vor 20 Jahren habe es noch etwas besser ausgesehen, da Discounter Kürbisse noch nicht im Programm hatten. „Da hatte man noch ein Alleinstellungsmerkmal. Da waren es hier in Jork drei Betriebe, die Kürbis angebaut haben“, sagt Schuback und muss lächeln beim Vergleich mit der Apfelernte.
Wenig Kürbis im Vergleich zur Apfelernte
„Bei 80 Tonnen Äpfel pro Hektar sind unsere zwei Tonnen Kürbisse prozentual wenig“, erläutert Schuback das Verhältnis. Beim Discounter könne man Kürbisse viel günstiger kaufen. Die Preise gingen kontinuierlich nach unten, und es sei eben Handarbeit, das Gemüse aus dem Marschboden zu holen.

Für Anna Marquardt war der Kürbisanbau zunächst ein Hobby. Foto: Thumann
Im Hause Schuback hat sich bereits die nächste Generation des Themas Kürbis angenommen. Patenkind und Nichte Anna Marquardt und ihr Bruder Axel zeichnen verantwortlich für Anbau, Ernte und Verkauf. „Es begann als Hobby vor vier Jahren bei uns zu Hause in Ladekop. Als es dort zu eng wurde, sind wir zu unserer Tante nach Jork mit dem Kürbisanbau umgezogen“, so die Jungunternehmerin, die von den zwei Tonnen in Bioqualität zu 80 Prozent die Sorte Hokkaido anbaut.
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Und beim Obsthof Lefers?
Seit 30 Jahren widmet sich Cord Lefers dem Kürbisanbau. „Ich habe mit 15 Jahren angefangen, die ersten Kerne hinter der Scheune in die Erde zu stecken. Das waren meine ersten eigenen Geschäftserlebnisse“, erinnert sich der Obstbauer, der gerade zwischen den abgeernteten Apfelbäumen Gras mäht. Mittlerweile habe der Bio-Kürbis einen festen Platz auf dem Demeter-Hof.

Cord Lefers vom Obsthof Lefers: „Der Apfel ist und bleibt das Zugpferd im Hofladen.“ Foto: Thumann
„Es ist eine Nische. Aber in diesem Saisonfenster und der Flächennische ist es eine stabile Einheit, sonst würden wir es nicht schon drei Jahrzehnte machen“, so Lefers, der einen dreiviertel Hektar mit Kürbissen bewirtschaftet und drei Tonnen erntet. Auch bei ihm liegt das Verhältnis bei 99:1 für die verschiedenen Apfelsorten wie Elstar, Braeburn und auch Santana und Topaz. Neuer dabei seien Natyra und zuletzt auch Charlotte. Nach seiner Beobachtung greifen die Kunden zunehmend zu diesen süßeren Sorten.

Im Alten Land werden nicht nur Äpfel verkauft. Welche Rolle spielt der Kürbis? Foto: Thumann
„Der Apfel ist und bleibt das Zugpferd im Hofladen, auch weil er das ganze Jahr über verfügbar ist. Der Kürbis hat seinen Saisonhöhepunkt bis zu den Feiertagen und dann ebbt es ab. Für den Handel haben wir hier nicht den richtigen Untergrund, da geht man besser auf leichtere Böden“, sagt Lefers und konzentriert sich lieber auf das, „was wir besser können“.
Ein Blick hinter die Kreisgrenze
Der größte Kürbisproduzent der Region liegt knapp hinter der Kreisgrenze an der B3 in Rade. Der Hof Bartels erntet auf 30 Hektar 450 Tonnen. Auch hier wurde aus dem Hobby vor 30 Jahren mehr. 120 verschiedene Sorten gibt es zu bestaunen: Halloween-, Spaghetti-, Butternut- oder Pumpkin-Kürbis und dazu noch Zierkürbisse, die besser nicht verzehrt werden.

Viele Menschen aus dem Kreis kennen die Kürbis-Pyramide an der B3 in Rade. Foto: Thumann
Allein die große Pyramide wird mit 5030 Kürbissen bestückt. Aber auch auf dem Hof Bartels, der zwar Famila und Rewe beliefert, ist der Kürbis nur ein Teil dessen, was auf den insgesamt 200 Hektar des Betriebes angebaut wird. „Wir sind ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Kartoffeln, Spargel, Mais und Getreide“, erklärt Heiner Bartels, Chef von 15 Mitarbeitern.
Lefers empfiehlt den Sweet Dumpling
Und was passiert mit den Kürbissen, die Mitte November noch nicht verkauft wurden? „Wir haben das Passende nicht gefunden. Auch bei Tierparks wurde zur Verfütterung angefragt, aber das war schwierig. Jetzt bringen wir es wieder aufs Feld und pflügen es zur Düngung unter.“
Auf allen drei Höfen wird der Kürbis nicht nur verkauft, sondern auch von den Betreiberfamilien selbst gerne zubereitet. Ob als Suppe, in Spalten geschnitten und im Backofen gegart oder als schneller Mikrowellenkürbis mit Butter und Gewürzen gefüllt, die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig.
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Cord Lefers empfiehlt dafür den kleinen Speisekürbis Sweet Dumpling. Nach dem Entfernen der Kerne wird der Kürbis gewürzt, mit dem Deckel verschlossen und je nach Größe etwa 10 bis 15 Minuten in der Mikrowelle gegart.
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