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Landgericht Stade

TProzess um getötete Frau aus Apensen: So gibt sich der Angeklagte

Zum Auftakt im Prozess um die im Dezember 2025 erstochene Frau aus Apensen im Landgericht Stade verdeckt der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Ordner aus Pappe. Neben ihm sitzen seine Strafverteidiger Baris Devletli (Mitte) und Ali Mojab.

Zum Auftakt im Prozess um die im Dezember 2025 erstochene Frau aus Apensen im Landgericht Stade verdeckt der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Ordner aus Pappe. Neben ihm sitzen seine Strafverteidiger Baris Devletli (Mitte) und Ali Mojab. Foto: Sulzyc

Es war eine grausame Tat: Vor dem Landgericht hat der Mordprozess um die erstochene Frau aus Apensen begonnen. Die Anklageschrift hat es in sich.

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Von Thomas Sulzyc
Freitag, 12.06.2026, 17:50 Uhr

Apensen. Meist sitzt er mit gesenktem Kopf auf seinem Stuhl im Gerichtssaal. Den Blick auf die Tischplatte vor sich gerichtet. Auf diese Weise hört der schmächtige Mann der Dolmetscherin zu, die simultan in die russische Sprache übersetzt.

Keine Regung zeigt der 57 Jahre alte Angeklagte, als die Staatsanwältin ihm bei der Verlesung der Anklageschrift Mord vorwirft. Am 19. Dezember 2025 soll der Mann seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Apensen mit einem Messer getötet haben. Am frühen Morgen habe er an ihrer Haustür geklingelt - und damit die Frau überrumpelt, weil sie noch schlaftrunken gewesen sei.

15 Messerverletzungen am Körper

15 Verletzungen durch schneidende und stechende Stiche habe die damals 40 Jahre alte Frau laut Staatsanwaltschaft erlitten. Nach erheblichem Blutverlust kam jede Hilfe zu spät. Sie verstarb im Elbe Klinikum in Stade.

Der Mann habe der Frau zuvor vorgeworfen, sich mit anderen Männern eingelassen zu haben. Eine Trennung habe er als inakzeptabel betrachtet. Mit Todesdrohungen habe er seine Ehefrau gefügig machen wollen. Doch die habe sich nicht davon beeindrucken lassen, heißt es in der Anklageschrift.

Der Täter habe die eigene Ehre und die Ehre der Familie beschmutzt gesehen. Der Angeklagte habe die Frau als sein Eigentum betrachtet. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus.

Nach der Tat soll der Angeklagte geflüchtet sein. Er wurde bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben, stellte sich einige Tage später bei der Polizei. Seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde ein.

Zum Prozessauftakt schweigt der Angeklagte

Zum Prozessauftakt am Landgericht Stade äußert sich der Angeklagte nicht. Das werde sein Mandant aber zu einem späteren Zeitpunkt tun, kündigt sein Rechtsanwalt Baris Devletli an. Dieser verteidigt zusammen mit dem Rechtsanwalt Ali Mojab den Angeklagten.

Lediglich zu seiner Person macht der Angeklagte Angaben. Im leisen Ton, beinahe flüsternd, antwortet er auf Russisch. Er ist während der Verhandlung auf eine Dolmetscherin angewiesen.

Das ist über den Angeklagten bekannt

Dunkel ist der Mann gekleidet: schwarze Funktionsjacke, anthrazitfarbene Hose, dazu dunkelgraue Sandalen.

Geboren ist der Angeklagte in Aserbaidschan. Der 57-Jährige hat die aserbaidschanische und die ukrainische Staatsbürgerschaft. Er habe eine technische Berufsschule abgeschlossen, antwortet der Mann auf die Frage nach seinem Beruf - im Bereich Industrieproduktion.

Vater von fünf Kindern ist der Angeklagte - zwei erwachsene Töchter, eine beinahe erwachsene Tochter und zwei kleine Söhne. Vier gemeinsame Kinder hat der 57-Jährige mit der Frau, die er laut Staatsanwaltschaft getötet haben soll.

Zwei Polizisten sagen als Zeugen aus

Dann folgt die Vernehmung des ersten Zeugen: Ein Polizeibeamter, der an dem Dezembermorgen zusammen mit seinem Kollegen als Erstes am Tatort eintraf. Er schildert, wie die erstochene Frau vorgefunden wurde. Im Hausflur habe sie gelegen. „Ich habe Wunden wahrgenommen“, erinnert er sich.

Eine Frau habe neben dem Opfer gekniet. „Es wirkte, als ob sie eine Erstversorgung der Wunden vorgenommen habe“, beschreibt der Polizeibeamte das Szenario.

Kriminaltechniker der Polizeiinspektion Stade sichern Spuren am Tatort in Apensen.

Kriminaltechniker der Polizeiinspektion Stade sichern Spuren am Tatort in Apensen. Foto: Vasel

Zusätzlich seien eine männliche Person und eine weitere Frau anwesend gewesen. Dabei handelte sich um Hausbewohner. Sie hätten einen Streit gehört - aber die Tat selbst nicht gesehen. Die durch Messerstiche verletzte Frau habe seiner Erinnerung nach nichts mehr sagen können, sagt der Polizeibeamte. Einer der Zeugen sagte ihm, dass der Täter mit einem Schal das Gesicht verdeckt gehabt habe.

Auch der zweite Zeuge ist Polizist. Sehr schwierig sei die Kommunikation mit den zwei anwesenden Frauen im Haus gewesen, sagt er. „Sie konnten kaum Deutsch sprechen.“

Einer der im Haus anwesenden Personen habe den Polizisten ein WhatsApp-Profilbild gezeigt. Es soll sich um das Bild des Angeklagten gehandelt haben, den die Zeugen verdächtigten.

So geht es in dem Prozess weiter

Die Vorsitzende Richterin hat elf Verhandlungstage bis Ende August angesetzt. Beim nächsten Verhandlungstermin am Mittwoch, 24. Juni, 9.30 Uhr, wird die 4. Schwurgerichtskammer einen Gerichtsmediziner hören, der die Getötete obduziert hat.

Am Montag, 29. Juni, 9.30 Uhr, werden Töchter der Getöteten aussagen. Am Donnerstag, 2. Juli, 9.30 Uhr, erwartet das Gericht die mit Spannung erwartete eigene Erklärung des Angeklagten zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Bis zum Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

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