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Kulturerbe

TSt. Johannes wirft sich in Schale: Turm in Neuenkirchen wird saniert

Die Pastoren Uwe Junge und Olaf Prigge schauen Zimmermann Patrick Holst bei den Sanierungsarbeiten am Turm von St. Johannes in Neuenkirchen zu (von links).

Die Pastoren Uwe Junge und Olaf Prigge schauen Zimmermann Patrick Holst bei den Sanierungsarbeiten am Turm von St. Johannes in Neuenkirchen zu (von links). Foto: Vasel

Vor zwei Jahren hat die Kirche die Kunstschätze von St. Johannes in Neuenkirchen restauriert. Jetzt ist der Turm an der Reihe.

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Von Björn Vasel
09.10.2026, 16:50 Uhr

Neuenkirchen. Der hölzerne Kirchturm ist bereits eingerüstet. Die Zimmermänner von Oellrich Holzbau aus Hollern-Twielenfleth haben bereits einen Teil der maroden Holzverkleidung des 1656 bis 1658 errichteten Glockenturms von St. Johannes entfernt. 250.000 Euro investiert die Kirche in das Denkmal.

Der Turm der St.-Johannes-Kirche in Neuenkirchen ist eingerüstet.

Der Turm der St.-Johannes-Kirche in Neuenkirchen ist eingerüstet. Foto: Vasel

Erneuert werden die Verschalung des Turms und die Schindeln des Daches, erklärt Pastor Uwe Junge, Vorsitzender des kirchlichen Bauausschusses. Die mächtigen Eichenbalken im Inneren seien in Ordnung.

Marode: Blick auf die Holzverschalung des Glockenturms von St. Johannes in Neuenkirchen.

Marode: Blick auf die Holzverschalung des Glockenturms von St. Johannes in Neuenkirchen. Foto: Vasel

Die Landeskirche Hannover stemmt den Großteil (175.000 Euro) der Kosten, 50.000 Euro steuere der Kirchenkreis Stade bei. „Wir als Kirchengemeinde müssen zehn Prozent aufbringen“, sagt Pastor Olaf Prigge. Seit 2018 stand die Turm-Sanierung auf der Liste. Die Federführung hat das Amt für Bau- und Kunstpflege in Bremerhaven.
Das Dach des Kirchturms von St. Johannes in Neuenkirchen wird erneuert.

Das Dach des Kirchturms von St. Johannes in Neuenkirchen wird erneuert. Foto: Vasel

Die Pastoren hoffen, dass die Zimmerleute und Dachdecker vor dem Winter fertig werden. Bevor die Dachdecker auf dem Dach des St.-Johannes-Kirchturms loslegen, muss das Gerüst noch aufgestockt werden.

Orgel und Altar wurden bereits 2014 überholt

Für die Pastoren Uwe Junge und Olaf Prigge ist die kleine Kirche „ein Kleinod“. Im Jahr 2024 hatte der Restaurator Markus Tillwick aus Adendorf bei Lüneburg den spätgotischen Flügel-Altar der St.-Johannes-Kirche in Neuenkirchen (um 1330) gereinigt und Teile der Figuren und der Bilder im Auftrag der Landeskirche Hannover restauriert. Kosten für Landeskirche und Lühekirchen-Gemeinde: circa 14.000 Euro.

Blick in das Innere von St. Johannes in Neuenkirchen mit dem spätgotischen Flügelaltar.

Blick in das Innere von St. Johannes in Neuenkirchen mit dem spätgotischen Flügelaltar. Foto: Vasel

Damit nicht genug. Vor zweieinhalb Jahren überarbeitete der Orgelbauer Bartelt Immer auch die Ott-Orgel. In St. Johannes gab es - im Gegensatz zu den anderen Kirchen des Alten Landes - über Jahrhunderte keine Orgel. Erst 1936/1937 leisteten sich die Altländer eine Orgel von Paul Ott (Göttingen).

Steinreicher Ritter baute St. Johannes

Der Ursprungsbau wurde 1270 von Ritter Johannes Schulte von der Lühe (de Lu) und seiner Frau Hildburg errichtet. Als Lokatoren, frühmittelalterliche Subunternehmer im Dienst des Landesherren, trieben die steinreichen Ministerialen und Burgmänner von Horneburg mit den Holländern die Kultivierung und Eindeichung des Sietlandes im Alten Land voran.

In einer Urkunde vom 22. April 1270 bestätigt Bischof Konrad von Verden († 1300) in Latein „dass der Ritter Johannes Schulte von der Lühe, der keine Erben hat, damit begonnen hat, eine neue Pfarrkirche (Neuenkirchen) im Kirchspiel Mittelnkirchen zu errichten, der er als Ausstattung zum Unterhalt eines Priesters eine Viertelhufe und eine halbe Hufe sowie einen Hof in Nottensdorf zugewiesen hat, der jährlich Erträge von drei Stader Scheffel Getreide einbringt“. Die Urkunde fiel im Jahr 1943 einem Bombenangriff der Alliierten auf Hannover im Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Klosterbau als Eintrittskarte ins Paradies

Zur neuen Pfarrkirche in „No va Lu“ gehörten zwölf Höfe. Der Pfarrer der Mutterkirche in Mittelnkirchen („Lu“) wurde mit Land und Geld abgespeist. Außerdem stimmten unter anderem Bischof und Verdener Domkapitel der Kirchengründung zu. Der Ritter ohne Erben verschenkte seinen Hof als Eintrittskarte ins Paradies an eine Nonnen-Gemeinschaft, das Domkapitel in Verden holte Benediktinerinnen aus Buxtehude an die Lühe.

Blick auf den Flügelaltar, das Kruzifix stammt noch aus der Klosterzeit.

Blick auf den Flügelaltar, das Kruzifix stammt noch aus der Klosterzeit. Foto: Vasel

Doch das Mini-Kloster (1274) wurde 1286 auf Wunsch der Nonnen von Neuenkirchen nach Neukloster verlegt. Bischof Konrad hatte den Nonnen erlaubt, den unfruchtbaren Ort (sterili loco) Neuenkirchen zu verlassen und an den fruchtbaren Ort (ad locum fertiliorem) Bredenbeke (Neues Kloster) umzuziehen. Der prächtige Abendmahlkelch aus vergoldetem Silber wird heute im Schwedenspeicher in Stade bewahrt.

Neuenkirchen war die letzte Gemeinde in der Region, in der um 1580 die Reformation einzog. 1845 und 1925/1931 wurde die Kirche „im alten Stil“ neu erbaut, das Kloster stand auf einer Warft in der Nähe.

Bevor die Dachdecker auf dem Dach des St.-Johannes-Kirchturms loslegen, muss das Gerüst noch aufgestockt werden.

Bevor die Dachdecker auf dem Dach des St.-Johannes-Kirchturms loslegen, muss das Gerüst noch aufgestockt werden. Foto: Vasel

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