Denkmalschutz

TTV-Kommissarin „wohnt“ hier: Bekanntestes Altländer Bauernhaus wird saniert

Heinrich Stölken (links) zeigt Dr. Reinhold Kolck die Schäden im Reetdach.

Heinrich Stölken (links) zeigt Dr. Reinhold Kolck die Schäden im Reetdach. Foto: Vasel

Es ist die bedeutendste Hofanlage des Alten Landes. Der TV-bekannte Harmshof in Königreich wird ab Herbst mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert.

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Von Björn Vasel
07.07.2026, 17:55 Uhr

Königreich. Der Harmshof in Königreich ist nicht irgendein Baudenkmal. Es ist „die am besten erhaltene“ spätmittelalterliche Hofanlage des Alten Landes. „Die Hofstelle in Königreich ist ein einzigartiges Ensemble“, betonte der Ortskurator Stade der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Dr. Reinhold Kolck, anlässlich der symbolischen Übergabe des Förderbetrags. Voraussichtlich 200.000 Euro wird die Reetdach-Erneuerung des im Jahr 1606 erbauten Zweiständerfachhallenhauses kosten.

Dr. Reinhold Kolck, Ortskurator Stade der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überreicht Henrik und Frauke Köpke und Heinrich Stölken symbolisch den Förderbetrag vor dem Harmshof in Königreich.

Dr. Reinhold Kolck, Ortskurator Stade der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überreicht Henrik und Frauke Köpke und Heinrich Stölken symbolisch den Förderbetrag vor dem Harmshof in Königreich. Foto: Vasel

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt das Projekt mit einer Förderung in Höhe von zehn Prozent. Diese stammen aus Spenden und Erträgen der Lotterie Glücksspirale. Gemeinde Jork und Landkreis Stade wollen das Projekt ebenfalls unterstützen. Den Großteil tragen die Eigentümer.

UNESCO-Experte und Filmproduzenten schätzen die Hofanlage

Deutschlandweit wurde der Harmshof durch die Dörte-Hansen-Verfilmung „Altes Land“ mit Iris Berben bekannt (2020) – die Kommissarin Helen Dorn (Anna Loos) „wohnt“ in der gleichnamigen ZDF-Kriminalfilmreihe auf dem Hof. Damit nicht genug. Der frühere Leiter des Welterbe-Zentrums der UNESCO in Paris, Professor Dr. Bernd zu Droste und Hülshoff, legte den Altländern seinerzeit nahe, den Hof in der Begründung der letztlich gescheiterten Welterbe-Anträge von 2012/2014 und 2021 zu berücksichtigen.

Hof wird in 19. Generation bewirtschaftet

Denkmal-Eigentümer Heinrich Stölken und seine Tochter Frauke nahmen die DSD-Förderung entgegen. Sie und ihr Mann Hendrik Köpke wollen die Familientradition fortführen.

Der Hof wird in der 19. Generation bewirtschaftet. Erstmals ist die Hofanlage im Jahr 1524 als Vollhof im Schatzregister erwähnt worden. Der Hof gehörte seinerzeit Jacob Levendes (Lefers). Diese Familie gehörte „zu den frühen holländischen Kolonisten“.

Die Eigentümer lebten über Jahrhunderte von Ackerbau und Viehhaltung. Auch eine Ziegelei gehörte dazu, diese lieferte auch Ziegel für den Wiederaufbau Hamburgs nach dem Großen Stadtbrand von 1842. Heute prägt der Obstbau den Betrieb an der Königreicher Straße 88 in Jork-Königreich.

Einzigartiges Ensemble: Blick auf das Haupthaus des Harmshofes in Königreich, vorne rechts ist der alte Küchen- und Waschgraben mit gepflasterter Pferdetränke und Wagenwäsche zu sehen.

Einzigartiges Ensemble: Blick auf das Haupthaus des Harmshofes in Königreich, vorne rechts ist der alte Küchen- und Waschgraben mit gepflasterter Pferdetränke und Wagenwäsche zu sehen. Foto: Vasel

Das Ensemble liegt auf einer Wurt an der Este, damit könnte es bereits vor der Eindeichung im Hochmittelalter einen Hof an dem Ort gegeben haben. Um 1820 wurde der Prunkgiebel abgetragen, das Haus um 5,50 Meter verlängert und der heutige dreifach abgetreppte klassizistische Prunkgiebel - sichtbar vom Este-Deich - errichtet. Das Baumaterial wurde als Floßholz aus dem Erzgebirge über die Elbe bis ins Alte Land transportiert.

Blick in den Hofladen.

Blick in den Hofladen. Foto: Vasel

Obstbau-Einnahmen genügen nicht, um Harmshof zu erhalten

„Wir fühlen uns dem Erhalt dieses nicht nur für unsere Familie und das Alte Land bedeutenden Kulturerbes verpflichtet“, sagt Frauke Köpke. Mit den Einnahmen aus dem Obstbau sei das Baudenkmal nicht zu erhalten, ergänzt Hendrik Köpke mit Verweis auf die Erzeugerpreise, die aktuell nicht die Produktionskosten decken.

Blick in die Durchfahrtsscheune des Harmshofes in Königreich.

Blick in die Durchfahrtsscheune des Harmshofes in Königreich. Foto: Vasel

Deshalb haben die Stölkens mit dem Hamburger Architekten Hans Werner Prell bereits die Durchfahrtsscheune (2006) und den Schafstall (2007) saniert. Im ehemaligen Schafstall von 1820 gibt es ein Café. Das ist von Mitte April bis Mitte Oktober sonnabends und sonntags von 13 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet.

Die Scheune dient heute als Location für Konzerte, Tagungen und Firmen- und Familienfeiern. Diese wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg erbaut und gehört zu den ältesten Wirtschaftsgebäuden des Alten Landes.

Blick auf den alten Schafstall mit alten Prunk-Balken von 1606, heute als Café genutzt.

Blick auf den alten Schafstall mit alten Prunk-Balken von 1606, heute als Café genutzt. Foto: Vasel

Im Schafstall finden sich Originalhölzer, unter anderem Inschriftenbalken des alten Prunkgiebels von 1606. Hinzu kommt ein Hofladen im Haupthaus.

Wann die Sanierung beginnt

Im Herbst 2026 sollen die Reetdachdecker anrücken. Das Haupthaus werde ab November eingerüstet, Teile der Dachstuhllattung werden erneuert. Die Nordseite werde komplett neu mit Reet eingedeckt, die Südseite repariert. Der Dachfirst wird Heidekraut eingedeckt. Die Familie lobt die enge Zusammenarbeit mit Denkmalpflegerin Kim Sulinski vom Landkreis Stade bei der Sanierung des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes. Das Dach sei zuletzt 1950 eingedeckt worden. Im April 2027 soll alles fertig sein - pünktlich zum Saisonstart.

Letztlich steht die authentische Hofanlage für Altländer Bauernstand und Selbstständigkeit der Landesgemeinde Altes Land ab dem 14. Jahrhundert. Der Erbauer des Hauses von 1606, Peter Rode, war Hauptmann und Bürgermeister. So ist der Hof auch Symbol des Altländer Selbstbewusstseins. Frauke Köpke: „Wir wollen Kultur und Geschichte erhalten und erlebbar machen.“

Es gibt Führungen am Tag des offenen Denkmals mit dem Historiker Dr. Boy Friedrich, auch die Altländer Blütenkönigin Anna Faby schaut vorbei.

Es gibt Führungen am Tag des offenen Denkmals mit dem Historiker Dr. Boy Friedrich, auch die Altländer Blütenkönigin Anna Faby schaut vorbei. Foto: Vasel

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