TWindkraft an der A26: Warum der Grenzstreit im Alten Land weiter schwelt
Die ins Auge gefassten Anlagen von Nordex haben eine Nabenhöhe von 179 Metern. Foto: Ulrich Mertens/Nordex
Dürfen an der A26 im Alten Land Windkraftanlagen gebaut werden? Ja, sagt die Ministerin in Hannover. Nein, sagt Landrat Kai Seefried.
Steinkirchen. Vorgeschichte: Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke will die Energiewende vorantreiben. Gemeinsam mit der CDU, FWG und der SPD sowie den Grünen will Gerke dafür ein kleines Zeitfenster nutzen. Das ist noch bis zum Herbst geöffnet. So lange noch gelten zwei gesetzliche Regelungen: das geänderte Windenergieflächenbedarfsgesetz des Bundes und die Gemeindeöffnungsklausel im Baugesetzbuch.
Altes Land
T Rückenwind für Windkraftanlagen entlang der A26
Die Altländer Politik und die Unternehmen Landwind und PNE AG sind überzeugt, dass bis zu einem Inkrafttreten des Regionalen Raumordnungsprogramms des Landkreises Stade (RROP) - voraussichtlich im Jahr 2027 - noch die rechtlichen Voraussetzungen zum Bau von knapp 20 Windkraftanlagen entlang der A26 geschaffen werden können. Deshalb will die Samtgemeinde Lühe ihren Flächennutzungsplan ändern und Sonderbauflächen für Windenergie festsetzen. Die Pläne liegen aus.
Grenze könnte Windkraft ausschließen
Die Krux: Im neuen RROP wird die Grenze des Kulturellen Sachgutes Altes Land erstmals im Detail planungsrechtlich festgesetzt - auf der Gemeindegrenze. Das wäre das Aus für die Windkraftpläne. Denn in Schutzgebieten sind raumbedeutsame Anlagen über 40 Meter verboten. Aktuell sind bis zu 260 Meter hohe Windkraftanlagen östlich von A26 und L111 am äußersten Rand der Pufferzone des potenziellen Welterbes im Gespräch.
Ministerin steht hinter den Windkraftplänen
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) unterstützt die Pläne seit 2025. Ihre Auffassung: Der Windpark-Planung stehe planungsrechtlich nichts entgegen. Schließlich gebe es im aktuellen RROP noch kein Vorranggebiet Kulturelles Sachgut. Dass es im Landesraumordnungsprogramm (LROP) steht, ist für Staudte nicht entscheidend.
Energiewende
T Geld in Sicht: Altländer fordern Windkraftanlagen an der A26
Hinter diese Rechtsauffassung haben die Planer im Kreishaus ein dickes Fragezeichen gesetzt. Damit wäre eine Genehmigung des Flächennutzungsplans durch den Landkreis Stade fraglich, fürchtet Timo Gerke. Er schaltete Hannover ein.
Die Haltung des Kreises Stade habe sie „irritiert und verwundert“, schreibt Staudte in einem Brief vom 15. Juni an Landrat Kai Seefried (CDU) und an Gerke, der dem TAGEBLATT vorliegt. Das Vorranggebiet sei im LROP nicht parzellenscharf abgegrenzt, sondern als „breiter Strich“. In ihrem Schreiben bekräftigt sie wie bereits im Juni 2025, dass es der Windkraftflächenausweisung entlang der A26 „nicht entgegensteht“. Es sei jetzt „die Aufgabe und das Recht der Regionalplanung“, das alles bei der genaueren Abgrenzung des Vorranggebietes zu bewerten.
Grenzziehung bleibt umstritten
„Der Inhalt des Schreibens ist nicht überraschend. Ich bin dieses Schwarze-Peter-Spiel zwischen dem Landwirtschaftsministerium, dem Landkreis Stade und der Samtgemeinde Lühe wirklich leid“, sagt Landrat Kai Seefried (CDU) in einer ersten Reaktion. Inhaltlich Neues gebe es in der Sache nicht. Die Windkraft-Planung könne inhaltlich erst eingeschätzt werden, wenn der F-Plan vorliege.

Das Alte Land wurde 2022 mit dem Inkrafttreten des neuen Landesraumordnungsprogramms (LROP) zum Vorranggebiet „Kulturelles Sachgut“ - als Historische Kulturlandschaft. Foto: Land Niedersachsen
Seefried verweist auf ein von ihm 2025 initiiertes Treffen mit Vertretern aus dem Ministerium, der Samtgemeinde Lühe und des Landkreises. „Die Kernfrage ist die Abgrenzung des ‚Kulturellen Sachgutes‘, das in der Landesraumordnung durch das Land festgelegt worden ist“, sagt der Landrat. Es könne nur die Gemeindegrenze sein.

Diese Warnschilder stehen im Windpark Agathenburg im Grenzgebiet zum Alten Land. Foto: Vasel
„Es gibt aus meiner Sicht keine neue oder veränderte Situation“, stellt Seefried klar. Die Position des Landkreises Stade sei von Anfang an eindeutig gewesen. „Wenn die Samtgemeinde gute Argumente vorträgt, warum die Grenzziehung anders sein solle, dann müssten diese im Rahmen der kommunalen Planung vorgetragen werden. Bisher ist mir keine qualifizierte Argumentation bekannt.“
Altländer halten an Planung fest
Gerke hofft auf einen Befreiungsschlag, Stade müsse Staudte folgen. Landwind und PNE AG verfolgten die Planung weiter. Im Herbst soll der Flächennutzungsplan stehen. Gutachten hätten gezeigt, dass die Windkraftpläne mit dem Naturschutz, insbesondere mit Blick auf die Vogel-Fauna, vereinbar seien.

Besuch im Klimacamp: Bürgermeister Timo Gerke (3. von rechts) hofft auf Windkraft an der A26. Foto: Vasel
Rat und Verwaltung wollen auch die kommunale Finanzlage verbessern. Sie rechnen mit 40.000 Euro pro Anlage und Jahr. Nach dem Niedersächsischen Windenergie-Beteiligungsgesetz können zusätzlich 0,1 Cent pro Kilowattstunde in individuelle Beteiligungsformen fließen. Denkbar sind vergünstigte Stromtarife oder Beteiligung über eine gemeindliche Stiftung. Von der Pacht werden Obstbauern als Eigentümer der Flächen profitieren. Gerke mit Blick auf Hagelschäden und miese Preise: „Diese wollen wir stärken.“
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