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TZurück im Paradies: Dauercamper setzen mit Fähre nach Lühesand über

Saisonstart 2026: Die ersten Wohnwagen werden mit der Lühesand-Fähre „Sottje II“ übergesetzt.

Saisonstart 2026: Die ersten Wohnwagen werden mit der Lühesand-Fähre „Sottje II“ übergesetzt. Foto: Vasel

Sie haben den Saisonstart kaum erwarten können. Die Begeisterung für Lühesand verbindet Alt- und Neu-Camper. An diesem Wochenende brachte der Fährmann sie auf ihre Insel.

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Von Björn Vasel
Sonntag, 29.03.2026, 19:20 Uhr

Lühesand. Es ist geschafft. Kurz vor zehn Uhr sind die ersten Wohnwagen und Handkarren auf der Lühesand-Fähre Sottje II. Der Regen hat nachgelassen. An Bord der Autofähre sind auch Heinz Martens und seine Tochter Lena aus Hollern-Twielenfleth. Lühesand, das ist „ihre“ Insel.

Die Camper bereiten sich auf die Überfahrt nach Lühesand vor.

Die Camper bereiten sich auf die Überfahrt nach Lühesand vor. Foto: Vasel

Er ist der 124 Hektar großen Elbinsel bereits seit 1966 als 17-Jähriger verfallen, für seine Tochter ist sie das „zweite Zuhause“. Beide freuen sich, dass einige Dauercamper der Insel treu geblieben sind. Für die 44-Jährige ist es ein besonderer Tag: Ihr Wohnwagen wird in dieser Saison auf dem Platz der Großeltern stehen - in der ersten Reihe an der Elbe. „Die Dauercamper auf Lühesand, das ist wie Familie.“

Alle Camper packen auf Lühesand mit an

Wie wichtig die Gemeinschaft ist, das wird sich bereits fünf Minuten später zeigen. So lange dauert die Überfahrt. Die Landeklappe senkt sich. Fährmann Holger Blohm hat alles im Blick. Jetzt müssen alle mit anpacken, um die Wohnwagen den steilen Anleger ohne Schäden hinauf an Land zu bekommen.

Dauercamperin Lena Martens aus Hollern-Twielenfleth zieht ihren Wohnwagen an Land, alle packen mit an.

Dauercamperin Lena Martens aus Hollern-Twielenfleth zieht ihren Wohnwagen an Land, alle packen mit an. Foto: Vasel

„Alleine kommt keiner auf die Insel“, sagt Martens. Lena Martens freut sich, dass sie Ostern in diesem Jahr mit der Familie auf Lühesand feiern kann.

Alle packen mit an, wenn die Wohnwagen und Materialanhänger der Dauercamper auf die Insel kommen.

Alle packen mit an, wenn die Wohnwagen und Materialanhänger der Dauercamper auf die Insel kommen. Foto: Vasel

Im Jahr 2025 war die Camping-Saison ins Wasser gefallen. In diesem Jahr haben Schnee und Eis die feierliche Eröffnung verzögert. „Wir haben durch den Winter mehr als fünf Wochen verloren“, sagt der neue Campingplatz-Pächter Philipp Köhnken aus Drage, während bereits der nächste Wohnwagen auf die Insel geschoben wird. Gemeinsam mit seiner Frau Nora musste er den offiziellen Saisonstart auf Freitag, 29. Mai, verschieben. Doch für seine Dauercamper soll der Betrieb wie geplant im April zu Ostern starten.

Campingplatz ist noch eine Baustelle

Die Insel gleicht, vor allem am Gasthaus, noch einer Großbaustelle. Die neuen Sanitärcontainer stehen noch auf dem Parkplatz in Sandhörn. Hochwasser verhinderte das Übersetzen. Das ist den 17 Dauercampern an diesem Tag egal. Sie hängen an ihrer Insel. Und sie haben ohnehin in der ersten Reihe unverbauten Elbblick.

Baustelle rund um das alte Gasthaus auf Lühesand: Hier entstehen ein Spiel- und ein Zeltplatz.

Baustelle rund um das alte Gasthaus auf Lühesand: Hier entstehen ein Spiel- und ein Zeltplatz. Foto: Vasel

Doch was zieht sie immer wieder hierher? „Die Natur, die Ruhe und der Blick auf die Kreuzfahrt- und Containerschiffe, aber natürlich auch die Größe der Stellplätze“, sagt Martens. Hinzu komme die Gemeinschaft, viele kennen sich seit Kindheitstagen. Nach dem Grillen schaue sie häufig noch in den Sternenhimmel. Der sei über Lühesand einfach himmlisch.

Doch zum Träumen bleibt heute Morgen keine Zeit. Der SUV rauscht heran. Ihr Wohnwagen wird angekoppelt und zum Stellplatz gezogen. Der liegt hochwassersicher auf einer kleinen Warft.

Mit Handkarren und Campingstühlen läuft sie hinterher. Nachbarn sind bereits am Einräumen, erste Vorzelte stehen. Doch mit dem traditionellen 11-Uhr-Nachbarschaftsbier der Dauercamper, es ist ein festes Ritual am Sonnabend, wird es heute nichts. Immerhin: Der Strom, früher mussten sie diesen selbst mit mobilen Solaranlagen erzeugen, liegt bereits am Platz.

Altcamper wie Martens und Simon Gießel aus Stade zahlen noch den Treue-Preis von 1500 Euro. Der Preis wird 2027 steigen. Ob sie auch für 2500 Euro auf der Insel stehen werden, werde sich zeigen.

Der Strom liegt schon: Lena Martens auf ihrem Traumplatz mit Elbblick, hier standen bereits ihre Großeltern.

Der Strom liegt schon: Lena Martens auf ihrem Traumplatz mit Elbblick, hier standen bereits ihre Großeltern. Foto: Vasel

Vater Heinz ist längst wieder am Anleger. Er packt mit an, als Neu-Camper Brian Zaremba aus Hamburg seinen Wohnwagen an Land bringt.

Neu-Camper aus Hamburg vom Insel-Fieber gepackt

Vor zweieinhalb Jahren habe er mit seinem Sohn auf Lühesand gecampt. Das Lühesand-Fieber habe ihn gepackt.

Betriebsleiter Manfred Gronau (rechts) gibt Neu-Camper Brian Zaremba aus Hamburg einige Tipps.

Betriebsleiter Manfred Gronau (rechts) gibt Neu-Camper Brian Zaremba aus Hamburg einige Tipps. Foto: Vasel

Die 2500 Euro für den Stellplatz inklusive Strom, Wasser, Sanitärhausnutzung, Stellplatz an Land und alle Fährüberfahrten für die Saison 2026 von April bis Oktober findet er - mit Blick auf das Preisniveau an der Nord- und Ostsee - angemessen.

Neu-Camper Brian Zaremba aus Hamburg weist den Treckerfahrer ein, im Hintergrund die Fahrrinne der Elbe.

Neu-Camper Brian Zaremba aus Hamburg weist den Treckerfahrer ein, im Hintergrund die Fahrrinne der Elbe. Foto: Vasel

Die vierköpfige Familie habe sich extra einen eigenen Wohnwagen zugelegt. „Die Insel ist nur eine Stunde von uns entfernt“, sagt Zaremba. Wochenenden und Urlaube wollen sie hier verbringen, Homeoffice-Tage sind angedacht. Es gibt Highspeed-Internet von Starlink. Die Natur, aber vor allem die Größe des Stellplatzes war ihnen wichtig: „800 statt 80 Quadratmeter wie woanders.“ Auf ihrem Stellplatz im Norden gibt es keinen unmittelbaren Nachbarn, oberhalb ihres Platzes liegt der Kanu-Zeltplatz der Wanderpaddler.

Immer wieder dirigiert Zaremba den Treckerfahrer. Die letzten Meter entlang des Ufers zu seinem Stellplatz unter Bäumen mit einem beeindruckenden Blick auf den Elbstrom in Ufernähe schafft nur ein Trecker: der Eicher Mammut 74 mit seinem 55 PS-Motor. Betriebsleiter Manfred Gronau schaut auf die Treibsel-Reste des letzten Hochwassers. Drei Meter weiter können sie sicher stehen. Zaremba strahlt. Glücklich schaut er mit seiner Kerstin auf das Wasser.

Pächter aus Drage haben noch viel vor

Im sanierten alten Gasthaus von 1933 spricht der Campingplatz-Pächter Philipp Köhnken mit seinem Betriebsleiter über die nächsten Arbeitsschritte. Das Dach wird noch erneuert. Strom- und Wasserleitungen, einige 1000 Meter, müssen noch in der Erde verlegt werden. An den Stellplätzen der Dauercamper liegt bereits Strom. Wasserzapfsäulen in Platznähe folgen. Der Bebauungsplan lässt 185 Stellplätze für Wohnwagen und -mobile sowie 15 reine Zeltplätze zu.

Campingplatz-Betreiber Philipp Köhnken mit Lühesand-Betriebsleiter Manfred Gronau im Gespräch im sanierten Gasthaus (von links).

Campingplatz-Betreiber Philipp Köhnken mit Lühesand-Betriebsleiter Manfred Gronau im Gespräch im sanierten Gasthaus (von links). Foto: Vasel

Köhnkens Blick schweift über den Trockenrasen-Bereich zwischen Fähranleger, Betriebshof und Gasthaus. Dank umfangreicher Grünschnittmaßnahmen gibt es jetzt wieder freien Blick - auf Elbe und Altes Land. In der Mitte des Campingplatzes entsteht ein Spielplatz. Auf dem Zeltplatz will er Tipis aufstellen, für Gruppen und Schulklassen. Im Hintergrund passiert ein großes Containerschiff die Insel. „Es wird“, sagt Köhnken.

Ein großes Containerschiff auf dem Weg in Richtung Nordsee.

Ein großes Containerschiff auf dem Weg in Richtung Nordsee. Foto: Vasel

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