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Unternehmer-Treffen

T Wie Buxtehude in die Kreislaufwirtschaft einsteigen könnte

Beim Gewerbeforum pflegen die Teilnehmer Kontakte. Das Foto zeigt eine Gruppe Unternehmerinnen und Unternehmer um die Vorsitzende des Wirtschaftsvereins Buxtehude, Birte Christiansen (rechts), bei Gesprächen.

Beim Gewerbeforum pflegen die Teilnehmer Kontakte. Das Foto zeigt eine Gruppe Unternehmerinnen und Unternehmer um die Vorsitzende des Wirtschaftsvereins Buxtehude, Birte Christiansen (rechts), bei Gesprächen. Foto: Sulzyc

Beim 6. Gewerbe-Forum informieren sich Buxtehuder Unternehmer über zirkuläres Wirtschaften. Lässt sich mit der Abkehr von der Wegwerfgesellschaft Geld verdienen?

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Von Thomas Sulzyc
Freitag, 13.02.2026, 05:50 Uhr

Buxtehude. Wohl niemand würde der Idee widersprechen, so vernünftig klingt sie: Rohstoffe so lange und häufig wie möglich zu nutzen. Und sie im Idealfall in Kreisläufe zu führen, ohne neue Ressourcen zu verbrauchen.

Zirkuläres Wirtschaften nennt sich das. Aber taugt die Abkehr von der Wegwerfgesellschaft auch als Geschäftsmodell? Eine Antwort darauf wollte das 6. Gewerbe-Forum am Mittwochabend in Buxtehude geben.

Knapp 100 Besucherinnen und Besucher, überwiegend Unternehmer aus Buxtehude und Umgebung, haben an dem Vortragsabend in der Hochschule 21 teilgenommen. Darunter waren zum Beispiel Jens Sass (Implantcast), Tim Ponath (Reederei NSB), Fabian Stackmann (Modehaus Stackmann) oder Isabel Schuldt (Eisbär Eis).

Netzwerken beim 6. Gewerbe-Forum in Buxtehude: Sylvia Tiedemann (Fachgeschäft Lenya natürlich!) mit Hans Schuran (Actemium Miprotek GmbH).

Netzwerken beim 6. Gewerbe-Forum in Buxtehude: Sylvia Tiedemann (Fachgeschäft Lenya natürlich!) mit Hans Schuran (Actemium Miprotek GmbH). Foto: Sulzyc

Veranstalter des Gewerbe-Forums sind die Wirtschaftsförderung und die Stabsstelle Nachhaltige Entwicklung der Stadt Buxtehude in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsverein Buxtehude. 260 Unternehmen gehören dem Wirtschaftsverein nach eigenen Angaben an.

Das sind Beispiele aus der Praxis

Wie Firmen mit zirkulärem Wirtschaften Geld verdienen können, weiß Michael Leitl. Er ist Geschäftsführer der Designagentur Indeed Innovation GmbH mit Sitz in Hamburg. Ein Kunde sei die Medizintechniksparte des Konzerns Philips. Philips Medical bereite gebrauchte Röntgenröhren wieder auf. Wirtschaftlich sehr erfolgreich, wie Leitl sagt.

Mehrere Unternehmen in einem Vorort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen tauschen untereinander Rohstoffe aus, bereiten sie wieder auf oder verarbeiten sie zu anderen Rohstoffen. Das zeige, dass Kreislaufwirtschaft in einer Kommune funktionieren könne. Ob sich das auf Buxtehude übertragen ließe, sagt Leitl in seinem Vortrag zur Einführung aber nicht.

Das Gewerbe-Forum macht deutlich: In Buxtehude ist zirkuläres Wirtschaften kaum mehr als eine Idee. Bestenfalls einzelne Unternehmer verfolgen Recycling-Strategien. Erfahrungen aus der Praxis zumindest berichten Unternehmer und Unternehmerinnen aus Hamburg.

Jan Brauer ist Geschäftsführer der Siebold Hamburg Messebau GmbH. Das mittelständische Unternehmen hat einen kreislauffähigen Messestand entwickelt. „Wir konnten die Abfallmenge von 1700 Kilogramm auf 30 Kilo reduzieren“, berichtet der Messebauer. Das beeindruckt - ein Raunen geht durch das Publikum.

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Rücksendungen im Online-Handel gelten als riesige Ressourcenverschwendung. Geschätzt 550 Millionen Pakete haben Kunden und Kundinnen in Deutschland 2025 zurückgeschickt. Etwa 90 Prozent der zurückgeschickten Artikel stammen aus dem Handel mit Mode.

Die Zahl der Retouren im Online-Modehandel will das Hamburger Start-up Toern GmbH reduzieren. Dazu habe es ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Retourenmanagement entwickelt, berichtet Geschäftsführerin Alena Schneck.

Alternativer Rohstoff aus Buxtehude

Aus Erdöl gewonnene Zusatzstoffe in Kosmetikprodukten will das Hamburger Start-up Lignopure durch den Rohstoff Lignin ersetzen, der in Pflanzen vorkommt. Lignin-Verbindungen für die Industrie entwickelt das Technologieunternehmen in seiner Produktionsstätte in Buxtehude.

Zirkuläres Wirtschaften kann sich durchsetzen - wenn es Unternehmen Geld einbringt. Das ist die Erkenntnis aus dem Gewerbe-Forum. Kunden aus der Industrie seien nicht bereit, allein der Idee wegen mehr Geld zu bezahlen, sagt Lignopure-Mitgründerin Wienke Reynolds. Was ihrer Meinung nach die Abkehr von der Wegwerfgesellschaft unterstützen könnte: „Verbraucher müssen Druck auf die Unternehmen ausüben.“

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