T40 Jahre Ronda in Buxtehude: „Kinder gehören bei uns immer dazu“
Vereinsmitglieder der Ronda Iberoamericana beim Flethfest. Foto: Sulzyc
Menschen aus spanischsprachigen Ländern treffen sich bei der Ronda Iberoamericana. Besonders in den letzten Jahren sind viele Spanier zum Verein gestoßen. Das hat auch mit Airbus zu tun.
Buxtehude. Die eineinhalbjährige Paula erlebt ihre erste Autorenlesung auf dem Schoß ihrer Mutter Nuria Bermúdez. Sie ist an diesem Tag die Jüngste beim monatlichen Treffen des Buxtehuder Kulturvereins Ronda Iberoamericana. In der ehemaligen Sparkasse in Altkloster, die zur Begegnungsstätte ungebaut wurde, liest der peruanische Autor und Hispanist Dr. Miguel Torres Morales aus seinem neuen Werk. Die kleine Paula macht das ziemlich ruhig mit.
Teilnehmerinnen bei einem der monatlichen Ronda-Treffen in der Begegnungsstätte in der alten Sparkasse Altkloster. Foto: Richter
„Kinder gehören bei uns immer dazu“, sagt Magdalena Toborg, die erste Vorsitzende der Ronda. Um den Eltern die Teilnahme an Veranstaltungen zu ermöglichen, wird meist eine Kinderbetreuung organisiert. Oft übernehmen das Jugendliche aus den Reihen der Mitgliedsfamilien.
1986: Aus einem privatem Salon wird ein Verein
Das war schon in den Anfängen so. Viele der Mitbegründer hatten selbst kleine Kinder. Die Idee wurde an einem Abend mit Freunden bei Live-Musik eines spanischen Gitarristen und mit Rezitationen von Lorca-Gedichten geboren. „So etwas könnten wir doch regelmäßig organisieren“, schlugen die Gastgeber Josefa Schindler-Castro und Wulf Schindler vor.
T Eine Woche der Kultur aus Lateinamerika und Spanien in Buxtehude
Die kreative Runde, zu der Lateinamerikaner und Spanier gehörten, setzte das sofort um und nannte sich fortan „Ronda Iberoamericana“. Das war 1986. Josefa Schindler-Castro wurde erste Vorsitzende des Vereins und blieb es viele Jahre. Seitdem treffen sich Menschen aus Lateinamerika und von der iberischen Halbinsel jeden Monat zu einem kulturellen Nachmittag mit anschließendem Abendessen, zu dem jeder eine Spezialität aus seinem Heimatland beisteuert. Die Kulturbeiträge sind vielfältig: Vorträge oder auch Mini-Workshops aus Kultur und Wissenschaft, Lesungen, Lyrik, Musik, Tanz.
Generationen von Einwanderern
Ein wichtiger Aspekt der Ronda ist aber auch, sich in der eigenen Sprache zu unterhalten und Kontakte zu pflegen. Viele der Mitglieder kommen aus Lateinamerika. Die heutige erste Vorsitzende Magdalena Toborg kam 1986 aus Mexiko nach Deutschland und hörte von einer in Stade lebenden Guatemaltekin von den Treffen der Ronda.

Internationaler Spielenachmittag im Sommer 2006: Belquis Márquez von der Ronda zeigt Buxtehuder Kindern, wie die Piñata geschlagen wird, damit Süßigkeiten herauspurzeln. Foto: Archiv
Victor Hugo Leyton, einer von mehreren Exil-Chilenen, die sich damals der Ronda anschlossen, gehörte auch zu den Mitstreitern der ersten Stunde und prägte die Treffen mit seinen Liedern und seiner Gitarre, die er stets mitbrachte. Aktuell hat die Ronda etwa 80 Mitglieder. Die Herkunftsländer der Neuzugänge spiegeln nach wie vor auch aktuelle weltweite Entwicklungen und Migrationsbewegungen wider.
„Die erste Zeit war hart“
Besonders in den letzten Jahren sind viele Spanier zur Ronda gestoßen. Das hat auch mit Airbus zu tun. Dort arbeitet auch der Mann der 36-jährigen Nuria Bermúdez aus Sevilla, die vor acht Jahren mit ihm nach Buxtehude zog. Sie lernte Deutsch, knüpfte neue Kontakte. „Die erste Zeit war hart“, berichtet sie. Ein Bekannter erzählte von der Ronda. Es tat gut, sich dort entspannt in der eigenen Sprache unterhalten und austauschen zu können.

Die Ronda ist seit 1989 ein eingetragener Verein. Stanley Schröder (Schriftführer), Magdalena Toborg (erste Vorsitzende) und Dr. Celio Lume Pereira (Schatzmeister) gehören zum aktuellen Vorstand. Foto: Richter
Die 26-jährige Yaíza Ruiz kam vor gut zwei Jahren nach Buxtehude. Als ihr Partner aus beruflichen Gründen nach Deutschland ging, zog sie mit. Sie bereitet sich gerade auf die B2-Sprachprüfung vor. Deutsch zu lernen sei nicht leicht. Doch das Kind, das sie gerade erwartet, wird es wohl mühelos lernen, sagt sie.
Muttersprachlicher Spanischunterricht
Für viele Kinder aus spanischsprachigen Familien, die in Deutschland aufwachsen, ist Deutsch wegen der Schule und der Freunde oft die stärkere Sprache. Die Ronda organisiert seit den 90er Jahren Sprachunterricht, damit sie ihr Spanisch in der Gemeinschaft Gleichaltriger pflegen und ausprobieren können.
Die Kultur Iberoamerikas bringt die Ronda immer wieder mit öffentlichen Veranstaltungen in die Stadt Buxtehude, wo das stets unterstützt wurde. Das 40-jährige Bestehen der Ronda wird aktuell mit einer Iberoamerikanischen Kulturwoche gefeiert.
Highlights der Iberoamerikanischen Kulturwoche
Sie läuft noch bis 26. September. Hier ein kleiner Überblick:
- Dienstag, 22. September: Spanisch-Schnupperkurs von 18.30 Uhr bis 20 Uhr, Marschtorzwinger. Eintritt 5 Euro.
- Mittwoch, 23. September: Fotoausstellung: 40 Jahre Ronda Iberoamericana, Marschtorzwinger. Eintritt frei, geöffnet von 16 bis 19 Uhr.
- Donnerstag, 24. September: Kinder-Theaterworkshop ab 16 Uhr mit Silvina Masa, Marschtorzwinger. Teilnahme 10 Euro, Geschwister 5 Euro.
- Freitag, 25. September: Mariposas migratorias. Maria Teresa González stellt ab 19 Uhr Gedichte spanischsprachiger Autorinnen vor. Marschtorzwinger, Eintritt 5 Euro.
- Samstag, 26. September: Noche de Ronda mit Tanz, Musik und Kulinarik. Mit dabei: Duo Winterreise, Internationaler Chor Buxtehude, Tanzgruppe „Sol Mexicano“, Trio „Los Flamenquitos“ und Susanne Riecks Flamenco-Gruppe. 19 Uhr, Halepaghen-Bühne, Abendkasse 20 Euro, Karten im Vorverkauf 18 Euro in der Stadtinfo Buxtehude oder unter hansestadt-buxtehude.reservix.de.
*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war Victor Hugo Leyton als verstorben genannt worden. Die gute Nachricht: Er lebt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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