T80 Millionen Euro: 7 Fragen zu Stades Gummi-Schmidt-Quartier
Das Projekt Gummi-Schmidt in der Visualisierung aus der Vogelperspektive. Links ist das Kaufland-Gebäude zu erkennen. Foto: Lindemann
Das Gelände von Gummi-Schmidt wird neu bebaut. Die Lindemann-Gruppe realisiert in direkter Altstadtnähe Stades größtes Wohnbauprojekt. Hier soll mehr passieren als nur wohnen.
1. Was baut die Lindemann-Gruppe hier?
In zwölf Häusern entstehen 151 Wohnungen in verschiedenen Größen - von 29 bis 186 Quadratmeter. Seniorengerechtes Wohnen soll ebenso ermöglicht werden wie Studentenwohnungen.
Darüber hinaus sieht Lindemann die Vermietung von Gewerbeflächen vor. Ein Hofladen, gastronomisches Angebot, Co-Working-Flächen oder auch Yoga-Kurse sollen vorgehalten werden. 780 Quadratmeter stehen dafür zur Verfügung.
2. Was kostet das Projekt und wer bezahlt es?
Lindemann-Geschäftsführer Friedrich Witt gibt das Volumen mit 80 Millionen Euro an. Finanziert wird die Investition von einem Bankenkonsortium, das aus drei regionalen Sparkassen besteht: Sparkasse Harburg-Buxtehude, Kreissparkasse Stade und der Weser-Elbe-Sparkasse.
3. Was macht das Quartier so besonders?
Das ist zum einen die Lage: Südlich der Altstadt gelegen und nahe des Stadeums. Und das ist zum anderen der hohe Anspruch der Investoren.

Tief stechen, weit werfen: Beim offiziellen Spatenstich für das Neubauvorhaben auf dem Gelände von Gummi Schmidt halfen sieben Kräfte. Foto: Strüning
Das fing mit einem Architektenwettbewerb an, zu dem acht renommierte Büros eingeladen wurden. LRW Architektur und Stadtplanung aus Hamburg bekam den Zuschlag. Und das setzt sich fort in den Ideen zur Nachhaltigkeit und sozialen Standards.
Das Quartier wird mit einem eigenen Nahwärmenetz aus Wärmepumpen beheizt. Die Planer berücksichtigen bei aller verdichteten Bebauung ein hohes Maß an Grün und denken dabei auch an die öffentlichen Flächen am Burggraben Richtung Stadeum.
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Sie sollen ökologisch aufgewertet werden. Dafür gab es eine öffentliche Förderung in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Car- und Bikesharing sollen vorbereitet werden, Autos in der Tiefgarage mit ihren 119 Stellplätzen verschwinden. Motto: autofreies Quartier.
Zudem hat sich die Lindemann-Crew viele Gedanken zum sozialen Miteinander in dem generationsübergeifenden Quartier gemacht. Leben im Alter, ohne zu vereinsamen, soll ein großes Thema werden. Barrierefreiheit sei garantiert, Unterstützung in der Pflege möglich. Vorbildfunktion genießen dabei nordeuropäische Länder wie Dänemark.

Der Wohnblock bei Gummi-Schmidt an der Westseite mit Anschluss ans Grün. Foto: Lindemann
Sportangebote an der frischen Luft, inklusive Spielplätze, Treffpunkte für gemeinsame Veranstaltungen drinnen und draußen oder auch gemeinsames Gärtnern werden vorgehalten. Ein Quartiersmanager soll sich auch ums Miteinander der Bewohner kümmern.
4. Wie komme ich an eine Wohnung?
Infos zum Quartier gibt es über www.gummischmidt-quartier.de. Wer sich für eine Wohnung interessiert, schreibt eine E- Mail an: vertrieb@lindemann-gruppe.de. Zum offiziellen ersten Spatenstich mit lokaler Prominenz am Dienstag waren bereits zwei Drittel der Wohnungen verkauft, häufig an Geldanleger, aber auch an Selbstnutzer.
5. Wie geht es weiter auf der Baustelle?
Demnächst werden 800 Pfähle zur Gründung in den Boden getrieben. Dann wird eine große Baugrube ausgehoben, im September soll der Hochbau starten, weithin sichtbar am ersten Kran, der dann aufgebaut wird. Ende 2027 könnten die ersten Gebäude bezogen werden, so der Plan, den Bauleiter Christoph Lührs umriss.
6. Was sagen die Offiziellen zum Projektstart?
Sie sind - wenig überraschend - voll des Lobes. Zum ersten Spatenstich sagte Stades 1. stellvertretende Bürgermeisterin, Melanie Reinecke: „Hier entsteht nicht nur Wohnraum, sondern Lindemann denkt auch das Miteinander mit.“ Es handele sich um ein „extrem nachhaltiges Quartier“. Stades könne stolz sein, Unternehmen wie dieses zu haben.
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Landrat Kai Seefried stieß ins selbe Horn. Wohnraum im wachsenden Landkreis Stade sei ein zentrales Thema. Da helfe nur „bauen, bauen, bauen“. Und : „Wir brauchen Unternehmen, die bereit sind, ins Risiko zu gehen.“
7. Warum heißt das Projekt „Gummi-Schmidt-Quartier“?
Weil es auf dem etwa einen Hektar großen Gelände der ehemaligen Fabrik von „Gummi Schmidt“ entsteht. Arthur Schmidt hatte am 1. Oktober 1911 am Fischmarkt die Firma „Schmidts Gleitschutzfabrik und Dampfvulkanisieranstalt“ gegründet. Am 7. April 1916 kaufte Arthur Schmidt das Grundstück Freiburger Straße 19-21.
Kommentar
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Hier wurden Reifen aller Art repariert und später Fahrradreifen und -schläuche und Automobil- und Motorradbereifungen in den Handel gebracht. Die „Schwinge“ Gummiabsätze und -sohlen waren ein Verkaufsschlager.

Die Gebr. Schmidt Gummiwarenfabrik in Stade: Eine Luftbildaufnahme vom Werksgelände aus dem Jahr 1965. Foto: NLA Stade
1918 erhielt die Firma den Namen „Schmidts Gummiwarenfabrik Arthur Schmidt“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus der Fabrikmarke „Schwinge“ das englische „Swing“. Die Firma stellte sich mit Herstellung von Spezial-Druck- und Stempelgummimischungen, Matrizen und Zubehör für Druckereien und Stempelfabriken im westeuropäischen Raum auf.

Jetzt nur noch im Landesarchiv zu sehen: Präservative der Marke Swing Gold von Gummi Schmidt, "der hygienische Vollschutz" aus den 1960er Jahren. Foto: Strüning
Täglich wurden mehrere tausend Gummikappen, Penizillinstopfen, technische Dichtungen produziert. In den 50er Jahren wurden bis zu 5000 Fahrradschläuche täglich produziert. Bis zu 220 Personen waren hier beschäftigt. Legendär und heute noch gut bekannt waren die Kondome, die hier produziert wurden. 2017 ging die Firma in die Insolvenz, der Grund- und Immobilienbesitz wurde auf die J. Lindemann Gruppe übertragen.

Das Gummi-Schmidt-Quartier in der Visualisierung aus der Vogelperspektive. Foto: Lindemann
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