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Küstenautobahn

TA20-Gegner: Wenn die Planungsunterlagen zum Zankapfel werden

Mehr als 350 Besucher kamen zu der Veranstaltung des BUND in Mentzhausen, um sich darüber zu informieren, wie man Einwendungen gegen den Bau der Küstenautobahn erhebt.

Mehr als 350 Besucher kamen zu der Veranstaltung des BUND in Mentzhausen, um sich darüber zu informieren, wie man Einwendungen gegen den Bau der Küstenautobahn erhebt. Foto: Heilscher

Großer Ansturm in der Wesermarsch - denn die Zeit tickt, nur noch wenige Tage lang sind Einwendungen gegen den Bau möglich. Da kommt ein Ausfall der Internetseite zur Unzeit.

Von Christoph Heilscher 24.10.2026, 07:35 Uhr

Wesermarsch. Mehr als 350 Bürgerinnen und Bürger kamen, um sich zu informieren, wie sie eine Einwendung gegen die geplante Autobahn A 20 einlegen können. Das Planfeststellungsverfahren zu Bauabschnitt 2 der Küstenautobahn läuft. Die Unterlagen der Straßenbehörde stehen nur digital zur Verfügung. Theoretisch. Praktisch war die Internetseite der Behörde in diesen Tagen wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Dabei endet die Einwendungsfrist am 9. November, und nur bis zum 27. Oktober sollen die Unterlagen im Internet einsehbar sein. Doch inzwischen ist die Seite wieder zugänglich.

50 Meter breite Trasse durch die Jader Moormarsch

Die Küstenautobahn ist als eine rund 550 Kilometer lange Ost-West-Verbindung geplant, die von Westerstede bis Stralsund führt. In den östlichen Bundesländern ist die Autobahn bereits weitgehend fertiggestellt. In Niedersachsen sind 129 Kilometer geplant, von Westerstede bis zur Elbe bei Drochtersen. Im Landkreis Stade soll die A20 unter der Elbe weitergeführt werden. Im Juni dieses Jahres erfolgte der symbolische erste Spatenstich für den Bau des 13 Kilometer langen Abschnitts zwischen der A28 in Westerstede und der A29 bei Jaderberg. Mit vorbereitenden Arbeiten ist bereits begonnen worden.

Der Bauabschnitt 2 wird die Wesermarsch von Südwesten nach Nordosten auf einer rund 50 Meter breiten Trasse durchschneiden. Dieser Abschnitt führt auf 22,5 Kilometern von der A29 zur Bundesstraße 437 bei Schwei. Die vorgesehene Trasse soll von Westen kommend zwischen Hahn und Bekhausen verlaufen, anschließend durch das Lehmdermoor über die Jaderlangstraße und Mentzhausen westlich an Neustadt vorbei. Östlich von Schwei erreicht die Trasse die B437.

Die abendliche Autofahrt zu der Veranstaltung in Mentzhausen macht deutlich, über welchen Untergrund die Autobahn geführt werden soll: Moor. Die Straßen sind so wellig, dass man abschnittweise nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren kann. Deswegen soll die Autobahn in der Moormarsch hoch gebaut werden, bis zu 18 Meter über Grund. Sie wird also weithin sichtbar sein, und das in einer der schönsten Landschaften der Wesermarsch.

Dass viele Menschen in der Wesermarsch und im Ammerland diese Autobahn ablehnen, wurde bei dem Informationsabend deutlich. Jeder Stuhl in der Mentzhauser Turnhalle war besetzt. Etliche Besucher standen.

„Wir wollen das Moor erhalten, nicht asphaltieren“, sagte die BUND-Vorsitzende in der Wesermarsch, Annette Chapligin. Die Autobahn zerstöre Natur und Landschaft und sei ein Dinosaurier-Projekt, kritisierte sie.

Informationen und Unterlagen gibt es nur digital

Auf Kritik stieß an dem Abend in Mentzhausen aber nicht nur das Projekt an sich, sondern auch die Art und Weise, wie die Niedersächsische Straßenbaubehörde informiert. Nämlich nur digital. Und das auch, so die Kritiker des Autobahnprojekts, ohne die Veröffentlichung der Unterlagen außerhalb ihres Internet-Auftritts angekündigt zu haben. Vorbei die Zeiten, in denen Planunterlagen in allen Rathäusern einer betroffenen Region einsehbar waren und die Behörden über die regionalen Zeitungen informierten. Durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz sind die Informationspflichten der Behörden entsprechend zurückgenommen worden. „Wenn wir das nicht öffentlich gemacht hätten, hätte niemand davon erfahren“, sagte Susanne Grube vom Schutz- und Klagefonds gegen die A20.

Behindertenbeirat spricht von Diskriminierung

Albert Mumme, Vorsitzender des Kreisbehindertenbeirats in der Wesermarsch, kritisiert, dass Menschen, die kein Internet haben, ausgegrenzt würden, denn sie können die Planunterlagen gar nicht einsehen. Er spricht von Diskriminierung. Außerdem vermisst er eine Darstellung des Vorhabens in einfacher Sprache. Darauf hätten Bürger einen Anspruch. Nicht jeder könne das Juristendeutsch in den Planunterlagen verstehen.

Gegner des Autobahnbaus laden für Sonntag, 25. Oktober, auf die Dörpstraat in Delfshausen ab 14 Uhr zu einem Picknick auf der A-20-Trasse ein. Essen und eine Tasse sollten mitgebracht werden, für Getränke sorgen die Veranstalter.

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