TA/O feiert Derbysieg gegen Harsefeld durch brutale Effizienz
Thore Nissen (links) verpasste die letzten drei Derbys und verteidigte mit Leidenschaft. Foto: Struwe
A/O bejubelt zwei Traumtore und den Sieg im „schönsten Saisonspiel“. Harsefeld schaltet zu spät in den Derbymodus. Und einer scharrte schon wochenlang mit den Stollen.
Harsefeld. Dass diese Derbys „die schönsten Spiele der Saison sind“ sagte A/O-Trainer Kevin Speer schon im Vorfeld. Er habe viele schöne Erinnerungen an den Kunstrasenplatz in Harsefeld. Nun ist eine weitere hinzugekommen.
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Am Freitagabend setzte sich die SV Ahlerstedt/Ottendorf mit 2:1 gegen den TuS Harsefeld durch. Die Gäste entschieden das Duell auf Augenhöhe durch ihre brutale Effizienz mit zwei sehenswerten Distanzschüssen. Und durch ihre konsequente Verteidigung.
Routinier verpasste zuletzt viele Derbys
Der 30 Jahre alte Thore Nissen fehlte A/O in der vergangenen Saison mit seinem Kreuzbandriss. Er sah jeweils einen Heimsieg beider Teams in den direkten Duellen. In den beiden Saisons zuvor verpasste der Linksverteidiger jeweils ein Derby gesperrt, weil er sich in den Spielen zuvor eine Gelb-Rote und eine Rote Karte eingehandelt hatte.

A/O feiert das schnelle 1:0 - den sehenswerten Treffer von Eßer aus mehr als 20 Metern. Foto: Struwe
In Summe hatte Nissen drei Derbys in Folge nicht gespielt. Wochenlang habe er auf das jetzige Derby hingefiebert, erzählt er. „Das sind die ganz besonderen Spiele, das merkt man schon in der ganzen Trainingswoche“, sagt Nissen.
Speer bezeichnet den 30-Jährigen als „Oldschool-Linksverteidiger“, als einen „klassischen Zweikämpfer“. Als solcher ließ Nissen mit viel Einsatz, wenn nötig im Sitzen und den Ball wegstochernd, nichts anbrennen.
In der 36. Minute stand Nissen goldrichtig am langen Pfosten des A/O-Tores. Nach einer Harsefelder Standardsituation klärte er per Kopf auf der Linie und vereitelte den 1:2-Anschlusstreffer.
A/O entscheidet das Spiel in der ersten Halbzeit
„Freitagabend, Flutlicht, Scheißwetter, viele Nickeligkeiten, jede Aktion ist entscheidend“, beschreibt Nissen den Derbycharakter. Gut 500 Zuschauer sahen ein temporeiches Spiel, aber nur wenige klare Torchancen.
A/O gehörte die erste Halbzeit, auch weil sie galliger waren. Und verdammt effizient. Schon in der sechsten Minute gelang Samuel Maurice Alexander Eßer ein Traumtor, als er den Ball aus gut 20 Metern in den Winkel schlenzte.

Die 2:0-Führung, dieses Mal hat Merten Hiller aus der Distanz eingenetzt. Foto: Struwe
In der 28. Minute erhöhte Merten Hiller aus der Distanz. „Den muss man erst mal so machen, und das mit seinem schwachen linken Fuß“, sagt Speer. Solche Tore fallen selten. Die Harsefelder mussten sich aber ankreiden, dass sie beiden Torschützen zu viel Zeit und Raum zugestanden.
Der Gastgeber nimmt das Derby an
Nach dem Seitenwechsel setzte dann Nico Osuch sofort ein Harsefelder Zeichen. Sein Distanzschuss streifte die Latte. Den Willen und die Wut, die Osuch in diesen Schuss legte, waren so spürbar wie der nass-kalte Wind, der über den Kunstrasenplatz peitschte.
Die Harsefelder hatten sich in der Kabine eingeschworen. „Wir wollten mehr Energie auf den Platz kriegen, mehr Emotion ins Spiel, alle zusammen“, erzählt Osuch. Das gelang.

Zwei Mittelfeldstrategen im Zweikampf. Merten Hiller traf für A/O, Nico Osuch scheiterte knapp. Foto: Struwe
Und schon in der 53. Minute war der TuS zurück im Spiel. Samir Rabbi profitierte von einem missglückten Pass im Strafraum und schob zum 1:2-Anschlusstreffer ein. In der Folge waren die Harsefelder engagierter, verzweifelten aber an der Ahlerstedter „Kompaktheit“, wie Osuch anmerkt. „Es war schwierig“, so der TuS-Antreiber.
„Es war nicht einfach“, so Nissen über den Harsefelder Druck, „aber wir haben uns alle reingehauen.“ Die TuS-Chancen könne man an einer Hand abzählen, so der Verteidiger.
Zwei Großchancen in der Schlussphase
In der 82. Minute hatte der TuS Glück, dass seine Bemühungen und Hoffnungen nicht jäh beendet wurden. Ein Freistoß von Corvin Höft knallte an die Unterlatte, aber von da nicht hinter die Linie.
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Die Harsefelder verfehlten kurz zuvor und kurz danach nur knapp. In der Nachspielzeit kratzte A/O-Torhüter Timo Haepp einen abgefälschten Kopfball von Ben Wilkens gerade so noch aus dem Winkel und hielt so den Sieg fest.
„Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Nico Osuch, „weil wir uns ein Unentschieden verdient gehabt hätten.“ Warum die nötige Energie in der ersten Halbzeit fehlte? „Kann ich mir nicht erklären.“ Er habe mit dem TuS Harsefeld noch nie so tief in der Tabelle dagestanden, so Osuch. Da ist natürlich Frust da. Aber keine Angst. „Am Ende setzt sich unsere Qualität durch, wir kommen da raus“, sagt Osuch.
Nach dem Spiel saßen die Ahlerstedter und Harsefelder noch mit ein paar Bierchen zusammen. Sicherlich wurde das Derby noch mal analysiert. „Es lebte von der Spannung“, befand Speer. Er hat ein zusätzliches positives Ergebnis auf dem Kunstrasenplatz.
Diese Derbys leben auch von Erinnerungen. In der Saison 2024/25 hatte Harsefeld 5:0 bei A/O gewonnen, die SV revanchierte sich im Rückspiel mit 5:2. „Da war ich das erste Mal alleine Trainer“, so Speer, weil Dennis Mandel und A/O sich seinerzeit vorzeitig getrennt hatten.
Das unvergessliche Derby fand aber 2022 auf dem Kunstrasenplatz statt. „Da kriege ich noch heute Gänsehaut“, so Speer. „Da muss man nicht lange nachdenken“, sagt Nissen. Damals feierte A/O nach einem dramatischen 4:3-Sieg in der Nachspielzeit den Oberliga-Aufstieg. „Das kann nicht getoppt werden“, sagt Nissen. Der jetzige Sieg schmeckt ihm nach den zuletzt verpassten Derbys aber auch ganz gut.
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