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Bierfestival

TAbwärtstrend beim Bier: Craftbeer-Brauer zeigen in Stade Spezialsorten

Jan Koch von De Lütte setzt auf Spezialsorten und alkoholfreies Bier.

Jan Koch von De Lütte setzt auf Spezialsorten und alkoholfreies Bier. Foto: Haardt

Deutsche trinken im Schnitt so wenig Bier wie nie zuvor. Brauer auf dem Craftbeer-Festival in Stade wollen ihre Kunden nun mit alkoholfreien und Spezialsorten begeistern.

Von Rebecca Haardt Freitag, 24.04.2026, 17:50 Uhr

Stade. Bundesweit ging der Bierkonsum im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2024 um etwa sechs Prozent zurück, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. In absoluten Zahlen heißt das: 2025 gingen nur noch 7,8 Milliarden Liter Bier über deutsche Theken und damit 497 Millionen Liter weniger als im Vorjahr. Erstmals tranken die Deutschen damit weniger als acht Milliarden Liter.

Dieser Trend zeichnet sich seit Jahren ab und betrifft Großbrauereien sowie kleine Craftbeer-Betriebe, die ihre Biere nicht industriell, sondern in kleinen Brauereien handwerklich herstellen.

Verschiedene dieser Kleinbrauereien bieten seit Donnerstag auf dem Stader Craft Beer & Gourmet Festival ihre Spezialitäten an. Bei der Eröffnung am frühen Nachmittag ist noch nicht allzu viel los auf dem Parkplatz am Hafen. Bei bewölktem Himmel und frischen Temperaturen warten die Brauer auf erste Kunden.

Bier ist „zum Altherrengetränk geworden”

Jan Koch von der Brauerei De Lütte sieht vor allem einen Grund für den Rückgang: „Die Leute haben festgestellt, dass es nicht das Gesündeste ist, sich nach Feierabend zwei Pils reinzuschrauben.” Besonders junge Menschen achteten mehr darauf, gesund zu leben. „Bier ist in Deutschland ein bisschen zum Altherrengetränk geworden. Deshalb müssen wir zusehen, dass wir auch alkoholfreies Bier anbieten.”

Kochs Brauerei befindet sich auf einem Autohof direkt an der A7 bei Egestorf. Dort stellt er besondere Biersorten her, wie zum Beispiel das Heideblütenpils, das mit Heideblüten gebraut wird. Auch eine alkoholfreie Alternative hat er im Angebot. Die wirtschaftlich angespannte Lage sieht Koch ebenfalls als Problem für die Bierbranche.

Einerseits merke man, dass die Kauflust bei den Kunden geringer sei. Andererseits sind für ihn die Produktionskosten in den letzten Jahren weiter gestiegen. „Vor allem die Glasproduktion ist teurer geworden”, erklärt Koch. Bei der Herstellung wird mit sehr hohen Temperaturen gearbeitet; das heißt, es wird viel Erdgas benötigt. Der Krieg in Iran habe die Situation noch verschärft, so Koch. Aber er bleibt optimistisch: „Wer Lust hat auf regionales Bier, der wird das auch weiterhin kaufen.”

Nachfrage individualisiert sich

Simon Siemsglüss von der Hamburger Brauerei Buddelship weiß ebenfalls, dass er einen Nischenmarkt bedient und kennt die Vorteile: „Bier ist kein Selbstgänger, aber wenn der Biermarkt einbricht, dann merken wir das als Craftbeer-Brauerei nicht ganz so stark.” Denn er bediene mit seinen Spezialbieren eine andere Klientel als klassische Großbrauereien, eine die generell bereit sei, mehr Geld für Bier auszugeben. Doch der wirtschaftliche Druck mache sich trotzdem bemerkbar: „Man merkt es den Leuten an, dass das Geld knapp ist.”

Simon Siemsglüss von Buddelship sieht die veränderte Nachfrage als Chance.

Simon Siemsglüss von Buddelship sieht die veränderte Nachfrage als Chance. Foto: Haardt

Siemsglüss sieht nicht nur einen Rückgang der Nachfrage nach Bier: „Die Nachfrage hat sich individualisiert.” Alkoholfreie beziehungsweise alkoholarme und Spezialbiere seien beliebt. Das sind Sparten, die kleinere Brauereien gut bedienen können, so Siemsglüss.

Zu Spezialbieren zählt Siemsglüss auch glutenfreies Bier, das er gerne in sein Portfolio aufnehmen würde. Allerdings scheitere er dabei an der deutschen Bürokratie, die aufgrund des Reinheitsgebotes das Brauen von glutenfreiem Bier fast unmöglich mache. „Aber das wird sich so schnell nicht ändern in Deutschland”, bedauert er.

Damit seine Brauerei zukunftsfähig bleibt, überlegt Siemsglüss, Limonaden mit ins Sortiment zu nehmen und setzt auf moderne Verkaufsmethoden. Neben dem Supermarktgeschäft und dem Direktverkauf vertreibt Siemsglüss seine Biere auch im Onlineshop und bewirbt sie auf Social Media. „Als kleine Brauerei ist es wichtig, auf mehreren Standbeinen zu stehen.”

Festival lädt bis Sonntag zum Genießen ein

Das Craft Beer & Gourmet Festival findet noch bis Sonntagabend am Stader Hafen statt. Besucher können am Samstag, 25. April, von 13 bis 24 Uhr und am Sonntag, 26. April, von 13 bis 18 Uhr bei knapp 30 Speisen- und Getränkeanbietern Craftbeer probieren und andere Köstlichkeiten zu sich nehmen.

Auf dem Craft Beer & Gourmet Festival in Stade können Besucher besondere Biersorten probieren, wie bei Boldt's Brauwerk.

Auf dem Craft Beer & Gourmet Festival in Stade können Besucher besondere Biersorten probieren, wie bei Boldt's Brauwerk. Foto: Haardt

Zusätzlich zum Craftbeer werden Cocktails, Wein und andere Erfrischungsgetränke angeboten. Am 26. April ist zudem verkaufsoffener Sonntag in Stade mit einer Autoschau am Sande, einer Oldtimerausstellung am Pferdemarkt und Straßenmusik an verschiedenen Orten in der Stader Innenstadt.

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