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TAfD-Brandmauer: Irritationen in Drochtersen durch CDU-Äußerung

Der Umgang mit der AfD nach einem möglichen Einzug in den Gemeinderat beschäftigt die Politik in Drochtersen. (Symbolbild)

Der Umgang mit der AfD nach einem möglichen Einzug in den Gemeinderat beschäftigt die Politik in Drochtersen. (Symbolbild) Foto: Carsten Koall/dpa

Die AfD sitzt in Drochtersen noch gar nicht im Gemeinderat und wirbelt ihn dennoch schon durcheinander. Ein Statement des CDU-Fraktionsvorsitzenden löst eine Debatte aus.

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Von Lars Wertgen,
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Von Karsten Wisser
Freitag, 20.02.2026, 08:35 Uhr

Drochtersen. Hannes Hatecke hatte am Montag im TAGEBLATT erklärt, dass es in einem Rechtsstaat grundsätzlich legitim sei, wenn Parteien ihr passives Wahlrecht wahrnehmen - und schlug für den Fall eines AfD-Einzugs im Herbst vor: „Der Gemeinderat sollte dann mit der AfD wie mit jeder anderen Fraktion umgehen: sachlich und im respektvollen Diskurs über Inhalte, aber nicht persönlich oder ideologisch.“

Hannes Hatecke, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Hannes Hatecke, CDU-Fraktionsvorsitzender. Foto: Privat

Die Aussage sorgte mitunter für Stirnrunzeln. Wie meint der CDU-Chef das? Das Statement kann als Plädoyer für einen rein formalen, sachlichen Umgang im Gemeinderat gelesen werden. Es trennt aber anscheinend nicht klar zwischen fairen Debattenregeln und politischer Distanz.

AfD sieht Chancen

Einige füllten die Lücke des Zitats daher mit eigenen Erwartungen, darunter Helmut Wiegers. Der Pressesprecher des AfD-Kreisverbands Stade schreibt auf deren Internetseite:

„Ein so krasser Unterschied im geplanten Umgang mit der AfD ist schon sehr ungewöhnlich. Warten wir ab, wie es nach der Wahl in der Praxis gehandhabt wird und ob die CDU-Fraktion dem Druck, der zweifellos auf sie ausgeübt werden wird, standhält“, so Wiegers, der sich offenbar Chancen auf eine Zusammenarbeit ausrechnet.

Eine Kooperation hätte Auswirkungen für die SPD: Diese könnte in Drochtersen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, so Wiegers.

Persönliches Gespräch glättete die Wogen

Auch die SPD war alarmiert. Fraktionschef Kai Schildt hatte sich zuvor klar positioniert: „Eine Zusammenarbeit mit der AfD im Gemeinderat ist für uns als SPD nicht vorstellbar und wird auch von uns abgelehnt.“

Kai Schildt, Fraktionsvorsitzender der SPD in Drochtersen.

Kai Schildt, Fraktionsvorsitzender der SPD in Drochtersen. Foto: Privat

Die SPD fragte kritisch bei Hatecke nach, mögliche Rücktrittsforderungen standen sogar im Raum. Ein persönlicher Austausch am Mittwoch glättete offenbar die Wogen. Davor war laut TAGEBLATT-Informationen auch das Einschalten eines Anwalts im Gespräch.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende kündigte anscheinend an, seine Aussagen gegenüber der SPD Drochtersen präzisieren zu wollen. Dies bleibt aber offenbar vorerst intern. Auf TAGEBLATT-Nachfrage wollten sich die direkten Beteiligten nicht äußern.

Weseloh: Keine Zusammenarbeit mit Extremisten

Dafür kommentierte André Weseloh, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Drochtersen, gegenüber dem TAGEBLATT: Hatecke habe die AfD nie als „normale Partei“ bezeichnet. Er habe lediglich betont, dass er mit allen Fraktionen sachlich und respektvoll über Inhalte diskutieren wolle.

André Weseloh ist Vorsitzender der CDU Drochtersen.

André Weseloh ist Vorsitzender der CDU Drochtersen. Foto: privat

Eine Kooperation mit der AfD habe Hatecke zu keinem Zeitpunkt erwähnt, und Weseloh schließt auch nach der Kommunalwahl im September jegliche Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch der Linkspartei aus.

„Die CDU Drochtersen steht für Stabilität, klare demokratische Haltung und sachorientierte Politik, ohne Extremismus und Wahlkampf-Panikmache“, sagt Weseloh. Er liegt damit auf dem Kurs der Landespartei und des Stader Kreisverbands.

CDU schließt Zusammenarbeit mit AfD aus

Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner hatte vor kurzem im TAGEBLATT eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Ebenso betont dies die Kreisvorsitzende Melanie Reinecke bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Brandmauer gegen die AfD steht.

Die CDU-Kreisvorsitzende Melanie Reinecke aus Stade.

Die CDU-Kreisvorsitzende Melanie Reinecke aus Stade. Foto: Angela Reidies

Grund für Kritik an den Äußerungen von Hatecke sieht sie nicht. In Drochtersen sei nie die Rede von einer Zusammenarbeit mit der AfD gewesen.

Mattern mahnt zur Ruhe

Bernd Mattern, dritter stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender, mahnt zur Erdung: Man solle keine Debatte führen, die der Realität weit vorausgreife. Wichtiger seien derzeit das Schwimmbad, Projekte für Kindergärten und Schulen.

„Uns sind die aktuellen Themen vor Ort am wichtigsten, der Rest steht hinten an. Wir lassen uns daher keine Diskussion über Theorien aufzwingen“, so Mattern.

Abstimmungen ohne AfD

Kai Schildt wirft hingegen schon einen Blick in die Zukunft. Die Zusammenarbeit im Rat sei bereits jetzt von Kompromissen geprägt, und spätestens nach der Wahl sei es noch wichtiger, dass man mit der CDU umso intensiver spreche, damit man Abstimmungen ohne die AfD schaffe.

Er weiß aber: In knappen Abstimmungen könnte die AfD das Zünglein an der Waage werden. „Wenn sie für unsere Anträge stimmen, dann werden wir nicht aus Prinzip dagegen stimmen, sondern im Interesse der Gemeinde“, so Schildt.

SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange.

SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange. Foto: Corinna Lange

Seine Stader SPD-Kreisvorsitzende Corinna Lange begrüßt gegenüber dem TAGEBLATT die Positionierung der CDU zum Thema AfD. Melanie Reinecke habe sich als CDU-Kreisvorsitzende ja immer wieder klar und glaubhaft von der AfD distanziert.

Corinna Lange erklärt: Ein sachlicher und respektvoller Umgang in demokratischen Gremien sei selbstverständlich. „Das darf aber nicht mit politischer Gleichsetzung verwechselt werden: Die AfD ist nicht wie jede andere Partei - und sie darf auch nicht politisch normalisiert werden.“

Drochtersen: Starke Bundestagswahl der AfD

Die AfD hat 2025 für Drochtersen einen eigenen Ortsverband gegründet und will bei der Kommunalwahl im September dort auch erstmals mit einer eigenen Liste antreten.

Offen ist, ob die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen wird. Hier wird immer wieder der Name von Sebastian Sieg genannt.

Bei der Bundestagswahl 2025 holte Ortsverbandsvorsitzender Sebastian Sieg als Direktkandidat in Drochtersen 24,05 Prozent, bei den Zweitstimmen war die AfD mit 23,62 Prozent zweitstärkste Kraft in der Gemeinde.

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