TAgathenburger Bachtage: So hat die Leiterin das Festival erlebt
Agathenburger Bachtage: Pianistin und Festivalleiterin Alexandra Sostmann Foto: Weselmann
„Bach and now“ hat vier Tage voller Musik aufs Schloss gebracht. Die Festivalleiterin zieht Bilanz und erzählt von ihrem Glücksmoment und unerwarteter Herausforderung.
Agathenburg. Nach ihrem mit Standing Ovations gefeierten Auftritt zum Abschluss von „Bach and now!“ am Sonntagabend strahlt Pianistin Alexandra Sostmann vor Glück. Die Festivalleiterin ist rundum zufrieden mit den 2. Agathenburger Bachtagen. „Jede einzelne Veranstaltung war so toll. Ich weiß nicht, wie man es hätte besser machen können“, so ihr erstes Fazit. Dabei hatte sie kurz vor dem Festivalstart noch eine unerwartete Herausforderung zu meistern.
Kurz vor den Bachtagen muss die Leiterin zaubern
Zum Abschluss des viertägigen Festivals hätte Alexandra Sostmann eigentlich zusammen mit Judith Mosch auf der Bühne im Pferdestall gestanden. Doch die Pianistin, mit der sie seit Jahrzehnten als Duo Villarceaux unterwegs ist, zog sich eine Handverletzung zu. Nur drei Wochen vor Beginn der Bachtage musste Sostmann den finalen Auftritt umplanen - mit der Entscheidung, ein komplett neues Konzertprogramm aus dem Hut zu zaubern und den Klavierabend solo zu bestreiten.
Dabei ist die Doppelrolle als Festivalorganisatorin und Musikerin ohnehin ein Spagat. „Aber wenn ich sehe, dass ich etwas bewegen kann, ist es alle Anstrengung wert“, betont Sostmann. „So ein kleines, feines Festival war schon immer mein Traum.“ Mit Blick auf die nächste Ausgabe vom 8. bis 11. April 2027 kann sie aber schon eines sagen: „Es braucht auf jeden Fall noch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter.“
Deshalb sucht Schloss Agathenburg seinesgleichen
Ihre Veranstaltungsidee verfolgt ein klares Ziel. Die Pianistin möchte musikalischer Exzellenz jenseits des Mainstreams eine besondere Bühne geben. Bei den großen Häusern stünden oft ein paar wenige Namen im Vordergrund. „Das tut der Musik nicht gut“, sagt sie. Deshalb habe sie bewusst nach einem anderen Ort gesucht.
Neben Konzerten mit Größen wie Angela Hewitt, die sich als Künstlerin durch das Schloss-Team wunderbar betreut gefühlt habe, lebt das Festival von dem Rahmenprogramm. Veranstaltungen wie der von Juri Tetzlaff begleitete Workshop mit 170 Schulkindern seien ein wichtiger Teil. Das öffne neue Türen zur Klassik.
Dass Alexandra Sostmanns „Bach and now!“ so viel Zuspruch findet, liegt nicht zuletzt an der besonderen Kulisse von Schloss Agathenburg. „Es ist ein Ort, der seinesgleichen sucht“, so die Festivalleiterin. „Die Stimmung, die das Anwesen transportiert, gibt dem Festival so eine gute Energie“, betont sie.
Der Ort trägt noch in anderer Hinsicht zum Gelingen bei: Durch sein vielseitiges Programm hat das Schloss eine treue Besucherschaft - mit großem Vertrauensvorschuss gegenüber neuen Angeboten. Bestes Beispiel dafür sind Lydia und Sven-Olaf Schütze aus Dollern.
Familie Schütze macht einen Konzertmarathon
Ein Angebot für Kinder hat sie vor Jahren das erste Mal hierhergebracht. „Seitdem sind wir große Fans vom Schloss. Es ist toll, wie sich dieses kulturelle Kleinod entwickelt hat“, schwärmt Lydia Schütze als Freundeskreis-Mitglied. „Und das nur einen Steinwurf entfernt von zu Hause“, ergänzt Sven-Olaf Schütze.

Große Freunde des Agathenburger Schlosses: Lydia und Sven-Olaf Schütze aus Dollern haben alle vier Konzerte der Bachtage besucht. Foto: Weselmann
Die beiden sind voll des Lobes für Programm, Team, Ambiente und die familiäre Atmosphäre. Dadurch hätten sie schon so viele Sachen gesehen, die sie sich am Anfang gar nicht ausgesucht hätten. Genau das hat sie auch zu ihrem jüngsten Konzertmarathon bewegt. Schützes waren bei allen vier Konzertabenden der Bachtage zu Gast. Dabei gehören sie gar nicht zu den ausgewiesenen Klassikfans.
Bei dem Konzert der Kammersymphonie Berlin unter Jürgen Bruns und Alexandra Sostmann am Klavier hatten sie auch ihren zwölfjährigen Sohn dabei. Gemeinsam erlebten sie hier die Uraufführung eines von Xiaoyong Chen komponierten Stückes. Der in Hamburg lebende Composer in Residence zeigt sich seinerseits begeistert von dem interessierten Publikum.
Ein Schatz aus Eisenach beschert den Glücksmoment
Alexandra Sostmanns persönlicher Glücksmoment ereignete sich schon im Vorfeld des Festivals. Aus nächster Nähe bekam sie einen historischen Schatz zu sehen, der sonst im Tresor in Eisenach verwahrt wird. „Als ich den original Erstdruck von Bachs ‚Kunst der Fuge‘ von 1751 hier hatte, war das der absolute Wahnsinn.“
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