TAm Kneipentresen: Bürger entlocken Willenbockel in Horneburg halbes Geständnis
In Stechmanns Gasthof musste Horneburgs amtierender Samtgemeindebürgermeister Knut Willenbockel (parteilos) die Fragen von TAGEBLATT-Moderatorin Lena Stehr parieren. Foto: T. Meyer
Beim Kneipengespräch in Horneburg gesteht Knut Willenbockel (parteilos) einen Werbe-Fauxpas teilweise ein, verrät sein Vorhaben auf dem Weg zur Einheitsgemeinde und seine Lieblingshobbys.
Horneburg. „Warum hast du damals Werbung gemacht für Deutsche Glasfaser?“ Diese kritische Frage schrieb jemand am Mittwochabend beim Kneipengespräch in Stechmanns Gasthof in Horneburg auf einen Bierdeckel. TAGEBLATT-Moderatorin Lena Stehr las sie Knut Willenbockel (48) vor.
„Im Nachhinein ist es ein Fehler gewesen, zu dem damaligen Zeitpunkt war es richtig“, sagt Willenbockel. Hintergrund ist das Verwirrspiel um den Anbieter, der den Breitbandausbau in der Samtgemeinde vorantreiben sollte - unter der Bedingung, in allen Mitgliedsgemeinden zu bauen. Ende 2023 entschied sich Deutsche Glasfaser aber nur für einen Teilausbau, das TAGEBLATT berichtete ausführlich. Damals, beim Beginn der Abfrage der Deutschen Glasfaser, hatte Willenbockel per Wurfzettel bei allen Haushalten für einen Vertragsabschluss geworben.
Warum Willenbockel keine eigenen Wahlplakate hat
Willenbockel ist Horneburgs Samtgemeindebürgermeister. Er will es bleiben. Der parteilose Kandidat glaubt, dass er in seiner ersten Amtszeit „zum größten Teil“ alle in der Samtgemeinde mitgenommen und ihre Interessen einbezogen habe.

Will wiedergewählt werden: Horneburgs Samtgemeindebürgermeister Knut Willenbockel folgte 2021 auf Matthias Herwede. Er ist 48 Jahre alt, Vater einer Tochter und hat zwei jüngere Geschwister. Aufgewachsen ist er in Bergen im Landkreis Celle. Foto: T. Meyer
Für seine mögliche Wiederwahl sind kaum bis gar keine Wahlplakate mit seinem Gesicht in Horneburg und Umgebung zu finden. Warum, wollte Willenbockels Gesprächspartnerin am Tresen wissen.
Willenbockel entschied sich bewusst nur für Flyer. „Es war meine Entscheidung, zu sagen, ich verteile diesen Flyer über die Hauswurfsendung und hänge keine Plakate auf, denn die müssen wieder abgenommen werden und landen in der Mülltonne“, sagte der Horneburger. Es würden „genug andere Plakate“ hängen.
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Von Finanznöten bis Bürgerbüro: Das diskutierte Willenbockel noch
Zu den knappen Kassen der Kommunen äußerte sich Willenbockel auch. „Ich wünsche mir, dass Bund und Land ehrlicher kommunizieren.“
Sowohl Stehr in ihrem Interview als auch die Gäste bei ihren Bierdeckelfragen wollten von Willenbockel wissen, wie es um die mögliche Fusion der fünf Mitgliedsgemeinden zu einer Einheitsgemeinde steht und wie er dies sieht.
Willenbockel: „Meine persönliche Meinung dazu ist, glaube ich, ziemlich klar, und die trifft nicht bei allen auf Zustimmung. Ich halte es für sinnvoll, dass wir uns irgendwann Richtung Einheitsgemeinde bewegen.“ Horneburg dürfe das aber nicht als Zwang sehen und gegen den Willen der Mitgliedsgemeinden handeln. Willenbockel stellt in Aussicht, dass auch in der kommenden Wahlperiode ein neuer Anlauf gestartet werde.

Führte durch das Kneipengespräch in Horneburg: TAGEBLATT-Moderatorin Lena Stehr. Foto: T. Meyer
Ein Kneipengast machte per Bierdeckel den Vorschlag, das Bürgerbüro am Donnerstag ohne Termin zu öffnen. Die Mehrheit der Bürger finde die derzeitige Situation mit Terminvergabe „super“, so Willenbockel.

Etwas mehr als 30 Bürgerinnen und Bürger hören Knut Willenbockel am Mittwochabend bei Stechmanns zu und stellen ihre Fragen an den 48-Jährigen, der zur Wiederwahl steht. Foto: T. Meyer
Sie hat sich „eingebürgert“ und passt laut Willenbockel besser in die Arbeitsabläufe der Kollegen - seit Corona würden viele in Teilzeit oder im Homeoffice arbeiten. Der Verwaltungschef erklärt: Ein Bürgerbüro ohne Terminvergabe erschwere die Organisation und Koordination unter den Kollegen. Ein Mann aus dem Publikum meldete sich dazu.
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„Die Pandemie ist irgendwann auch mal vorbei“, sagte er. Er verstehe nicht, warum man „für so eine Kleinigkeit“ wie das Beantragen eines Personalausweises „einen Termin machen muss“.
Der Bürger schlägt eine Testphase vor, wo Bürger einmal in der Woche oder im Monat ohne Terminvergabe für ihr Anliegen ins Rathaus kommen können. Dann sehe man, wie es angenommen wird. Willenbockel will den Vorschlag aus der Kneipe mit ins Rathaus nehmen.
Was ist typisch Knut Willenbockel? Der Fragensprint verrät seine Lieblingshobbys
„TAGEBLATT oder Tagesschau?“, fragte Stehr Willenbockel beim Fragensprint, bei dem die Gäste auch etwas Privates über ihn erfahren konnten. „Ganz klar beides. Das eine morgens, das andere abends“, antwortete Willenbockel. Auf die Frage reagierte Landrat Kai Seefried ebenfalls diplomatisch. Wie tickt der 48-Jährige noch?
Knut Willenbockel steht Rede und Antwort im Horneburger Kneipentalk
Knut Willenbockel ist ein leidenschaftlicher Radfahrer und strampelt gerne, ein E-Bike kommt bei ihm nicht infrage. Er ist Frühaufsteher, Kaffeetrinker und war mal ein guter Autoscooterfahrer. „Beim Herbstmarkt: Autoscooter fahren oder Oldtimer bewundern?“, hakte Stehr nach. „Wenn ich es noch so gut könnte wie früher, dann Autoscooter fahren“, sagte Willenbockel.

Lockere Atmosphäre: Während Knut Willenbockel und Lena Stehr auf einem Barhocker am Tresen über Kommunalpolitik reden, lauschen die Gäste von den Tischen aus. Im zweiten Teil kommen Publikumsfragen. Foto: T. Meyer
Im Interview entlockte Lena Stehr Brettspiel-Fan Willenbockel auch, dass Schach ihn zur Weißglut bringt. Deshalb spiele er es nicht. Der Horneburger mag Brettspiele lieber, bei denen mehr Leute mitspielen. Siedler von Catan ist sein Favorit.

Gastwirt Dierck Stechmann ist HSV-Fan, seine gesammelten Eintrittskarten sind ein Hingucker. Im Kneipengespräch wurde auch deutlich: Knut Willenbockel drückt dem HSV die Daumen. Foto: T. Meyer
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