TAus Bayern und Sachsen: Für den BSV haben sie ihre Heimat verlassen
Siri Kuhnert (links) und Carlotta Fröhlich sind extra für den Handball nach Buxtehude gekommen. Foto: Scholz
Der BSV genießt einen Spitzenruf in der Nachwuchsarbeit. Manche Talente kommen schon mit 15 nach Buxtehude. Zwei Spielerinnen erzählen von ihrem Weg und dem Heimweh.
Buxtehude. Siri Kuhnert spielte in der Nähe von Dresden, als die Anfrage aus Buxtehude kam. „Ich habe es nicht sofort realisiert“, erinnert sie sich. „Ich wusste damals noch nicht, was der BSV leistet.“
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Für eine Probewoche reiste sie ins 500 Kilometer entfernte Buxtehude und überzeugte sich. Im vergangenen Jahr verließ sie schließlich ihr Elternhaus in Sachsen, um den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt die 18-jährige Rückraumspielerin heute.
Ein Abend nur für die BSV-Talente
Am Dienstagabend berichtete sie im Stackmann-Restaurant von ihrem großen Schritt. Ihr Verein, der BSV, hatte zum Sponsorenabend geladen. Doch diesmal stand nicht die Bundesliga-Mannschaft im Mittelpunkt, sondern der Nachwuchs.

Die A-Jugend des Buxtehuder SV hat in Bensheim seine dritte Deutsche Meisterschaft geholt. Foto: Felix Schlikis/Lobeca.de
Und das zu einem passenden Zeitpunkt: Erst vor drei Monaten gewann die A-Jugend die Deutsche Meisterschaft. Siri Kuhnert gehörte zu dem Erfolgsteam, genau wie Kreisläuferin Carlotta Fröhlich.
Fröhlich stammt aus Freising bei München und wechselte bereits mit 15 nach Buxtehude. In Bayern sei der Handball „nicht so groß“, erklärt die heute 19-Jährige. Dort gebe es kaum Leistungszentren.
Großes Heimweh im ersten Jahr
Bei einem Turnier mit der Bayernauswahl wurde sie vom BSV entdeckt. 2022 absolvierte sie ebenfalls eine Probewoche in Buxtehude, ließ sich mit der Entscheidung jedoch Zeit.
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Trotz der 800 Kilometer, die sie von ihrer Familie trennen, ging sie nach Buxtehude. Im ersten Jahr habe sie „dolle Heimweh“ gehabt, sagt sie. „Aber es wurde immer besser. Ich habe mich viel mit Handball beschäftigt und auch die anderen Seiten des Lebens kennengelernt.“ Einen Kreuzbandriss habe sie vor allem durch den Rückhalt ihrer Familie, Freunde und des Vereins überstanden. „Nach Hause gehen war keine Option.“
Alles für den Traum von der Bundesliga
Kuhnert und Fröhlich - zwei Talente, die einen ähnlichen Weg gegangen sind und für den Traum von der Bundesliga ihre Heimat verlassen haben. Und das aus gutem Grund.

BSV-Talent Siri Kuhnert spielt im Rückraum. Foto: J. Wittholt
Seit 2012 haben es 40 BSV-Talente in die erste Liga und 28 Spielerinnen in die zweite Liga geschafft. „Viele Vereine schauen neidisch auf den BSV, was da geschaffen wurde“, sagt Jugendtrainer Marc Hünerbein, der die weibliche A-Jugend zur Deutschen Meisterschaft führte.
Viel Personal und ein eigenes Wohnheim
Beim Sponsorenabend wird deutlich, wie viel der BSV in die als „Handball-Akademie Buxtehude“ vermarktete Jugendarbeit investiert. Unter anderem gibt es hauptamtliche Jugendtrainer und einen großen Betreuerstab, ein Wohnheim für die Talente und eine Kooperation mit dem Gymnasium Süd, einen Fahrdienst für Talente aus Hamburg und einen neuen Kraftraum im Foyer der alten Halle Nord.
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Dieser „Kraftakt“, wie BSV-Geschäftsführer Timm Hubert sagt, scheint sich auszuzahlen: „Das sind Strukturen, die im weiblichen Handball einzigartig sind“, sagt er. Und das hat sich längst herumgesprochen.
Buxtehuder Erfolgsmodell hat sich herumgesprochen
Jugendkoordinatorin Sabrina Krawczak berichtet, dass sich viele Vereine beim BSV erkundigten, wie dieser Aufwand gestemmt werde. Außerdem findet der Verein Talente nicht nur durch eigenes Scouting, viele kommen auch selbst auf den Verein zu.

Die Buxtehuder A-Jugend. Foto: Jörg Struwe
Die Plakette des „Jugendzertifikats mit Stern“, das der Verein auch in diesem Jahr für herausragende Jugendarbeit bekommen hat, präsentiert der BSV seinen Sponsoren auf einer Staffelei.
Jüngste Spielerin im Wohnheim ist 14 Jahre alt
Um der Talentschmiede ein Gesicht zu geben, rückte der BSV am Dienstag mit Maja Schönefeld (22) und Annika Hinsberger (19) zwei Frauen in den Vordergrund, die selbst im Wohnheim in der Bahnhofstraße leben und sich als „Ansprechpartnerinnen für die Mädels“ bezeichnen.

Sie kümmern sich um den BSV-Nachwuchs (von links): Annika Hinsberger, Maja Schönefeld, Sabrina Krawczak und Marc Hünerbein. Foto: Scholz
Sie koordinieren Putzpläne, telefonieren bei Bedarf mit den Eltern und ermahnen die Jugendlichen auch mal, wenn die Gemeinschaftsküche nicht sauber ist. „Wir regeln viele Dinge“, sagt Hinsberger. Schönefeld ergänzt: „Aber wir möchten auch, dass sie die Dinge erstmal selbstständig lösen.“ Laut BSV ist die jüngste Spielerin im Wohnheim 14 Jahre alt. Der Schnitt liegt bei 15,4 Jahren.
Wie der BSV die Nachwuchsarbeit finanziert
Timm Hubert betont deshalb auch, dass der BSV eine „pädagogische Verantwortung“ habe. Finanziell trage sich die Handball-Akademie vor allem durch Sponsoren und Förderer und das Wohnheim durch Mieteinnahmen. Laut BSV sind aktuell alle Wohnungen ausgelastet. Dort leben 13 Talente.
Siri Kuhnert gefällt es in Buxtehude. Sie wird bald mit einigen Mitspielerinnen in eine WG ziehen und noch ein Jahr A-Jugend spielen. Allerdings fällt sie derzeit mit Schulterproblemen aus, kann nicht werfen.
So geht es für Carlotta Fröhlich weiter
Carlotta Fröhlich hingegen hat die Jugendzeit im Handball nun hinter sich. Nach bestandenem Abitur wird sie in Buxtehude bleiben und für die zweite Mannschaft in der dritten Liga der Frauen auflaufen.
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Fröhlich scheint damit zurechtzukommen: „Es kommt selten vor, dass man nach der Jugend direkt den Sprung in die Bundesliga schafft“, sagt sie. Ihr Traum lebt weiter.
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