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Handball-Bundesliga

TBSV gelingt Sensation: Remis bei Tabellenführer Borussia Dortmund

Jubel nach der Schlusssirene: Der BSV freut sich über ein Remis (Archiv).

Jubel nach der Schlusssirene: Der BSV freut sich über ein Remis (Archiv). Foto: Jan Iso Jürgens

Drama im Ruhrgebiet: Der Buxtehuder SV verspielt gegen den ungeschlagenen Tabellenführer Borussia Dortmund in letzter Sekunde eine Führung. Und jubelt trotzdem wie ein Sieger.

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Von Lars Wertgen
Mittwoch, 11.02.2026, 21:32 Uhr

Buxtehude. Anika Hampel steht traurig im Mittelkreis. Sie hatte kurz zuvor in letzter Sekunde keine Anspielstation gefunden und in ihrer Not nach hinten zu Torhüterin Annie Linder gespielt.

Die Schiedsrichter pfiffen daher Zeitspiel. Der BSV ließ damit seine letzte Möglichkeit ungenutzt, gegen den bislang ungeschlagenen Tabellenführer einen sensationellen Sieg einzufahren.

Lange stand Hampel aber nicht alleine. Ihre Mitspielerinnen jubelten um sie herum. Trainer Nicolaj Andersson ballte die Fäuste und umarmte seine Spielmacherin lange.

“Das war sehr emotional für sie, aber daraus lernt Anika“, so der Coach, der seine Spielmacherin für ihr gut und diszipliniert geleitetes Spiel lobte. „Ich habe ihr gesagt, sie soll sich wegen einer Aktion nicht herunterziehen lassen.“

Das 33:33 ist genauso eine Sensation, und die feierten die BSV-Spielerinnen entsprechend.

Klare Ausgangslage

In Dortmund trafen - zumindest auf dem Papier - Welten aufeinander. Der BSV feierte letzte Woche seinen ersten Saisonsieg im 15. Versuch.

Für Borussia Dortmund ist siegen Routine. Der BVB ließ bislang nur auswärts in Bensheim zwei Punkte liegen.

In der Champions League steht der BVB mit einem Bein im Achtelfinale und im Halbfinale des DHB-Pokals. Das Hinspiel verlor der BSV, nach zwischenzeitlichem 21:21, mit 29:34.

BSV spielt mutig und frech

Nicolaj Andersson nahm bereits früh die erste Auszeit. Ungewöhnlich früh, aber was er zu sagen hatte, sollte schnell alle Spielerinnen erreichen. Der BSV lag 3:5 hinten. „Wir brauchen eigentlich fünf bis sechs Tore“, sagte Andersson.

Der BSV erspielte sich gute Wurfgelegenheiten, warf - nach Meinung des Trainers - aber nicht clever genug. Andersson benannte die typischen Abwehrbewegungen von BVB-Torhüterin Annie Linder und wie der BSV sie ausnutzen könne. „Ich brauche jetzt mehr Power und den Kopf oben“, gab er noch mit auf den Weg.

Die Ansprache wirkte. Eine Minute später glich der BSV durch Jolina Huhnstock aus. Buxtehude spielte im Angriff mutig, geduldig und variabel.

Mal aus der Distanz mit wuchtigen Sprungwürfen von Isa Ternede, mal mit der siebten Feldspielerin und gerne über Jolina Huhnstock. Die Kreisläuferin traf alle ihre zehn Würfe. Ternede jubelte in der 18. Minute sogar über die erste Führung (10:9). Die Zuschauer staunten.

Abwehr gut, Linder noch besser

„Wir brauchen eine hohe Disziplin in unserer Deckung, wenngleich wir bei der Qualität von Dortmund nicht alles verteidigen werden können“, sagte Nicolaj Andersson vor dem Spiel.

Der Plan ging auf. Dortmund hatte lange Probleme mit der 5:1-Deckung des BSV und noch mehr mit der hervorragend aufgelegten Annie Linder, die mehrfach aus kurzer Distanz parierte. Am Ende stand sie bei 13 Paraden.

Der Tabellenführer drehte die Partie bis zur Pause (17:15). In dieser Phase ließen beide Teams gute Gelegenheiten ungenutzt.

Zwei Vertragsverlängerungen

Im Hinspiel war Anika Hampel aus allen Lagen torgefährlich. Die Spielmacherin traf neun ihrer zehn Würfe. In Dortmund warf sie aus dem Feld nur ein Mal auf das Tor, initiierte dafür umso mehr für ihre Mitspielerinnen.

Anfang der Woche verkündete der BSV die Vertragsverlängerung mit der 22-Jährigen. Hampel bleibt dem Verein bis mindestens 2028 erhalten.

Auch Maj Nielsen unterschrieb für zwei weitere Jahre. Nielsen spielte gegen Borussia Dortmund aber weniger als gewohnt. Ihre Rechtsaußen-Partnerin Christin Kaufmann bekam mehr Spielzeit als im bisherigen Saisonverlauf und trug sich zwei Mal in die Torschützenliste ein.

BSV bricht nicht ein

Die von vielen erwarteten klaren Verhältnisse gab es auch nach dem Seitenwechsel nicht. Zwar schlichen sich im Angriff zunächst vermehrt unsaubere Aktionen ein und der BVB konnte zwischenzeitlich eine kleine Führung erspielen, aber der BSV ließ sich nicht abschütteln.

Im Gegenteil. Buxtehude spielte im Angriff mit dem Tempo, blieb frech und ging durch Isabelle Dölle sogar mit zwei Toren in Führung (50.). Der Vorsprung hielt lange, bevor Dortmund 17 Sekunden vor Schluss noch die Punkteteilung erzwang.

Ein Remis, über das am Ende nur der Buxtehuder SV jubelte - auch Anika Hampel. „Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber wenn uns jemand vorher gesagt hätte, dass wir hier ein Unentschieden holen, hätten wir das sofort unterschrieben.“

Kleine Spielpause

Für den BSV geht es erst am Samstag, den 21. Februar, um 16 Uhr weiter. In der Halle Nord empfängt der BSV den TuS Metzingen.

BSV-Tore: Kaminska (0 Paraden), Linder (13 Paraden); Nielsen 1, Frey, Hampel 3/2, Dölle 5, Andresen 3, Kaufmann 2, von Prittwitz 5, Ternede 3, Senel 1, Huhnstock 10, Lück.

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