TBlackout und Brandgefahr: So lief die letzte Übung unter ihrem Kommando
Bereitschaftsführer Olaf Hoffmann (Süd) aus Horneburg und Klaus Suhr (Nord) bei der Übung der Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord auf der Biogasanlage von Gut Daudieck bei Horneburg (von links). Foto: Vasel
Zwei Bereitschaftsführer treten ab und beschenken sich zum Abschied mit Großübungen: Einmal brennt es in Horneburg, das andere Mal in Drochtersen. Das sind die Szenarien.
Horneburg/Drochtersen. Die beiden Kreisfeuerwehrbereitschaften haben ihre Bereitschaftsführer Olaf Hoffmann (Süd) aus Horneburg und Klaus Suhr (Nord) aus Assel mit einer großen Doppelübung an zwei Sonnabenden verabschiedet. Zum Abschied bereiteten sich Hoffmann und Suhr selbst ein Abschiedsgeschenk. Sie arbeiteten eine Übung für den jeweils anderen aus. Unter Blaulicht rückten die Einheiten am 11. und am 18. April aus.
Großübung auf der Biogasanlage in Horneburg
Szenario 1: In Horneburg steht eine große Halle für die Trocknung von Gärresten auf dem Gelände der Biogasanlage von Gut Daudieck in Flammen. Damit nicht genug: Zeitgleich ist auf dem Gut ein Pkw unter einem landwirtschaftlichen Gespann eingeklemmt. Die Zinken eines landwirtschaftlichen Geräts haben sich tief in das Fahrzeug gebohrt. Das Großfeuer droht auf die Biogasanlage überzugreifen.

Die Zinken eines Grubbers haben sich in einen Pkw gebohrt. Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord rettet Verletzte auf Gut Daudieck. Foto: Vasel
Eile ist mit Blick auf die erhebliche Brand- und Explosionsgefahr geboten. Denn Biogas enthält hochentzündliche und giftige Gefahrstoffe.

Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord bekämpft das Feuer auf der Biogasanlage in Horneburg. Foto: Vasel
Als Vorbild habe das Großfeuer von 2016 in derselben Trocknungshalle gedient, sagt Bereitschaftsführer Olaf Hoffmann, der die Übung für die Feuerwehrbereitschaft Nord konzipiert hatte. Damals verhinderten die Einsatzkräfte, dass das Feuer auf die Biogasanlage übergriff.

Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord rettet Verletzte in Horneburg aus der Trocknungshalle der Biogasanlage. Diese wurden dort vermisst. Foto: Vasel
Die Feuerwehrbereitschaft Nord rückt aus, um die ausgerückten Ortsfeuerwehren zu unterstützen. Um die Löschwasserversorgung sicherzustellen, verlegen Feuerwehrleute eine Leitung zu den Fischteichen im Wald. Der Löschangriff beginnt, unter schwerem Atemschutz rücken einige der 120 Feuerwehrleute vor, um Vermisste zu retten und den Brand zu bekämpfen.
Großübung auf der Bootswerft Hatecke in Drochtersen
Szenario 2: Nach einem großräumigen Blackout brechen im Norden des Landkreises Stade die Strom- und die Wasserversorgung zusammen. Um die Ortsfeuerwehren zu unterstützen, wird die Feuerwehrbereitschaft Süd alarmiert. Doch Minuten später wird der Einsatz beim flächendeckenden Stromausfall in Kehdingen zu einem Kampf auf Leben und Tod.

Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd übt in Drochtersen auf der Bootswerft Hatecke die Personenrettung nach einem Unfall. Foto: Vasel
Bei einer Führung auf der Bootswerft Hatecke in Drochtersen werden nach einer Explosion und einem anschließenden Feuer - aus unbekannter Ursache - mehrere Personen vermisst. In Halle 7 brennt es lichterloh. Dichter Rauch füllt das Produktionsgebäude für Rettungsboote. Damit nicht genug.

Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd bereitet die Rettung von zwei Verletzten vor, die unter einer Form für Rettungsboote auf der Bootswerft Hatecke eingeklemmt sind. Foto: Vasel
Die Explosionsgeräusche erschrecken den Fahrer eines Kleinbusses, er verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, überfährt einen Fahrradfahrer und prallt gegen einen Container. Der Bus kippt um. Eingeklemmte rufen verzweifelt um Hilfe - schwer verletzt. Das bekommen Werftarbeiter mit. Doch sie können nicht mehr eingreifen. Denn es folgt ein weiterer Unfall, Schiffbauer werden unter einer herabstürzenden Bootsform eingeklemmt.

Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd übt auf der Suche nach Vermissten in einer Halle der Bootswerft Hatecke. Foto: Vasel
Die drei Züge der Feuerwehrbereitschaft Süd gehen in Stellung. Weil aufgrund des Stromausfalls das öffentliche Hydrantennetz und die betriebsinterne Wasserversorgung nicht mehr funktionieren, bauen die Einsatzkräfte eine Wasserversorgung bis zu einem Priel nahe dem Kotterbachsee auf.
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Katastrophenschutz
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Unter schwerem Atemschutz und mit schwerem Gerät werden die Verletzten gerettet. Das ist in den verrauchten Hallen nicht ganz leicht. Hier haben die Retter keine Sicht, verhindern aber ein Übergreifen auf weitere Gebäude.
Großübung Feuerwehren
Große Doppelübung in Horneburg und Drochtersen.
Bereitschaftsführer ziehen positives Fazit
Die Bilanz: Die Bereitschaftsführer Hoffmann und Suhr ziehen eine positive Bilanz. Alle 22 Vermissten werden gefunden, Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistungen funktionierten. Die Kräfte seien „sehr erfahren“. Sie verweisen auf Großfeuer wie in Dollern oder im Recyclingzentrum Stade und überregionale Einsätze. In den Bereitschaften arbeiten Kräfte aus mehreren Ortsfeuerwehren zusammen, aufgeteilt in drei Fachzüge: Technische Hilfeleistung, Wassertransport und Wasserförderung. Kirchturmdenken habe in der Feuerwehr keinen Platz.

Großübung - koordiniert wie bei einem echten Einsatz. Foto: Vasel
Der Abschied: Klaus Suhr erreicht mit 67 Jahren die Altersgrenze. Seit 2003 stand er an der Spitze, mit 16 war er in die Feuerwehr eingetreten - auch wegen der Sturmflut 1976. Auch bei den Elbhochwassern war er im Einsatz. „Bei Darchau war der Deich schwammig wie Wackelpudding“, erinnert er sich. Auch beim Moorbrand bei Meppen, ausgelöst durch Bundeswehr-Schießübungen, war er vor Ort: „Ich habe noch nie so viel Dankbarkeit aus der Bevölkerung erfahren. Das war ein Erlebnis fürs Leben.“
Olaf Hoffmann konzentriert sich auf das Amt des Kreisausbildungsleiters. Ob Elbhochwasser, G20-Gipfel, Moor- und Waldbrände - auch er war landesweit im Einsatz. Seit 2015 stand der 58-Jährige an der Spitze. Christian Gerdts aus Oldendorf und Stefan Six aus Jork übernehmen ihre Posten.
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