TBlick in die Tiefe: Warum demnächst Helikopter über Harsefeld fliegen
Hubschrauber werden solche Sonden ab dem 7. Oktober mehrfach über Harsefeld kreisen lassen. Foto: Forschungsvorhaben GeoMetEr / Dr. Dennis Rippe
Ab kommender Woche kreisen Helikopter über Harsefeld. Welche Erkenntnisse sich die Forscher erhoffen und warum ein Endlager im dortigen Salzstock nicht zur Debatte steht.
Harsefeld. Wer ab dem 7. Oktober in den Himmel über Harsefeld schaut, den erwartet ein ungewöhnlicher Anblick: Hubschrauber mit Sonden im Schlepptau werden zwei- bis dreimal täglich über die Samtgemeinde fliegen. Grund zur Sorge besteht aber nicht, denn diese Maßnahme dient einzig und allein der Wissenschaft.
Hochaufgelöster Blick in die Tiefe
Bei den geplanten Hubschrauberflügen geht es nicht um den Blick in die Ferne, sondern um den Blick in tiefe Erdschichten. Es werden geophysikalische Messungen durchgeführt, die Teil des Forschungsvorhabens GeoMetEr sind.
Dieses wird durch das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik und die Technische Universität Bergakademie Freiberg geleitet. Ziel des Projektes ist es, die Geologie unter der Erde hochaufgelöst abbilden zu können.
Wie sieht es über dem Salzstock aus?
Die Samtgemeinde Harsefeld ist als Forschungsregion besonders interessant, denn hier ist die hochaufgelöste Abbildung des Deckgebirges über dem Salzstock Harsefeld für die Wissenschaft relevant.

Das ist das Messgebiet, über dem die Hubschrauber fliegen werden. Foto: Forschungsvorhaben GeoMetEr
„Es geht darum, die verschiedenen Schichten, wie etwa Salz und Ton, voneinander abgrenzen zu können“, erklärt Greta Clasen, Sprecherin des LIAG-Instituts. Das helfe dabei, Antworten auf Fragen in den Bereichen Grundwasser, Geogefahren (beispielsweise Erdfälle oder Erdsenkungen) und Georeservoire als Energiequelle und Energiespeicher zu geben.
Die vor Ort vorhandene Infrastruktur und die Informationen aus früheren Messungen eignen sich für die methodischen Arbeiten besonders. Das entwickelte Verfahren könnte zukünftig auch bei der Erkundung möglicher Standorte für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle helfen.
Bereits im März begann das Forschungsteam um GeoMetEr mit seinen Messungen in der Samtgemeinde. Zwischen Harsefeld und Klein Hollenbeck wurden Vibrationsfahrzeuge eingesetzt, um seismische Messungen durchzuführen. Nun sollen die Hubschrauber-Messflüge weitere Daten liefern.
Start von Glückstadt aus
Die geplanten Messflüge decken ein etwa 50 Quadratkilometer großes Messgebiet im Bereich der Samtgemeinde Harsefeld ab. Von Glückstadt aus werden pro Tag zwei bis drei Flüge starten, insgesamt sind acht Befliegungen vorgesehen. „Abhängig von der Wetterlage starten die Hubschrauber an drei bis vier Tagen“, so Greta Clasen.
Was passiert genau?
Für die Messkampagne werden elektromagnetische und magnetische Verfahren kombiniert. Dabei schleppt der Helikopter jeweils eine Sonde an einem Seil über das Messgebiet. Die magnetischen Messungen erfassen geologisch bedingte, räumliche Variationen im natürlichen Erdmagnetfeld.

Ein Vibrationsfahrzeug erzeugt seismische Wellen am Erdboden: Diese werden unterschiedlich reflektiert, wodurch die Geologie erkennbar gemacht wird. Foto: GeoMetEr
Bei der sogenannten semi-airborne Elektromagnetik bauen die Forschenden zusätzlich sogenannte Bodenstationen im Messgebiet auf. Dabei werden über einen Dipolsender - am Boden geführte Kabel mit Elektroden - Signale im Untergrund erzeugt.
Die Sonde am Helikopter misst flächenhaft das induzierte elektromagnetische Feld. Dadurch können Aussagen über die Verteilung des elektrischen Widerstandes und somit über die Strukturen des Untergrundes ermöglicht werden.
„Es besteht keine Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger“, versichert Greta Clasen. Die am Boden eingesetzten Generatoren, die Starkstrom in den Untergrund induzieren, seien natürlich abgesichert und abgesperrt.
Weitere Messungen im Anschluss geplant
Im Anschluss an die Messflüge sollen ab Mitte Oktober 2025 und im Frühjahr 2026 weitere Messungen mit Drohnen und Vibrationstrucks die geophysikalischen Verfahren verbessern. Wann diese genau stattfinden, hänge jedoch von den Ergebnissen der Hubschrauber-Messflüge ab, so Greta Clasen.
Die Messungen seien auf kleinem Gebiet und außerhalb von urbanen Gebieten vorgesehen. Geplant sei zudem, bis zum Ende des Projektes 2028 die gewonnenen Ergebnisse durch eine Forschungsbohrung verifizieren zu können.
Für die Endlagerung ausgeschlossen
Das Vorhaben GeoMetEr wird durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) gefördert. Sie finanziert in Vorbereitung auf zukünftige Standorterkundungen verschiedene Forschungsprojekte, unter anderem, um zukünftig verbesserte Abbilder des Untergrundes erhalten zu können.
Forschungsprojekt
T Messung aus der Luft und im Feld - aber keine Endlagersuche nahe Harsefeld
Die Forschungsregionen, in denen GeoMetEr durchgeführt wird, sind aufgrund der im Standortauswahlgesetz festgelegten Ausschlusskriterien aus der Endlagersuche ausgeschieden und werden im weiteren Verfahren nicht berücksichtigt. So auch das Messgebiet in Harsefeld: Es wurde wegen der Ausschlusskriterien „Bergbauliche Tätigkeit“ aus dem Standortauswahlverfahren ausgeschlossen.
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