TBluttat von Stade verändert Arbeit der Jugendhilfe – auch bundesweit
Trauer nach der grausamen Tat in der Mutter-Kind-Einrichtung in Stade. Foto: Vasel
Am 29. Juni wurden sechs Mitarbeiter einer Mutter-Kind-Einrichtung erschossen. Der Schock sitzt tief, nicht nur in Stade. Mitarbeiter der Jugendhilfe sollen besser geschützt werden.
Stade. Das Stader Jugendamt arbeitet immer noch mit geschlossenen Türen. „Alle machen sich Sorgen. Wir nehmen das ernst“, sagt Sozialdezernentin Susanne Brahmst. Nur, wer einen Termin hat, darf eintreten.
Einen Termin hatte der Täter in Stade allerdings auch. Bundesweit ziehen Jugendhilfeträger jetzt ihre Konsequenzen aus dem Fall. „Alle machen sich jetzt auf den Weg“, sagt Susanne Brahmst. Keiner wolle übertreiben, aber der Schutz der Mitarbeiter sei sehr wichtig. Wie er gewährleistet werden kann, war unter anderem Thema in der Landesarbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Jugendämter.
Maßnahmen des Jugendamts der Region Hannover
Auch drei Mitarbeiter des Jugendamts der Region Hannover waren unter den Opfern der Bluttat in Stade. „Wir wollen nahbar sein und die Nähe auch beibehalten, und gleichzeitig wollen wir die Mitarbeitenden schützen“, sagte die Sozialdezernentin der Region Hannover, die Grünen-Politikerin Anne Spiegel, in einer Pressekonferenz am Mittwoch. In einem Pilotprojekt würden Notfalluhren beschafft, außerdem seien Alarmsysteme geplant und im Einzelfall sollten Schutzwesten eingesetzt werden.
T Nach Gräueltat in Stade: Landkreis überprüft Schutzkonzepte
Spiegel sprach von einer „entsetzlichen und grauenhaften Tat“, die noch „sehr lange nachhallen wird“. Schon vor der Tat seien allerdings bei entsprechender Einschätzung Hausbesuche zu zweit möglich gewesen, zudem die Zusammenarbeit mit der Polizei, die „hervorragend“ sei.
Hannover: Kameras, Alarm, Schutzwesten
Derzeit in Umsetzung seien etwa die Sicherung von Eingängen mit Kameras und Gegensprechanlagen sowie ein zentraler Raum der Region Hannover für schwierige Gespräche - mit dem Sicherheitsdienst direkt nebenan.
Auch sollten zwei zusätzliche Stellen etwa zur psychologischen Unterstützung im Fachbereich Jugend entstehen. Künftig sei geplant, Diensthandys aufzustocken, Dienstwagen in Außenstellen ebenso, geplant seien ferner Alarmsysteme, im Einzelfall sollten Schutzwesten getragen werden.
Nach der Tat von Stade gebe es große Verunsicherung in der gesamten niedersächsischen Jugendhilfe, sagte der Leiter des Fachbereichs Jugend, Roland Levin. „Wie gehe ich zukünftig in Gespräche?“ Die Beschäftigten wollten weiter für Kinder und Jugendliche da sein, gleichzeitig bestehe ein Sicherheitsbedürfnis - das sei ein „Spannungsverhältnis“. Er betonte aber auch, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte seien in der Jugendhilfe „Alltagsgeschäft“.
Stader Jugendamt hat schon Sicherheitsdienst
Im Stader Jugendamt gibt es bereits einen Sicherheitsdienst. Die Mitarbeiter können in einem Bedrohungs- und/oder Konfliktfall einen Notruf oder Hausalarm auch an den Arbeitsplätzen absetzen. Es gebe Gefährdungsbeurteilungen für Arbeitsplätze. Aktuell werden neben dem Einsatz von weiterem Sicherheitspersonal auch bauliche Maßnahmen geprüft. Brahmst: „Wir denken über eine Art Sicherheitsschleuse nach.“
Bis eine Lösung gefunden ist, soll die Tür am zentralen Eingang des Jugendamts geschlossen bleiben. Bei akuten Anliegen könne trotzdem schnell und persönlich reagiert werden. Die grausame Bluttat sei zwar singulär gewesen, doch sie habe trotzdem Spuren hinterlassen, sagt Susanne Brahmst: „Über Sprüche wie „Ich bringe dich um“ oder „Ich schlage Euch zusammen“ wurde früher öfters einfach mal hinweggegangen. Jetzt wird das ernst genommen.“
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