TBundeswehr-Standort: PFAS-Verdacht erhärtet sich
Die Kaserne wird von der Bundesregierung bereits seit 2017 als Verdachtsfall für eine erhöhte PFAS-Belastung geführt. Foto: Hilken
Regenjacke, Teflonpfanne, Löschschaum: Produkte mit den als krebserregend geltenden Chemikalien sind allgegenwärtig. Die Rotenburger Kaserne ist ein PFAS-Verdachtsfall.
Rotenburg. Die Chemikalien stehen unter anderem im Verdacht, Krebs und Unfruchtbarkeit zu verursachen. Auf dem Gelände der Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf hat die Bundeswehr nun eine Fläche mit einem möglichen PFAS-Verdacht ermittelt.
Bereits seit 2017 als Verdachtsfall im Blick
Die Kaserne wird von der Bundesregierung bereits seit 2017 als Verdachtsfall für eine erhöhte PFAS-Belastung geführt. Wie die Bundeswehr auf Nachfrage mitteilt, befinde sich die Prüfung des Verdachts mittlerweile - sieben Jahre später - in der zweiten von drei Phasen. „Für diese wurde ein Auftrag im Hinblick auf weitergehende Erkundungen vergeben“, schreibt eine Sprecherin des zuständigen Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.
Phase I beinhaltet lediglich die Erfassung und Bewertung möglicher Verdachtsflächen. Erst in Phase II folgen detaillierte Boden- und Grundwasseruntersuchungen. Bestätigt sich dort der Verdacht, ist in Phase III eine aufwendige Sanierung vorgesehen.
Auch der Standortübungsplatz Seedorf betroffen
Laut der Sprecherin ist neben der Fallschirmjäger-Kaserne auch der Standortübungsplatz Seedorf betroffen. Dort befinde sich das Prüfverfahren aber noch immer in Phase I. Wann diese Prüfung voraussichtlich abgeschlossen sein wird, teilt die Sprecherin nicht mit.
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind künstliche Verbindungen, bei denen Wasserstoffatome industriell durch Fluoratome ersetzt worden sind. Die wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften der Chemikalien verringern Reibungswiderstände und Anhaftungen. PFAS werden daher unter anderem in der Textilindustrie, zur Aufwertung von Papierprodukten und in Feuerlöschschäumen verwendet. Auch in Batterien und der Medizintechnik kommen diese Stoffe zum Einsatz. Die auch als Ewigkeitschemikalien bezeichneten Stoffe der PFAS-Gruppe sind sehr langlebig und werden in der Umwelt praktisch nicht abgebaut.
Feuerlöschübungsplatz auf dem Flughafen Bremen wird saniert
In die Umwelt gelangen PFAS zum Beispiel über die Abluft von Industrieanlagen, über als Dünger verwendeten Klärschlamm oder direkt durch Feuerlöschschäume. Seit 2020 wird etwa der Feuerlöschübungsplatz auf dem Flughafen Bremen saniert. Bis 2025 sollen die giftigen Löschschäume aus dem Grundwasser gefiltert werden, damit der angrenzende Fluss Grollander Ochtum wieder zum Fischfang und zur Bewässerung von Obst und Gemüse genutzt werden kann.
Warnung vor regelmäßigem Verzehr von niedersächsischen Flussfischen
PFAS-Belastungen durch Löschschaum sind bundesweit auf vielen Bundeswehrliegenschaften ein Problem. Das niedersächsische Ernährungsministerium warnt seit 2020 aufgrund einer erhöhten PFAS-Belastung vor dem regelmäßigen Verzehr von niedersächsischen Flussfischen, unter anderem aus der Oste. Die Oste grenzt direkt an die Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf. Ein möglicher Zusammenhang ist derzeit nicht bekannt, da die Prüfung der Bundeswehr noch immer andauert.
Seit 2007 ist die Nutzung von PFAS-Substanzen in Löschschäumen reguliert. Erst kürzlich hat die EU-Kommission die Verwendung einer Untergruppe weiter eingeschränkt. Weitere Verbote werden auf EU-Ebene aktuell diskutiert. (rk)

Auf dem Gelände der Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf hat die Bundeswehr eine Fläche mit einem möglichen PFAS-Verdacht ermittelt. Foto: Hilken