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TBurnout: Horneburgerin will nach langer Pause wieder Menschen helfen

Aufgewachsen in Horneburg ist Petra Baukloh nach vielen Jahren wieder zurückgekehrt und will sich für Senioren einsetzen.

Aufgewachsen in Horneburg ist Petra Baukloh nach vielen Jahren wieder zurückgekehrt und will sich für Senioren einsetzen. Foto: Buchmann

Als neue Seniorenbeauftragte will Petra Baukloh Menschen bei Problemen im Alter helfen. Doch sie will sich auch selbst schützen - schließlich geriet sie schon mal an ihre Grenzen.

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Von Steffen Buchmann
Montag, 02.03.2026, 11:05 Uhr

Horneburg. „Moment, dein Gesicht kenne ich doch“: Ein Satz, den Petra Baukloh immer wieder beim Einkaufen oder beim Spazierengehen hört. Die gebürtige Horneburgerin nimmt es mit Humor: „Ich stelle mich dann mit Petra Engelke vor, meinem Mädchennamen - den kennen die Leute.“

Als neue Seniorenbeauftragte der Samtgemeinde wird Petra Baukloh noch mehr solcher Wiedererkenn-Momente erleben. In Horneburg liegen die Wurzeln der 65-Jährigen, hier wuchs sie mit zwei Geschwistern auf. Ihr Vater Ernst-Walter Engelke war Postbeamter und langjähriger Lokalpolitiker. Dass es die Tochter später ebenfalls in die Politik zog, lag nahe.

Aufmerksame Augen und ein herzliches Lachen

Ratsfrau, CDU-Vorsitzende in Drochtersen, Abgeordnetenmitarbeiterin im Niedersächsischen Landtag, Schöffin beim Landgericht: Politik und Ehrenamt beherrschten Bauklohs Alltag über Jahrzehnte.

Ich hatte immer Taschentücher, Zigaretten und Bonsche im Schreibtisch.

Petra Baukloh

Obwohl sie sich vor Jahren aus der Politik zurückzog, hat sie es nicht verlernt, mit Fremden wie mit alten Bekannten ins Gespräch zu kommen. Aufmerksame Augen blitzen hinten den Brillengläsern auf, während sie ihrem Gegenüber zuhört. Ein dezentes Nicken, eine witzige Anekdote, ein herzliches Lachen: Klönen par excellence.

Offenes Ohr und Taschentücher zur Hand

Ihre sympathische Art kennen ältere Horneburger aus Zeiten, in denen im örtlichen Rathaus noch das Sozialamt untergebracht war. Hier hat Baukloh 1977 als Verwaltungsangestellte ihre Lehre angefangen. „Ich hatte immer Taschentücher, Zigaretten und Bonsche im Schreibtisch“, sagt sie. Zu ihren Kunden habe sie einen guten Draht gehabt, „weil ich zugehört habe“. Eine von vielen Fähigkeiten, die ihr als Seniorenbeauftragte jetzt zugute kommen werden.

1999 verließ sie ihr Heimatdorf, lebte zwischenzeitlich im Alten Land und zog anschließend mit ihrem zweiten Ehemann Dieter Baukloh in ein Haus im Drochterser Moor. Doch ihr umfangreiches Engagement brachte Petra Baukloh an ihre Grenzen. „Eines Tages habe ich aus dem Küchenfenster gestarrt und gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt sie. Burnout durch Ehrenamt.

Kampf zurück ins Leben nach dem Tod des Ehemanns

2020 erkrankte ihr Mann schwer, bis zu seinem Tod 2022 pflegte Petra Baukloh ihn mit aller Kraft. Kurz vor seinem Tod war das Ehepaar zurück nach Horneburg gezogen - für Petra Baukloh eine Rückkehr nach 23 Jahren. Der Verlust ihres Mannes habe sie schwer mitgenommen, doch sie habe sich ins Leben zurückgekämpft. „Mein Mann hat mir Selbstbewusststein gegeben“, sagt sie heute.

An Horneburg hängt Petra Bauklohs Herz. „Ich habe immer aus der Ferne verfolgt, was in Horneburg passiert“, sagt sie. Sie freue sich, dass die Gemeinde sich zu einem so aufgeschlossenen Ort entwickelt habe. Manche Dinge seien zu ihrer Freude noch wie früher: „Ich liebe es, dass die Menschen sich hier immer noch grüßen und miteinander klönen.“

Ein Anruf aus dem Rathaus vom Bürgermeister

Eigentlich wollte sie erstmal kein neues Ehrenamt übernehmen. „Ich habe mir gesagt: Ich werde nicht danach suchen, das Ehrenamt findet mich“, sagt Baukloh. So kam es auch: Im Januar 2026 klingelte das Telefon, am anderen Ende: Samtgemeindebürgermeister Knut Willenbockel. Ihr Name sei im Rathaus gefallen, als es um die Nachfolge der scheidenden Seniorenbeauftragten Sarah von Bargen ging.

Die Liebe zur Sozialarbeit hat mich überzeugt.

Petra Baukloh

Die Anfrage ehrte sie, jedoch brauchte Petra Baukloh erst mal Bedenkzeit. „Ich wollte wissen, wie viel Belastung auf mich zu kommt“, sagt sie. Die Angst vor einer erneuten Überlastung beschäftigte sie. Doch letztlich sagte sie zu: „Die Liebe zur Sozialarbeit hat mich überzeugt.“ Den Selbstschutz will sie jedoch jetzt ernster nehmen.

Am 8. April von 10 bis 12 Uhr bietet Petra Baukloh ihre erste Sprechstunde im Mehrgenerationenhaus an, danach immer am ersten Mittwoch des Monats. Ideen hat sie schon einige, will es jedoch ruhig angehen. Ihr breites Netzwerk und Behördenwissen will sie nutzen, um den Horneburgern zu helfen. „Und einen ganzen Schrank voller Blazer, die ich wieder tragen kann“, verrät sie und lacht.

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