T„Niemand spricht gerne darüber“: Das ist Buxtehudes neue Behindertenbeauftragte
Elisabeth Brörken berät seit März Menschen mit Behinderungen. Foto: Felsch
Elisabeth Brörken ist die neue Ansprechpartnerin für Menschen mit Behinderungen in der Stadt. Die Anwältin für Sozialrecht bringt eine Menge Ideen für ihre Aufgabe mit.
Buxtehude. Elisabeth Brörken, die in Buxtehude aufgewachsen ist und ihr Abitur an der Halepaghenschule gemacht hat, will sich stärker für die Belange behinderter Menschen einsetzen. „Ich verstehe mich als Lotse im System, erkläre, was es für Hilfen gibt und an welche Stellen sich die Betroffenen wenden müssen, ich selbst kann nicht anwaltlich tätig werden“, betont die Juristin. Sie hat in München Rechtswissenschaften studiert und ist vor fünf Jahren wieder zurück in den Norden gekommen.
Die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren
In ihrer Sprechstunde beantwortet die 62-Jährige Fragen zu verschiedenen Bereichen: die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises, Fragen zu einer Haushaltshilfe, Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder zum „persönlichen Budget“, Wohnberatung mit Tipps und Anregungen für diejenigen, die in ihren eigenen vier Wänden bleiben möchten.
Die Nachfolgerin von Jens Nübel weiß wie ihr Vorgänger, dass es nicht einfach ist, Verbesserungen für die Lebenssituation von behinderten Menschen zu erreichen. Immer noch sei das Thema Tabu behaftet. „Niemand spricht gerne darüber, obwohl es jeden von uns treffen kann“, sagt die 62-Jährige, die selbst keine Berührungsängste kennt. „Ich stamme aus einer Arztfamilie, meine Schwester ist Krankenschwester, das hat mich wohl geprägt“, meint sie auf die Frage, warum sie sich gerade in diesem Bereich engagiert.
Aufklärungsarbeit betreiben
Sie habe kein politisches Mandat, sondern nur eine beratende Stimme, erklärt Brörken. Sie will ihre Möglichkeit Vorschläge zu machen, rege wahrnehmen. Ideen hat sie genug. So will sie ihre Kontakte zur Lebenshilfe, wo sie sich bereits engagiert und zu anderen Vereinen sowie zum NDR nutzen.

Die neue Beauftragte für Menschen mit Behinderungen gibt regelmäßige Sprechstunden im Stadthaus. Foto: Felsch
Das Thema Behinderung gehört ihrer Meinung nach stärker in die Öffentlichkeit. Um Vorurteile abzubauen, Verständnis zu wecken und den Menschen die Scheu zu nehmen aufeinander zuzugehen. „Ich möchte den Menschen mit Behinderung das Gefühl vermitteln, dass sie mitgenommen werden.“ Niemand sollte sich alleingelassen oder diskriminiert fühlen.

Elisabeth Brörken hilft gerne. Foto: Felsch
Um das Thema aus der Negativecke herauszuholen, steht Aufklärung ganz oben auf ihrer To-do-Liste - durch Filme, Diskussionen, gemeinsame Feste und Veranstaltungen, wie mit dem Inklusionstag am 3. Dezember. An Orten in der Stadt, die für jeden gut erreichbar sind. Geplant ist außerdem die Herausgabe eines Inklusionswegweisers mit Informationen für Betroffene.
Beruflich benachteiligt
Menschen mit Behinderungen fehlten immer noch die selben Chancen wie Nichtbehinderte. In der Schule, im Job. „Viele Unternehmen bieten Praktika an, übernehmen die Menschen mit Behinderungen dann aber nicht“, sagt sie. Gespräche mit der Geschäftsleitung oder dem Wirtschaftsverein könnten vielleicht Abhilfe schaffen, glaubt Brörken.
Viele Missstände ließen sich leider nicht ändern. Wie die des defekten Fahrstuhls am Buxtehuder Bahnhof. Sie könne nicht beurteilen, warum die Reparatur sechs Monate dauere. „Traurig ist das dennoch“, fügt Brörken hinzu.
Fachkräfte- oder Inklusionsmangel
Behindertenbeauftragter will arbeiten – die Lebenshilfe sagt ab
Gegenüber Gaby Wehrens, Fachbereichsleiterin Bildung, Jugend, Sport, Soziales und Senioren lobt sie die Bemühungen der Hansestadt und bestehender Initiativen, die sie mehr in den Fokus rücken will. Wenn alle an einem Strang zögen, sprich, ein Netzwerk bildeten, könnte das Verbesserungen bringen. Wenn auch nicht sofort. „In den vier Jahren, in denen ich das Amt ausübe, wird das nicht passieren, aber auf lange Sicht wohl schon“, drückt sie ihre Hoffnung aus. Obwohl sich einiges positiv verändert habe, gäbe es noch viel zu tun. Dazu will Elisabeth Brörken - soweit machbar - mit ihrem Ehrenamt beitragen.
Offene Sprechstunden
Derzeit bietet Brörken alle zwei Wochen offene Sprechstunden im Stadthaus, Bahnhofstraße 7, an. Die Beratung findet von 13 bis 15 Uhr in Raum 216 im zweiten Obergeschoss statt. Der Raum ist barrierefrei erreichbar. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Termine: jeweils an jedem 2. und 4. Montag im Monat: 13. April, 27. April, 11. Mai, 8. Juni, 22. Juni, 13. Juli, 27. Juli.
Elisabeth Brörken ist erreichbar unter: e.broerken@stadt.buxtehude.de oder Telefon: 04161/ 501 - 5070.
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