TBuxtehuder Rat: Mehrheitsbildung schwieriger – Rücktritt angeboten
SPD-Fraktionsvorsitzender Nick Freudenthal (von links), Neuklosters Ortsbürgermeisterin Anja Heckert, Parteichef Christian Krüger und das neue Ratsmitglied Andre Borgerhoff. Foto: Sulzyc
Die Bürgermeisterwahl in Buxtehude wird ebenfalls in einer Stichwahl entschieden. Im Rat haben die bisherigen Bündnisse keine Mehrheit mehr. Und es gibt ein erstes Opfer.
Buxtehude. Vier Gewinner bringt das Endergebnis bei der Kommunalwahl in Buxtehude: Die CDU (25,95 Prozent) ist stärkste Kraft, die AfD (14,51 Prozent) gewinnt kräftig hinzu. Die Linke (9,31 Prozent) legt deutlich zu, und die BBG/FWG (9,65 Prozent) erhält Fraktionsstatus im neuen Rat der Stadt.
SPD und Grüne verlieren jeweils Stimmenanteile. Dennoch sind die Sozialdemokraten (20,02 Prozent) zweitstärkste Kraft in Buxtehude, die Grünen (16,87 Prozent) belegen Platz drei in der Stadt. Die FDP (3,71 Prozent) verliert den Fraktionsstatus, hat nur noch einen Sitz im Rat.
Amtsverzicht: SPD-Mann reagiert auf Niederlage
Für die SPD markiert das Ergebnis einen Tiefpunkt in der jüngeren Stadtgeschichte. Schon am frühen Montagmorgen zieht das Konsequenzen nach sich: Der Parteivorsitzende Christian Krüger bietet seinen Rücktritt an. „Ich übernehme die Verantwortung für unser historisch schlechtes Ergebnis“, erklärt er dem TAGEBLATT.

Die Sitzverteilung im Stadtrat Buxtehude. Foto: KDO
Zugleich schildert er den großen Frust in der Partei. Die schlechte Reputation der Berliner CDU-SPD-Regierung habe den Wahlkämpfern das Leben schwer gemacht. Krüger wird bei der Vorstandswahl in zweieinhalb Monaten nicht erneut antreten. „Das Wahlergebnis ist für uns eine Katastrophe“, sagt auch der Fraktionsvorsitzende Nick Freudenthal.
T Buxtehuder Bürgermeisterwahl wird in Stichwahl entschieden
„Ich freue mich über das Ergebnis“, sagte dagegen AfD-Fraktionsvorsitzende Anke Lindszus. Sie habe bis zum Schluss gehofft, dass ihre Partei die Grünen noch überholt. In der Ratshierarchie wurde es am Ende trotz einer Verdreifachung der Sitze nur Rang vier.
Buxtehude: Suche nach Mehrheiten wird schwierig
Eine wichtige Erkenntnis aus dem Wahlergebnis ist: Politik zu gestalten und Mehrheiten zu bilden, wird schwieriger in Buxtehude. Die bisherigen, häufigen Bündnisse im Rat haben jeweils keine Mehrheit mehr. Auch CDU und SPD zusammen nicht (18 von 40 vergebenen Sitzen, eine weitere Stimme hat der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin). Ebenfalls ohne Mehrheit ist die progressive Mehrheit aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Die Grünen sind drittstärkste Kraft in Buxtehude: Der Wahlkampfbeauftragte Lars Niebuhr und Co-Fraktionsvorsitzende Bente Rosebrock können trotz Stimmenverlusten am Wahlabend lächeln. Foto: Sulzyc
Bei der Bürgermeisterwahl in Buxtehude ist noch keine Entscheidung gefallen. Nach der Auszählung kommt kein Kandidat auf die absolute Mehrheit. Die Stichwahl am Sonntag, 27. September, wird die Entscheidung zwischen Ralf Dessel (parteilos) und Katharina Mewes (BBG/ FWG) bringen.
Am Ende fehlen Ralf Dessel 400 Stimmen
Während Ralf Dessel mit 48,83 Prozent der Stimmen nur hauchdünn am Wahlsieg vorbeischrammt, entfallen auf Katharina Mewes 37,16 Prozent der Wählerstimmen. Der dritte Bewerber, Clemens Ultsch (Die Linke), kommt auf 14,01 Prozent der Wählerstimmen. Dessel fehlten am Ende rund 400 Stimmen, um den zweiten Wahlgang zu vermeiden.

Die Linke ist ein Wahlsieger der Kommunalwahl in Buxtehude Das Foto zeigt die neue, größere Fraktion im neuen Rat der Stadt (von links): Philipp Heyhusen, Anja Löwe, Ana Waack und Clemens Ultsch am Wahlsonntag in "Treffpunkt mit Herz". Foto: Sulzyc
Die Wahlbeteiligung lag bei 61,36 Prozent. Das ist höher als bei der Kommunalwahl 2021 in Buxtehude - damals waren es 55,3 Prozent. Sprecher mehrerer Fraktionen werten die gestiegene Wahlbeteiligung als erfreuliches Ergebnis dieser Kommunalwahl. Aus diesem Grund kann auch der einzig verbliebene FDP-Politiker im Rat, Wolfgang Watzulik, dem Wahlergebnis etwas Gutes abgewinnen.

Die Bürgermeisterwahl in Buxtehude ist noch nicht entschieden: Für Katharina Mewes und Ralf Dessel geht es am 27. September in die Stichwahl. Foto: Sulzyc
„Ich möchte für Politik begeistern“, sagt die Bürgermeisterkandidatin und Politikwissenschaftlerin Katharina Mewes dem TAGEBLATT. Sie sei erfreut, dass die Wahlbeteiligung höher lag als noch vor fünf Jahren.
Einen Sitz zwar verloren, aber stärkste politische Kraft in Buxtehude: Die CDU habe ihr Wahlziel erreicht, zeigt sich CDU-Fraktionsvorsitzender Olaf Riesterer zufrieden.
T Bürgermeisterwahl in Buxtehude: Mewes legt mit Plakat-Blitzstart vor
Die Mehrheitsbildung im Rat wird schwieriger, das erwartet auch Riesterer. Parteien, an den „Flügeln des politischen Spektrums“, gemeint sind die AfD und Die Linke, hätten deutlich zugelegt. Aber: „Ich glaube, es ist auch eine Chance, im Dialog zu guten Entscheidungen für Buxtehude zu kommen.“
Diese Politiker sind besonders beliebt
Beim Blick auf die Einzelergebnisse fällt vor allem das exorbitant gute persönliche Ergebnis der CDU-Politikerin und Hedendorfer Ortsbürgermeisterin Birgit Butter auf: 2231 Stimmen entfallen auf sie. Damit ist sie die mit Abstand beliebteste Politikerin in Buxtehude. Herausragend ist auch das Ergebnis von Katharina Mewes (BBG/FWG): 1455 Stimmen - mit Abstand das zweitbeste Ergebnis in der Stadt.
Bei der SPD erreicht der Fraktionsvorsitzende Nick Freudenthal mit 699 Stimmen das beste persönliche Ergebnis. Bei den Grünen fährt Ulrich Felgentreu wie bereits vor fünf Jahren die meisten Einzelstimmen ein: 763 Stimmen.

Mit Abstand die beliebteste Politikerin in Buxtehude: Birgit Butter (CDU) erhält 2231 Stimmen. Das Bild zeigt sie während der CDU-Wahlparty im Restaurant Voi. Foto: Butter
Unter den Kandidaten der AfD holt die Fraktionsvorsitzende Anke Lindszus die meisten Einzelstimmen: 385. Bei der Partei Die Linke ist Bürgermeisterkandidat Clemens Ultsch mit 392 Stimmen das Zugpferd. Der einzig verbliebene FDP-Politiker im Rat ist Wolfgang Watzulik mit einem persönlichen Ergebnis von 246 Stimmen.
SPD könnte das rote Neukloster verlieren
Bei der Ortsratswahl in Hedendorf liegt die CDU mit 67,46 Prozent deutlich vor den Sozialdemokraten (32,54 Prozent). Auch hier ist Birgit Butter, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landrätin, die dominante Figur.
In Neukloster ziehen vier Fraktionen in den Ortsrat ein - bisher sind es nur zwei (CDU und SPD). Die CDU gewinnt die Wahl mit 36,94 Prozent. Die SPD, bisher stärkste Kraft, erreicht 34,89 Prozent, die AfD 18,18 Prozent und Die Linke 9,98 Prozent.
Vom Ergebnis her stehen der AfD zwei Mandate zu. Mit Anja Jürs gibt es aber nur eine AfD-Kandidatin. Ein Sitz bleibt deshalb die nächsten fünf Jahre frei. Klar ist: SPD-Ortsbürgermeisterin Anja Hecker hat in der früheren SPD-Hochburg keine Mehrheit mehr und ihr CDU-Konkurrent Marcus Schulz (97 zu 28) deutlich mehr Stimmen. Das passt ins Bild einer katastrophalen Kommunalwahl für die Buxtehuder SPD.

SPD-Fraktionsvorsitzender Nick Freudenthal (von links), Neuklosters Ortsbürgermeisterin Anja Heckert, Parteichef Christian Krüger und das neue Ratsmitglied Andre Borgerhoff. Foto: Sulzyc
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