TBuxtehuder Studenten von 1966 kehren an die Hochschule zurück
Diese sieben Männer waren 1966 Absolventen der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Buxtehude, heute Hochschule 21 (von links): Hans-Werner Siepenkothen, Holger Müller, Gerhard Paulsen, Siegfried Preuß, Klaus Wenzlawski, Klaus Roczen und Herbert Deppe. Foto: Sulzyc
Ehemalige Tiefbaustudenten treffen sich an ihrer früheren Hochschule in Buxtehude wieder. Bierzipfel und nur zwei Frauen: So war vor 60 Jahren das Studentenleben.
Buxtehude. Wie bemerkenswert seine Gäste sind, bringt Professor Dr. Ingo Hadrych mit dieser Pointe zum Ausdruck: „Ich bin 1966 geboren. Da haben Sie bereits Ihr Diplom gemacht“, sagt der Präsident der Hochschule 21 zu ihrer Begrüßung.
60 Jahre nach dem Diplom kehren sieben Männer, alle über 80 Jahre alt, an den Ort zurück, an dem sie studiert haben. Damals hieß die Hochschule 21 noch Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen Buxtehude.
Das Foto zeigt die Absolventen des Jahres 1966 an der damaligen Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Buxtehude. Foto: Preuß
Tiefbau haben sie damals studiert, sechs Semester bis zum Abschluss. Insgesamt 19 Absolventen in dieser Fachrichtung sind es 1966 gewesen.
Seit 60 Jahren in jedem Jahr ein Wiedersehen
Die Verbindung haben die Absolventen des Jahrgangs 1966 immer gehalten. Seit 60 Jahren treffen sie sich jedes Jahr wieder, immer woanders. Zum 60. Wiedersehen sollte es ein besonderer Ort sein. Deshalb besuchen sie ihre frühere Hochschule.
Das im Jahr 1877 errichtete, repräsentative Hauptgebäude im Stil der Neorenaissance kennen sie noch von damals. Präsident Ingo Hadrych führt die Ehemaligen durch Labore, die es damals noch nicht gab.

Absolventen der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Buxtehude aus dem Jahr 1966 schauen sich bei einer Führung durch die Hochschule 21 in Buxtehude die Forschungseinrichtungen an. Die Bauversuchshalle gab es damals noch nicht. Foto: Sulzyc
Bei Gebäck, Fingerfood und Kaffee empfängt Marcus Hübner, Geschäftsführer der Hochschule 21, die Alumni. Mit diesem Begriff werden Absolventen und ehemalige Studierende einer Universität oder Hochschule bezeichnet.
Die Kaffeetafel ist die Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen. Manche Dozenten hätten damals noch Gamaschen getragen. Nicht nur modisch, sondern auch in der Lehre waren manche Dozenten in den 1930er Jahren stehen geblieben, amüsieren sie sich.
Einer arbeitet mit 83 Jahren immer noch
Geworden ist aus ihnen allen etwas. Die Karrieren verliefen unterschiedlich: Hans-Werner Siepenkothen verschlug es zum Beispiel an den Landesrechnungshof Nordrhein-Westfalen. Angefangen als Straßenbauer in Bremen brachte es Holger Müller bis zum Bauleiter. „Bis zum 70. Lebensjahr habe ich gearbeitet“, sagt der heute 83-Jährige.
Immer noch ins Büro geht der 83 Jahre alte Gerhard Paulsen. Er ist ein Namensgeber des heutigen Ingenieurbüros Lütjen und Paulsen in Bremervörde. Sein Enkel Bent Paulsen (21) studiert zurzeit an der Hochschule 21.
So hoch war das Gehalt für Berufsanfänger
Was hat man vor 60 Jahren im Tiefbau verdient? „Als Berufsanfänger gab es 800 Mark im Monat“, sagt Holger Müller. „Unser Traumgehalt war damals 1000 Mark!“ Das gab es nicht, denn das Jahr 1966 war schwierig im Bauwesen. „Als wir fertig waren, gab es ganz wenig Arbeit.“
Wie ein Orden in den Farben Grün,Weiß und Schwarz sieht das aus, was Holger Müller zur Freude aller auspackt - eine Art Notgeldböse. Dabei handele es sich um einen sogenannten Bierzipfel, erklärt er. Darin deponierte sein Besitzer eine Münze. „Eine Mark für das letzte Bier“, erklärt er. So viel habe damals ein Bier gekostet.

Holger Müller trägt die Mütze der damaligen Studentenverbindung "Immergrün" an der Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen Buxtehude. Der 83-Jährige hat 1966 sein Diplom an der Fachhochschule erworben. Foto: Sulzyc
Bierzipfel trugen damals Mitglieder der Studentenverbindung „Immergrün“ in Buxtehude. Diese existiert heute nicht mehr.
Hochschule 21
T Leben in Buxtehude: Was Studenten gefällt - und was ihnen fehlt
Eine Mensa oder eine Cafeteria gab es 1966 nicht an der Buxtehuder Hochschule. Mancher hat zu Hause gegessen, weil er verheiratet war. Andere Studenten kehrten in Lokale rund um die Hochschule ein.
Manchmal seien sie in den Ratskeller gegangen. 4 bis 5 Mark habe eine Mahlzeit damals gekostet: Eintopf oder Bauernfrühstück. „Das konnte man sich nicht jeden Tag leisten“, sagt Holger Müller. Dunkel erinnern sich die Alumni an eine drei Kilometer entfernte Fernfahrerkneipe. Möglicherweise habe sie „Zur Einkehr“ geheißen.

Ihren Abschluss feierten die Absolventen der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Buxtehude im Jahr 1966 auch mit einer Fahrt in der Pferdekutsche. Foto: Preuß
Ehefrauen begleiten die Absolventen von 1966 bei den Ehemaligentreffen. Vor 60 Jahren war das Studium in Buxtehude Männersache: Von den insgesamt rund 300 Studierenden seien nur zwei Frauen gewesen. Ein Fotoalbum von Familie Preuß zeigt Aufnahmen von der Abschlussfeier: In einer Pferdekutsche fuhren die Absolventen durch die Stadt.
Der Besuch der Alumni endet am Abend in der Buxtehuder Altstadt im Restaurant Amadeus - feiern können die Absolventen von 1966 immer noch.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.