TCDU: Niedersachsen blockiert Milliarden-Investition in Kernfusion in Stade
Dieses Bild zeigt, wie der Demonstrationsreaktor in Stade hätte aussehen können. Es ist die llustration des zukünftigen Standorts von Proxima Fusion. Foto: Proxima Fusion/GRAFT Architects
Die CDU erhebt Vorwürfe gegen die Landesregierung: Eine Milliarden-Investition in Kernfusion sei durch Bedenken verhindert worden. Stade soll eine historische Chance entgangen sein.
Buxtehude. Niedersachsens CDU-Oppositionsführer Sebastian Lechner wirft der rot-grünen Landesregierung vor, eine Milliarden-Euro-Investition in die Kernfusionsforschung in Stade verhindert zu haben. Bei einem Wahlkampfauftritt im Stadeum mit Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder äußerte Lechner scharfe Kritik.
„Stade hätte ein Kernfusions-Forschungsstandort werden können“, sagte Lechner. Landrat Kai Seefried und die CDU-Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke und Birgit Butter hätten intensiv dafür gekämpft. Die Landesregierung habe das Projekt jedoch abgelehnt, weil das Wort „Kern“ im Begriff „Kernfusion“ enthalten sei, so Lechner.
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Das Unternehmen Proxima Fusion, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, plante den Bau des weltweit ersten Kernfusions-Demonstrationskraftwerks in Stade. Proxima Fusion sammelte 411 Millionen Euro privates Kapital und entschied sich schließlich für München. Bayern fördert das Projekt mit 400 Millionen Euro.
Land, Proxima Fusion und Stadtbaurat bestätigen Gespräche
Stades Stadtbaurat Lars Kolk bestätigte das Interesse von Proxima an Stade. Es habe Untersuchungen an Standorten gegeben. Für weitere Fragen verwies er an die Staatskanzlei.
Die Stader CDU-Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke beantragte Akteneinsicht, um die Gründe für das Scheitern zu klären. „Stade und dem Landkreis ist eine Riesenchance verloren gegangen“, sagte Reinecke.

Melanie Reinecke (CDU) will Akteneinsicht, um zu klären, wieso Proxima Fusion nicht nach Stade kommt. Foto: Wisser
„Proxima Fusion hat im Rahmen einer geplanten Ansiedlung mehrere Standorte in Deutschland in den Blick genommen, so auch Stade“, reagiert ein Sprecher aus der Staatskanzlei auf die Debatte. Letztlich sei es eine unternehmerische Entscheidung von Proxima zu Gunsten eines Standortes in Bayern gewesen. „Ob hierbei auch günstige Förderkonditionen eine Rolle gespielt haben, ist von Seiten der Landesregierung nicht zu beurteilen.“
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„Im Zuge unserer Standortüberlegungen für unser erstes Fusionskraftwerk haben wir uns verschiedene Optionen in Deutschland und Europa angesehen“, antwortet Proxima Fusion auf Anfrage. Es habe vertrauensvolle Gespräche mit der Landesregierung gegeben, ebenso wie mit weiteren Bundesländern. „Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landesregierung setzen wir gegenwärtig über Gespräche zu weiteren potenziellen Projekten fort“, so ein Unternehmenssprecher.
Akw-Gelände als Standort für neuen Reaktor
TAGEBLATT-Recherchen ergaben, dass die Verhandlungen für den Demonstrationsreaktor weit fortgeschritten waren. Der geplante Standort war das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Stade, dessen Rückbau bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll.
Verschiedene Quellen in Stade machen die Grünen für das Scheitern verantwortlich. Sie hätten den Ausbau der erneuerbaren Energien gefährdet gesehen. Die dementieren das. Von den Dingen, die Lechner in den Raum gestellt habe, wisse niemand etwas, Pläne für einen Kernfusionsreaktor zu Forschungszwecken in Stade habe es „unseres Wissens“ nicht gegeben, so die Grünen-Landtagsfraktion.

Sebastian Lechner - hier mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - attackiert die Landesregierung. Sie habe Zukunftstechnologie in Stade verhindert. Foto: Wisser
Deutschland investiert Milliarden in die Fusionsforschung. Der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung sieht vor, dass das erste Fusionskraftwerk weltweit in Deutschland an den Start geht. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Windenergie als Übergangstechnologie bis zur Verfügbarkeit von Fusionskraftwerken. Die Bundesregierung stellt im Aktionsplan Fusion über zwei Milliarden Euro bereit.
Kernfusion: Deutlich sicherer als Kernspaltung
Es gibt jedoch kritische Stimmen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung zweifelt an der schnellen kommerziellen Nutzung der Kernfusion. Greenpeace hält die Technologie für ineffizient und teuer. Das Fraunhofer-Institut bewertet die Fusion positiver. Es verweist auf wissenschaftliche Durchbrüche.
Im Vergleich zur Kernspaltung birgt die Kernfusion weniger Risiken. Es besteht keine Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion. Die radioaktiven Abfälle haben deutlich geringere Halbwertszeiten, sodass 100 Jahre sichere Aufbewahrung ausreichen.
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