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Kritik

TCannabisanbau: CDU-Abgeordnete Butter warnt vor Bürokratiemonster

Seit zwei Jahren ist der Anbau von Cannabis für einen Joint unter strikten Auflagen legal.

Seit zwei Jahren ist der Anbau von Cannabis für einen Joint unter strikten Auflagen legal. Foto: Annette Riedl/dpa

Die CDU-Abgeordnete Birgit Butter übt scharfe Kritik an der Landesregierung: Trotz hoher Verwaltungskosten fehlen belastbare Daten zur Teillegalisierung von Cannabis.

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Von Karsten Wisser
Mittwoch, 22.04.2026, 09:55 Uhr

Buxtehude. „Die Landesregierung verwaltet ein System, das sie selbst offenbar nicht im Griff hat“, kritisiert Birgit Butter, CDU-Landtagsabgeordnete aus Buxtehude und Mitglied im Innen- sowie Verbraucherschutzausschuss des Niedersächsischen Landtags. „Wichtige Kennzahlen fehlen, während die Kosten bereits erheblich steigen.“

Seit zwei Jahren dürfen Erwachsene in Deutschland kleine Mengen Cannabis besitzen und konsumieren.

Unvollständig erfasste Abgabemengen

Bis heute gibt es keine vollständigen Daten zu den abgegebenen Cannabismengen oder den Mitgliederzahlen der Anbauvereinigungen. Nur ein kleiner Teil der Vereine wurde bisher überprüft. Gleichzeitig summieren sich die Verwaltungskosten auf über 300.000 Euro – bei geringen und unvollständig erfassten Abgabemengen.

Birgit Butter aus Buxtehude-Hedendorf sitzt seit 2022 für die CDU im Niedersächsischen Landtag.

Birgit Butter aus Buxtehude-Hedendorf sitzt seit 2022 für die CDU im Niedersächsischen Landtag. Foto: Thomas Sulzyc

„Das Verhältnis stimmt nicht: viel Bürokratie, kaum belastbare Ergebnisse“, so Butter. „Eine seriöse Bewertung der Teillegalisierung ist so unmöglich.“

Daten von neun aktiven Vereinigungen

Butter verweist auf eine Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der CDU-Fraktion: „Für 2025 wurden die Zahlen von neun genehmigten Anbauvereinigungen ausgewertet. Diese bauten zusammen etwa 313 Kilogramm Cannabis an.“ Doch im Vorjahr waren 50 Anbaugemeinschaften aktiv. Von 41 lagen bis März 2026 keine Daten vor.

Die Kosten des Systems sind aus CDU-Sicht beträchtlich: 2025 entstanden circa 301.600 Euro für Personal, Sachmittel und Gemeinkosten. Dem stehen lediglich 55.588 Euro aus Gebühreneinnahmen gegenüber.

Fünf Gruppen im Landkreis Stade

Die Landesregierung hat keine genauen Mitgliederzahlen der Vereine. In der Praxis gibt es sowohl kleine als auch größere Vereinigungen. Niedersachsen führt bundesweit bei der Zahl der Anbauvereinigungen. Im Landkreis Stade existieren laut Landwirtschaftskammer fünf solcher Gruppen. Diese Vereine oder Genossenschaften bauen Cannabis gemeinschaftlich und nicht-gewerblich an, geben es an Mitglieder weiter und informieren über Suchtprävention.

Butter sieht auch die Steuerung des Systems kritisch. Viele genehmigte Vereine hätten noch nicht einmal mit dem Anbau begonnen. „Die Landesregierung erteilt Genehmigungen auf Vorrat, ohne den Betrieb zu kontrollieren“, bemängelt sie.

Anbau: Braucht es mehr Kontrollen?

Zudem zweifelt Butter an der Wirksamkeit der Kontrollen. „2025 gab es 30 Kontrollen, aber nur in einem Fall wurde die Erlaubnis entzogen. Gerade in der Anfangsphase braucht es engmaschige und konsequente Überprüfungen“, fordert sie.

Besonders problematisch seien die absehbaren Zusatzkosten, etwa durch die fortlaufende Digitalisierung der Verfahren. „Die bisherigen Ausgaben sind nur der Anfang“, warnt Butter.

Ihr Fazit: „Die Teillegalisierung von Cannabis entwickelt sich in Niedersachsen zu einem bürokratischen und teuren Projekt ohne solide Datengrundlage und ohne Effizienz. Die Landesregierung muss endlich für Transparenz, klare Steuerung und eine ehrliche Kosten-Nutzen-Bewertung sorgen.“

Ministerin sieht Schwarzmarkt-Bekämpfung positiv

Die Grünen in Niedersachsen sehen die Entwicklung anders. Zwei Jahre nach der Teillegalisierung betont Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) positive Effekte der Anbauvereinigungen. Diese könnten den Schwarzmarkt eindämmen und die Gesundheit der Verbraucher besser schützen, erklärte sie bei einem Besuch des Vereins Hemp Heaven Hannover der Deutschen Presse-Agentur.

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