TCarmina Burana in Buxtehude: Junge Stimmen verleihen Amor Flügel
Carla aus Buxtehude gehört zum Projektchor. Die Schülerin bringt bereits einige Chorerfahrung mit. Foto: Svenja Weil
Die Carmina Burana gilt als das meistgespielte Chorwerk des 20. Jahrhunderts. Komponist Carl Orff hat auch Mädchenstimmen eingeplant. Wer sind die jungen Sängerinnen?
Buxtehude. Sie singen vom Liebesgott Amor und geben ihm mit ihren hellen Stimmen Flügel. Ganz nach den Vorstellungen des Komponisten Carl Orff folgt auf derbe Kneipenszenen als Kontrast der Gesang der "Raggazzi", wie es in der Partitur steht.
Für diesen Part im opulenten Chorwerk Carmina Burana haben sich insgesamt 40 Jugendliche dem von Kreiskantorin Sybille Groß und ihrem Stader Kollegen Holger Brandt initiierten Projektchor angeschlossen. Mehrere intensive Proben liegen schon hinter den acht Sängerinnen, die am Donnerstagabend im Dietrich-Bonhoeffer-Haus zur Probe ihrer Teilgruppe zusammengekommen sind. Insgesamt drei Teilgruppen vereinen sich für die Schlussproben und die Aufführungen.
Junge Sängerinnen mit Chorerfahrung
Die meisten der 10- bis 13-Jährigen bringen bereits Chorerfahrung mit, sei es aus der Musikklasse der Halepaghenschule oder aus dem Stieglitz-Chor. Mit den Stieglitzen habe sie schon häufiger vor großem Publikum gesungen, erzählt die 13-jährige Carla.
Zur Carmina Burana kam sie durch eine Freundin ihrer Mutter, die im Chor singt. Carlas Eltern werden zur Aufführung kommen, denn der Auftritt in der Kirche und an der Seite von Profimusikern ist doch etwas Besonderes. Sie ist mit ihren Freundinnen Clara und Lieve dabei, alle drei besuchen das Gymnasium Süd.

Die jugendlichen Sängerinnen proben für ihren großen Auftritt in der Petri-Kirche. Foto: Svenja Weil
Clara (13) kannte schon vorher einige Teile des Chorwerks. Lieve (13) bekam die Anregung zum Mitmachen von einem Freund der Mutter. Mit ihr schaute sie zum Einstieg einen Konzertmitschnitt im Internet an. Ebenfalls durch ihre Mutter, die selber im großen Chor die Konzerte mitsingen wird, kam Lara (10) zum Singen. Sie ist die einzige in dieser kleinen Gruppe, die noch keine Chorerfahrung mitbringt.

Volle Aufmerksamkeit bei der Probe. Emme, Lara, Ziva und die anderen Sängerinnen folgen konzentriert den Ansagen ihrer Chorleiterin Sybille Groß. Foto: Svenja Weil
Sybille Groß sieht darin kein Problem, schließlich sollten die jungen Leute niedrigschwellig an Chormusik herangeführt werden. Pauline (12) und Emme (13) besuchen den Konfirmandenunterricht der Petri-Gemeinde. Die beiden gehören zur Musikklasse der Halepaghenschule und sind bei Jugend musiziert und dem Massen-Sing-Event 6K UNITED! aufgetreten.
Sprache als besondere Herausforderung
Besonders schwierig finden es die beiden, den Text zu lernen. Dieser umfasst Latein und Mittelhochdeutsch, was beides nicht leicht zu singen ist und sehr präzise ausgesprochen werden muss.
„Carmina Burana“ in Buxtehude
Auch unter den erwachsenen Sängern seien viele anspruchsvolle Textpassagen des Werkes geradezu berüchtigt, ergänzt Sybille Groß. Die Jugendlichen singen komplett auswendig. Um ihnen mehr Auftrittszeit zu ermöglichen, lässt Sybille Groß sie - abweichend von der üblichen Aufführungspraxis - auch den großen Schlusschor „O Fortuna“ mitsingen.
Finale mit 150 Sängerinnen und Sängern
Dieser Part, mit dem die Carmina Burana eröffnet und abgeschlossen wird, ist die wohl bekannteste Melodie des Stücks. Die fanfarenartig einsetzende Hymne an die Schicksalsgöttin Fortuna hatten auch die Jugendlichen alle vor den Proben schon mal gehört. Beim großen Finale werden sie gemeinsam mit allen gut 150 Mitwirkenden vorn stehen. „Ihr seid Teil von etwas richtig Großem!“, macht die Chorleiterin ihnen deutlich.
Sie selbst strahlt große Begeisterung für das Projekt aus, obwohl Organisation, Technik und Finanzierung auch eine Menge Arbeit für sie bedeuten. Besonders stolz und glücklich sei sie, weil sie so tolle Profis für die Mitwirkung gewinnen konnte, erzählt sie und schwärmt von den Solisten und besonders dem Percussion Ensemble Elbtonal. Wie geht es den jungen Sängerinnen angesichts dieses beeindruckenden Aufgebots?
Aufregung kommt vor dem Auftritt
Die Aufregung halte sich in Grenzen, meint Carla. Im Chor seien eventuelle kleine Fehler hoffentlich nicht ganz so schlimm. Ein Solo zu singen sei aufregender. Auch Pauline ist noch entspannt. „Aber wenn man dann da steht und die volle Kirche sieht, ist das sicher anders“, vermutet sie. Bei den letzten Proben werden erstmals alle Akteure gemeinsam performen.
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Das passende Outfit für die Auftritte bekommen die Sängerinnen bereits an diesem Donnerstag. Es greift das Schicksalsrad der Fortuna auf und bleibt den Mädchen als tragbare Erinnerung an die Konzerte erhalten. Inzwischen sind beide Konzerte an diesem Wochenende (Samstag, 29. August, 20 Uhr und Sonntag, 30. August, 18 Uhr) nahezu ausverkauft. „An der Abendkasse gibt es noch wenige Tickets, aber ich kann nicht garantieren, dass noch alle Interessierten hinein können“, so Groß.
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