TD/A-Profis trainieren die Kleinen: Das steckt hinter den Patenschaften
D/A-Stürmer Haris Hyseni klatscht ab: An der Fußballschule des Vereins nahmen zuletzt 55 Kinder teil. Foto: Berlin
Die D/A-Kicker sollen Kinderaugen zum Leuchten bringen. Das regelt der Verein sogar in den Verträgen mit den Regionalligaspielern. Diese Patenschaften haben mehrere Vorteile.
Drochtersen. Die D/A-Spieler Robin Kölle, Justin Plautz und Philipp Aue teilen die Gruppe in zwei Mannschaften ein. Die Hälfte der Kinder will Torwart sein. Zwei Freunde wollen auf jeden Fall zusammenspielen. Die Achtjährigen melden sich und schnipsen ungeduldig mit dem Finger.
Philipp Aue verteilt die Leibchen. Spiel auf ein Tor. Drei Ecken ein Elfer. Los geht es. Nach ein paar Minuten bekommt ein Junge bei einer Abwehraktion unglücklich einen Fuß ins Gesicht. Justin Plautz tröstet. Der Schreck ist größer als der Schmerz. Es geht weiter.

Justin Plautz (links) und Robin Kölle teilen die Mannschaften ein: Viele wollen Torwart sein. Foto: Berlin
Der halbe Kader des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel kümmert sich an diesem Samstagvormittag um Kinder ab sechs Jahre. D/A organisiert die Fußballschule nicht zum ersten Mal. Weil der Verein diesmal sogar 55 Anmeldungen bekam, trainiert die eine Hälfte in der Drochterser Turnhalle neben dem Kehdinger Stadion, die andere in der „D/Arena“ 100 Meter Luftlinie entfernt.
Patenschaften angeblich einmalig in der Szene
Die Augen der Kinder leuchten. „Guter Schuss“, sagt Robin Kölle. „Stark gehalten“, ruft Justin Plautz dem Keeper zu. Die Regionalligaspieler schauen genau hin und erkennen richtig gute Talente.
D/A-Kapitän Nico von der Reith würde gern dabei sein. Aber eine Bänderverletzung im Fuß setzt ihn außer Gefecht. Der 32-Jährige beobachtet auf Krücken das Geschehen am Rand der „D/Arena“. Dass die D/A-Spieler Kinder und Jugendliche trainieren, soll laut Sportdirektor Sören Behrmann sogar fester Bestandteil ihres Vertrages sein. Und in diesem Maße wahrscheinlich einmalig in der Szene. D/A begrenzt das Projekt aber nicht nur auf seine eigene Fußballschule.
Fußball-Regionalliga
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Vor zwei Jahren hat der Regionalligist Patenschaften eingeführt. Alle Spieler der ersten Mannschaft stehen demnach Pate für eine Kinder- oder Jugendmannschaft bei D/A oder dem JFV D/A & Stade. Die Profis schauen dort regelmäßig beim Training oder den Spielen vorbei. Das soll jedenfalls der Idealfall sein.
1,92-Meter-Hüne Hyseni kümmert sich um die Kleinsten
Jorik Wulff betreut zum Beispiel die U13, Maximilian Geißen kümmert sich um die U12, die Torhüter Patrick Siefkes, Fabian Klinkmann, Jasper Rump und Bennet Marquardt trainieren die Keeper quer durch alle Altersklassen. D/A-Kapitän Nico von der Reith hat die U17 des JFV als Pate übernommen. Stürmer Haris Hyseni ist bei den Kleinsten in der U6 am Start.
D/A hat bei dem Projekt Hintergedanken. „Das stärkt die Bindung zu den Spielern und die Bindung zum Verein“, sagt Behrmann. Der Sportdirektor meint damit die Regionalligaspieler und die Kinder und Jugendlichen gleichermaßen. Dass im Fanshop die Umsätze für D/A-Trikots in Kindergröße steigen, ist nur ein Nebeneffekt. „Die Kleinen himmeln die Großen an“, sagt Behrmann.
D/A-Co-Trainer Lars Jagemann kennt die aktuellen Mitgliederzahlen. 410 Kinder und Jugendliche sind im Stammverein organisiert. „Gegen den Trend sind die Zahlen in den vergangenen Jahren minimal gestiegen“, sagt Jagemann. Die Fußballschulen im Sommer und im Winter würden „extrem gut angenommen und sind ausgebucht“.
Von der Reith: Regionalligafußballer hat Vorbildfunktion
Ein bis zwei Mal im Monat besucht Nico von der Reith nach eigenen Aussagen seine Patenmannschaft. Dann schaut er den Trainern der U17 des JFV D/A & Stade, Jörn Augustin und Steffen Vagts, über die Schulter oder bringt sich selbst ein. „Den Spielern tut anderer Input gut. Ich kann meine Ideen einbringen und habe einen guten Austausch mit dem Trainerteam“, sagt von der Reith. Er habe sich Konzepte und Spielsysteme angeschaut und auch selbst schon ein, zwei Trainingseinheiten geleitet.
Von der Reith sagt, er wolle „etwas zurückgeben“. Schließlich seien die Kinder und Jugendlichen „unsere Zukunft“. Er und seine Mitspieler aus der Regionalligamannschaft hätten zudem eine Vorbildfunktion.
Mit jetzt 32 Jahren denkt von der Reith auch über seine sportliche Zukunft nach. Der Gedanke sei da, mal als Trainer zu arbeiten. „Aber eher für die ältere Generation“.
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