Zähl Pixel
Lokalpolitik

TDarum wechselt Amir Afschartabbar in Stade von der SPD zur CDU

Amir Afschartabbar am Lühe-Anleger. Die kleine Budenstadt ist das Zentrum seiner unternehmerischen Aktivitäten.

Amir Afschartabbar am Lühe-Anleger. Die kleine Budenstadt ist das Zentrum seiner unternehmerischen Aktivitäten. Foto: Strüning

Amir Afschartabbar, Stader Gastronom und Vorsitzender von Stade aktuell, wechselt die politischen Lager. Er verlässt die SPD und schließt sich der CDU-Liste an. Warum?

author
Von Lars Strüning
Mittwoch, 29.04.2026, 05:00 Uhr

Stade. Afschartabbar (49) ist multi-aktiv. Er kreiert Ideen für die Entwicklung der Stader Innenstadt, startet soziale Kampagnen und betreibt mehrere Buden am Lühe-Anleger oder zum Stader Weihnachtsmarkt. Jetzt will er größer in die Lokalpolitik einsteigen.

2021 stand er noch für die SPD in Stade auf der Liste

2021 kandidierte er noch auf einem hinteren Listenplatz für die SPD. Das Vorhaben scheiterte, Afschartabbar zog nicht in den Rat ein, obwohl er stadtbekannt und wohlgelitten ist. Jetzt ein neuer Versuch - mit einer neuen Partei. Die Antworten lassen aufhorchen und dürften den SPD-Verantwortlichen in den Ohren klingeln.

Afschartabbar, ein gebürtiger Iraner, rechnet nicht nur mit der großen Politik ab, sondern bezieht auch klar Stellung im Bürgermeisterwahlkampf in Stade, der wahrscheinlich zum Duell zwischen Kai Koeser (SPD) und Arne Kramer (CDU) geraten wird. Afschartabbar hat sich entschieden.

„Ich unterstütze mit meiner Kandidatur auf der CDU-Liste Arne Kramer bei seiner Bürgermeister-Kandidatur.“ Er tue das „aus voller Überzeugung“, offenbar weil er Kramer für den besseren Kandidaten hält. Kramer habe juristischen Hintergrund und könne mit seiner „erfolgreichen Verwaltungserfahrung“ beim Landkreis Stade und seiner Zeit als Bundeswehrsoldat Verantwortung für seine Mitmenschen übernehmen.

Ein langer Brief zum Abschied von der SPD

Dem Gegenkandidaten und Stader SPD-Vorsitzenden Kai Koeser hat er einen langen Brief geschrieben mit seinen Beweggründen zum Austritt, den er zum 30. März vollzogen hat. Er rechnet dabei mit der großen Politik ab.

Die SPD habe den Blick für die wirklichen Sorgen und Probleme der Menschen verloren, so sein Vorwurf. Er vermisse die Nähe zu den Menschen in der Partei, die sich zuviel um Ideologie und zu wenig um Problemlösungen kümmere. Das liege auch daran, dass sie „nahezu um jeden Preis“ regieren wolle.

Er stand auf Brandt, Schmidt und Müntefering

Er habe einst mit Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Franz Müntefering eine andere SPD kennengelernt. Gerade Schmidt habe für eine Politik mit Klarheit, Verantwortung und Realismus gestanden. Das Wohl des Landes stand über der Ideologie. Afschartabbar fragt sich, ob Schmidt seine SPD heute noch wiedererkennen würde.

Die SPD heute stelle sich gegen die Arbeitnehmer und damit gegen die wirtschaftliche Basis „unseres Wohlstands und unseres Sozialsystems“. Afschartabbar: „Nach sechs Jahren Mitgliedschaft habe ich mich daher entschlossen, aus der SPD auszutreten.“ Er grüßt mit „besten Wünschen für alle Menschen, die sich für unsere Demokratie einsetzen“.

Das sagt die SPD zum Parteien-Wechsel

Kai Koeser hat die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen: „Ich finde das schade.“ Der Abgang von Afschartabbar sei ein Verlust für seine Partei, inhaltlich nachvollziehen könne er diesen Schritt nicht. Gerade bei Themen wie der Entwicklung und dem Sicherheitsgefühl in der Innenstadt hatte Koeser den Eindruck, mit ihm gleichzuticken. „Das hat mich dann schon überrascht.“

Beide betonen ausdrücklich, weiterhin gut zusammenarbeiten zu wollen - wie es in Stade üblich ist über die Parteigrenzen hinaus.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel