T„Das Kreuz gerade machen”: Proteste gegen Rechts in Hammah und Stade
Eine Menschenkette um das Stader Rathaus: Aufgerufen dazu hatten die Omas gegen Rechts. Foto: Haardt
Der Landkreis Stade bleibe bunt, stabil und laut, forderte eine Demonstrantin in Hammah. Deshalb gingen Menschen am Samstag in Hammah, Steinkirchen und Stade auf die Straße.
Stade. „Das tut mir richtig weh”, sagt Angela Steuer darüber, dass es nötig sei, für demokratische Werte zu demonstrieren. Sie steht am Samstagmittag vor dem Stader Rathaus und trägt ein selbstgemaltes Bild bei sich: „Moin Liebe, Tschüß Hass” steht darauf. Die Staderin spricht sich aus für Demokratie und Vielfalt - und gegen die Politik der AfD.
Angela Steuer ist bei der Menschenkette in Stade dabei. Sie setzt sich ein für Demokratie und Vielfalt. Foto: Haardt
Um sie herum in der Hökerstraße sind viele Gleichgesinnte: Sie wollen eine Menschenkette um das Rathaus herum bilden. Organisiert wurde die Aktion von den Omas gegen Rechts. Auch um das Rathaus der Samtgemeinde Lühe gab es eine Menschenkette.
Etwas früher, um 10 Uhr, versammeln sich auf dem Parkplatz des Dorfgemeinschaftshauses in Hammah Demonstranten zwischen bunten Pavillons. Es gibt Kaffee und Muffins mit „FCK AFD”-Zuckeraufschrift. Vor Ort sind unter anderem Mitglieder der Grünen, der SPD und der Linken sowie die Eltern und Omas gegen Rechts.
Haltung zeigen gegen Rechts
Der Grund für die Zusammenkunft: Wenige Meter weiter hat die AfD einen Bier- und Bratwurststand aufgebaut. Wie jüngst schon in anderen Orten im Landkreis Stade demonstrieren Menschen dagegen. Auf ihren Schildern stehen Parolen wie „Bunt statt Braun” und „Keen Platz für Hetze”. Mit Pfeifen und Vuvuzelas machen die Demonstranten Lärm gegen Rechts.
Aufgerufen zum Protest hat das neugegründete Bündnis „Hammah gegen Rechts”. „Ich möchte ganz klar Haltung zeigen”, sagt Anne Wolff-Meuter. Sie ist Mitinitiatorin des Bündnis und sitzt für die SPD im Gemeinderat in Hammah.

Anne Wolff-Meuter ist Mitinitiatorin des Bündnisses „Hammah gegen Rechts” und hat den Protest gegen den AfD-Stand organisiert. Foto: Haardt
An ihrer Jacke ist ein regenbogenfarbiger Anstecker mit dem Buchstaben „M” befestigt: „Das steht für Menschlichkeit”, erklärt sie. Besonders freut sich die Organisatorin, dass auf der Kundgebung so viele Menschen aus Hammah gekommen seien, vor allem da ein frührer Versuch, eine Demonstration gegen einen AfD-Stand zu organisieren, erfolglos geblieben war.

Tina Tischer will Präsenz gegen Rechts zeigen, vor allem im ländlichen Raum. Foto: Haardt
Tina Tischer kommt aus Hammah. „In dieser bescheuerten Zeit das Kreuz gerade zu machen, ist mir wichtig.” Deshalb geht sie in Hammah auf die Straße. Und deshalb hat sie sich für die Kommunalwahl am Sonntag, 13. September, für den Gemeinderat aufstellen lassen. Direkt vor Ort könne jeder etwas verändern.
Der AfD den ländlichen Raum nicht überlassen
Dass es besonders im ländlichen Raum mutig sei, gegen die AfD zu protestieren, betonen Katharina und Anna (beide Namen von der Redaktion geändert) vom Harburger Bündnis gegen Rechts. „Das kostet mehr Courage, weil die Leute sich untereinander kennen”, sagt Anna.

In Hammah gingen Menschen gegen die AfD auf die Straße. Der AfD-Stand befand sich nur wenige Meter weit entfernt. Foto: Haardt
Warum Harburger nach Hammah kommen? Es gehe darum zu zeigen, dass sie den ländlichen Raum nicht einfach der AfD überlassen möchte, erklärt Katharina: „Die AfD ist keine Option.”
In Hamburg sei es vergleichsweise leicht, große Demonstrationen auf die Beine zu stellen, in kleinen Ortschaften wie Hammah hingegen nicht, fügt Anna hinzu. Deshalb dürfe kein Weg zu weit sein, wenn es um Protestaktionen gehe.
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Gleichzeitig möchte sie Netzwerkarbeit betreiben: „Sich mit Akteuren und Akteurinnen aus dem ländlichen Raum zu vernetzen, ist der Schlüssel, um sich der Faschisierung entgegenzustellen.”
Protest ist „Selbstverständlichkeit”
Während die Demonstranten in Hammah Kuchen essen und sich vernetzen, beginnen die Protestierenden in Stade, die Menschenkette zu bauen. Sie geben sich die Hände und ziehen vom Rathaus-Eingang durch die Hökerstraße an St. Cosmae vorbei und an der Rathaus-Rückseite entlang. Dort würde sich die Menschenkette schließen, wäre da nicht ein verschlossenes Tor im Weg. Die Anwesenden applaudieren und jubeln.
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An der Rathaus-Rückseite hat sich Lars Ullmann bei den Demonstranten eingereiht. „Ich bin aus persönlicher Betroffenheit dabei und deshalb ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, heute hier zu sein.” Ullmann lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und arbeitet mit schwerbehinderten Menschen. Die Forderungen der AfD griffen in alle möglichen Bereiche seines Lebens ein, erklärt der Stader.

Für Lars Ullmann ist Protestieren eine Selbstverständlichkeit. Die AfD greife mit ihren Aussagen viele Bereiche seines Lebens an. Foto: Haardt
Christiane Theuer macht darauf aufmerksam, dass sich auf Kreisebene, vor allem angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl, jeder gegen rechte Kräfte einsetzen könne: „Jeder kann sich politisch einbringen, auch wenn es um die kleinen Dinge geht.”

Auch in Steinkirchen protestierten Menschen für die Demokratie. Hier in der Mitte ist Samtgemeinde-Bürgermeister Timo Gerke (parteilos) dabei. Rechts neben ihm steht sein Gegenkandidat Gerd Dehmel (CDU). Insgesamt kamen mehr als 100 Menschen zum Protest. Foto: privat
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