T„Der Ball klebt“: So ordnet D/A das durchwachsene Pokalspiel ein
Elfmeter oder nicht? Ibrahim Temin holt D/A-Stürmer Christopher Schepp von den Beinen. Foto: Jörg Struwe
D/A kämpft sich im Pokal zum Sieg gegen Delmenhorst. Der Trainer ordnet den Saisonstart ein. Eine Geschichte über Schocknachrichten, Mentalität und den stumpfen Rasen.
Drochtersen. In der 90. Minute läuft D/A-Neuzugang Christopher Schepp allein auf das Delmenhorster Tor zu. Er muss den 1:1-Ausgleich erzielen, um sich und seine Mannschaft vor 936 Zuschauern im Kehdinger Stadion wenigstens in die Verlängerung zu retten. Die SV Drochtersen/Assel steht kurz vor Ende der Partie vor dem frühen Aus im niedersächsischen Pokalwettbewerb.
Dann haut der Delmenhorster Kapitän Ibrahim Temin Schepp von hinten die Beine weg. Bringt ihn zu Fall. Temin sieht verdient Rot für die Notbremse. Nach langen Diskussionen entscheidet Schiedsrichter Tom Holsten auf Strafstoß für D/A. Demnach geschah das Foul mindestens auf der Strafraumlinie.
So geht Tom Sanne mit dem Druck um
Delmenhorst wittert eine Fehlentscheidung. Spieler und Bank sind außer sich. In diesem Trubel schnappt sich D/A-Neuzugang Tom Sanne den Ball und verwandelt eiskalt zum 1:1.

Neuzugang Tom Sanne bleibt eiskalt beim Strafstoß und rettet seine Mannschaft in die Verlängerung. Foto: Jörg Struwe
„Ich trainiere das oft und bleibe einfach ruhig“, sagt Sanne. Einmal durchatmen und Schuss. „Ich mache das gerne. Ich hatte schon viele Spiele mit Druck und Spannung“, sagt Sanne.
In der Verlängerung zirkelt Jorik Wulff einen Freistoß in den Winkel des Delmenhorster Tores. Der ist ganz leicht abgefälscht vom Kopf eines Spielers in der Mauer, er wird dadurch unhaltbar. 2:1. D/A jubelt. D/A kämpft und zeigt eine starke Mentalität. In einem durchwachsenem Spiel wendet der Favorit gegen den Regionalliga-Aufsteiger das Pokal-Aus ab und darf nun im Viertelfinale am 23. August im eigenen Stadion gegen Kickers Emden antreten. Spielerisch ist das keine Offenbarung. Aber die überschaubare Leistung hat laut D/A-Trainer Oliver Ioannou triftige Gründe.
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Ioannou schaut nach dem Spiel auf die Trainingswoche zurück, in der sich die Ereignisse überschlugen. Am Dienstag riss sich Innenverteidiger Tjorve Mohr das Kreuzband. Am Freitag beim Abschlusstraining verletzte sich Innenverteidiger Liam Giwah schwer an der Schulter.

Ihr Lächeln haben sich trotz der heftigen Verletzungen nicht verloren: Tjorve Mohr (links) und Liam Giwah. Foto: Jörg Struwe
Wenn plötzlich zwei Leistungsträger fehlen
Zwei der besten Defensivkräfte der gesamten Liga fehlen plötzlich. Mohr mit Sicherheit für den Rest der Saison, Giwah wahrscheinlich für einige Monate. Das macht etwas mit den Spielern. „Das war ein Schockmoment für die ganze Mannschaft“, sagt Ioannou. D/A habe sich vorgenommen, für die beiden Verletzten zu spielen.
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D/A trainiert wochenlang in der Abwehrzentrale mit Mohr und Giwah. Die beiden Leistungsträger sind gesetzt. Sie führen von hinten das Team. Sie sind laut. Sie sind die Kapitäne. Sie haben die Hoheit in den defensiven Luftduellen. Und in den offensiven Standardsituationen fehlen zwei kopfballstarke Unterschiedsspieler. Ohne sie fehle die Präsenz, so Ioannou. „Es ist ein Verlust“, sagt der Trainer.
Die personellen Nackenschläge sind das eine. Am frühen Samstagabend hat D/A zudem noch mit technischen Problemen zu kämpfen.
Wie eine Wasserpumpe das Spiel beeinflusst
Direkt vor dem Spiel setzt der Rasensprenger aus. Offenbar ein Kurzschluss in der Wasserpumpe. Ioannou erinnert sich, dass vor dem DFB-Pokalspiel gegen Bayern München ebenfalls die Technik versagte und der Rasen stumpf blieb. Das Starensemble des deutschen Rekordmeisters tat sich damals schwer beim 1:0-Sieg gegen D/A.
„Es ist brutal schwer, auf solch einem Platz zu spielen“, sagt Ioannou. Die Passschärfe fehlt, die Tempoaktionen bleiben aus, den Eins-gegen-eins-Situationen fehlt die Geschwindigkeit.

D/A-Trainer Oliver Ioannou nennt die Gründe für den spielerisch schwachen Auftritt seiner Mannschaft. Foto: Jörg Struwe
Eigentlich hat D/A speziell für das Tempospiel Spieler verpflichtet. Aber wenn der Ball am Rasen klebt, verpufft die Qualität.
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Für den Coach ist der stumpfe Rasen der Hauptgrund dafür, dass D/A das Tempo nicht auf den Platz bekommen hat. In der Folge leidet die Kreativität. D/A erspielt sich kaum Chancen, weil Delmenhorst bei geringerem Tempo defensiv kompakt steht.
D/A kann sich auf seine Mentalität verlassen
Als Ausrede soll das nicht gelten. Ioannou räumt ein, „dass das fußballerisch heute keine gute Leistung von uns war“. Aber eines macht ihm Hoffnung.
„Es wird noch viel mehr kommen“, sagt Ioannou. „Wenn es an so einem Tag gelingt, ein Spiel noch zu drehen, nach solch einer Woche, weiß ich, dass da noch viel nachkommt.“ D/A habe bis zum Schluss an sich geglaubt. Den Erfolg erzwungen. Spielglück erarbeitet. Er nehme das Positive aus diesem Spiel mit. Vor allem die Mentalität.
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