Blutbad mit sechs Toten

TPolizei: Drei Stader Opfer stammten aus Region Hannover

Auch am Dienstag wurden in der Dankersstraße weitere Spuren gesichert.

Auch am Dienstag wurden in der Dankersstraße weitere Spuren gesichert. Foto: Kai Moorschlatt/dpa

Nachbarn legen in Stade Blumen in der Dankersstraße nieder. Die Polizei richtet nach dem Blutbad mit sechs Toten eine Mordkommission ein und nennt weitere Details.

Von Björn Vasel und Anping Richter 30.06.2026, 15:44 Uhr

Stade. Die Trauer ist groß. Anwohner haben Kerzen und Blumen in der Dankersstraße niedergelegt. Sie gedenken der sechs Opfer der Bluttat von Montagmittag. Die Straße bleibt auf Höhe der Mutter-Kind-Einrichtung am Dienstag weiterhin voll gesperrt. Kamerteams sind vor Ort - und senden immer wieder live.

Nachbarn haben Kerzen in der Dankersstraße in Stade entzündet.

Nachbarn haben Kerzen in der Dankersstraße in Stade entzündet. Foto: Vasel

Die Polizei war bis in die Nacht mit der Spurensicherung beschäftigt. Der mutmaßliche Schütze werde am Dienstag noch dem Haftrichter beim Amtsgericht Stade vorgestellt.

Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten unter Hochdruck an den Schriftsätzen, sagte Staatsanwältin Julia Pirk dem TAGEBLATT auf Nachfrage. Um den 45-jährigen türkischstämmigen Mann aus Hannover nicht wieder auf freien Fuß setzen zu müssen, muss der Haftbefehl heute verkündet werden.

Die Dankersstraße ist weiterhin auf Höhe der Einrichtung gesperrt.

Die Dankersstraße ist weiterhin auf Höhe der Einrichtung gesperrt. Foto: Vasel

Drei Mitarbeiter der Region Hannover unter den Opfern

Bei den Opfern handelt es sich um zwei Frauen sowie einen Mann aus dem Raum Hannover, die sich als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung aufgehalten hatten. Unter den Getöteten waren zudem zwei Frauen und ein Mann, die direkt für den Träger in Stade arbeiteten. Das Jugendamt in Hannover kooperiert mit der Einrichtung in Stade.

„Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die dieses unfassbare Ereignis verarbeiten müssen“, teilte die Region Hannover mit. Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe setzten sich täglich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und begleiteten Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen. Dass Kolleginnen und Kollegen dabei ihr Leben verlieren, mache fassungslos.

Täter war wegen Drogendelikten polizeibekannt

Der mutmaßliche Schütze war nach Stade nach Stade gekommen, um offene Sorgerechtsfragen zu klären. Dazu hatte er in dem Haus in der Dankersstraße, in dem seine 34-jährige Ex-Partnerin und die gemeinsame drei Monate alte Tochter untergebracht waren, einen Termin vereinbart.

Gegen 12 Uhr schoss er auf mehrere Menschen. Vier waren sofort tot, eine Person verstarb kurze Zeit später während eines Reanimationsversuchs noch vor Ort. Eine weitere erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Der Schütze führte seine Schusswaffen ohne waffenrechtliche Erlaubnis. Polizeibekannt war er zuvor zwar wegen Drogen geworden, nicht aber als Gewalttäter. Polizei und Staatsanwaltschaft betonen auch heute, dass die Tat keinen politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund hat, sondern ganz klar einen familiären. Es gebe bei dem Delikt keinerlei Stader Vorgeschichte.

Polizei richtet Mordkommission ein

Derweil läuft die Spurensicherung am Tatort weiter auf Hochtouren. Beamte des Landeskriminalamtes in Schutzkleidung vermessen den Tatort und fertigen spezielle Aufnahmen an. Auf der Straße sind Farbmarkierungen, eine kaputte Mülltonne liegt vor dem Haus.

Die Schüsse fielen in einem Backsteinhaus. An dem Gebäude selbst sind von außen keine Beschädigungen zu sehen. Bisweilen kommen Anwohner, die trotz Absperrung zu ihrem eigenen Haus dürfen.

Die Polizei bereitet die Einrichtung einer Mordkommission vor. Die Ermittlungen werden aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Tatgeschehens in Kürze von dieser übernommen.

Spurensicherung: Kriminaltechniker waren bis in die Nacht am Tatort im Einsatz.

Spurensicherung: Kriminaltechniker waren bis in die Nacht am Tatort im Einsatz. Foto: Vasel

Die Ermittler werten unter anderem die eingehenden Hinweise aus der Bevölkerung über das eingerichtete Hinweisportal aus. Die Polizei bittet weiterhin um Unterstützung der Ermittlungen. Insbesondere Bild- und Videomaterial, das im Zusammenhang mit dem Ereignis stehen könnte, wird für die Ermittlungen benötigt und kann über das Hinweisportal hochgeladen werden. Jeder Hinweis wird geprüft und kann für die weiteren Ermittlungen von Bedeutung sein.

Baby befindet sich in Obhut des Jugendamtes

Der Schütze hatte versucht, mit Unterstützung einer 65 Jahre alten Frau aus seinem familiären Umfeld in einem Auto vor der Polizei zu fliehen. Sie fuhr, er bedrohte die Beamten während der Fahrt mit der Waffe. Das Auto fuhr auf der Felge eines Reifens weiter, weil die Polizei in die Reifen geschossen hatte. Zum Schutz der Bevölkerung, heißt es aus Polizeikreisen, sei das Fahrzeug nicht sofort, sondern erst an der B73 bei Haddorf zum Stehen gebracht worden.

Die Fahrerin des Fluchtautos und der Schütze wurden festgenommen. Die Mutter des drei Monate alten Babys befindet sich weiterhin in einer polizeilichen Maßnahme im Rahmen der Ermittlungen, ist aber nicht festgenommen worden. Das Kind ist in Obhut des Jugendamtes.

Die Staatsanwaltschaft kündigte für heute Nachmittag eine Erklärung an. (tip/dpa)

An dem Gebäude selbst sind von außen keine Beschädigungen zu sehen.

An dem Gebäude selbst sind von außen keine Beschädigungen zu sehen. Foto: Kai Moorschlatt/dpa

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