TDie Madonna zieht um: Was die katholische Pfarrei Buxtehude plant
Maria zieht bald ein Stockwerk höher: Wenn die neue Decke eingezogen ist, soll hier ein Kirchencafé entstehen. Foto: Richter
Die Katholiken werden weniger. Das bringt Abschiede von gewohnten kirchlichen Strukturen mit sich, aber auch Neues: Wohnraum in Buxtehude, Harsefeld und Neu Wulmstorf zum Beispiel.
Landkreis. Das Vertrauen in und die Bindung an die Kirche sind gesunken. Priester sind rar und die Zahl der Austritte steigt. Die Katholische Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt in Buxtehude, zu der auch die Standorte in Harsefeld und Neu Wulmstorf gehören, will sich darum auf das Wesentliche besinnen: auf Gemeinschaft und Gottesdienst, Seelsorge und soziales Engagement.
Wie berichtet kann die Pfarrei dabei auf engagierte Mitglieder zählen, die sich ehrenamtlich einbringen und Mut zu ungewöhnlichen Lösungen haben. Das gilt auch für das Räumliche, wo sich die Standorte zwar reduzieren, aber auch viele Möglichkeiten eröffnen, sagt Katrin Sobanja, die pastorale Leiterin der Pfarrei Mariä Himmelfahrt.
Was rund um die Kirche in Buxtehude geplant ist
Über die Ästhetik der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt wurde von Anfang an diskutiert. Mit ihren klaren Linien und dem riesigen schwarzen Zeltdach ist sie auf jeden Fall eine Landmarke im Buxtehuder Süden. Die Kirche wurde ab 1973 von dem Architekten Johannes Reuter gebaut und 1975 eingeweiht. Noch in diesem Jahr wird sie ihren 50. Geburtstag mit verschiedenen Veranstaltungen vom 17. August bis zum 21. September feiern. Ab 2026 soll St. Maria, wie sie der Volksmund nennt, dann umgebaut und erneuert werden.

Die Kirche bleibt, aber das Gemeindezentrum rund um die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Buxtehude wird zugunsten von Wohnungsbau verkleinert. Foto: Richter
Schon seit 2022 arbeitet ein großes Planungsteam mit dem Architektenbüro Wehmeyer an einem neuen Konzept. Die Kirche soll sich nach außen öffnen. Der eigentliche Kirchenraum wird künftig unter dem Zeltdach liegen. Es steht auf einem mit Backsteinen ausgefachten Betonskelett, das aktuell Bänke und Altar sowie die Nische der Marienstatue einrahmt. In Zukunft soll hier eine Decke eingezogen werden. Die hohen, dreieckigen Glasfenster, die von dem gefalteten Zeltdach eingefasst werden, werden dann bis zum Boden des neuen Kirchraums reichen.

Dort, wo Zeltdach und Fenster enden, wird eine Decke eingezogen. Foto: Richter
Der von der Künstlerin Barbara Lorenz-Höfer gestaltete Christus am Kreuz bleibt an seinem Platz. Die Madonna zieht zu ihm nach oben. In dem Raum im Erdgeschoss, der bisher ihr gewidmet war, soll nun ein Kirchencafé eingerichtet werden, das bei schönem Wetter auch draußen Sitzmöglichkeiten bietet.
Hier wie im gesamten Erdgeschoss werden große Fenster eingebaut, es entstehen Büros und andere Räume für die Gemeinde. Die obere Etage bekommt eine große Terrasse. Dort, wo bisher noch Pfarrbüro und Gemeindezentrum stehen, soll sich Einiges ändern: Es gibt zwei Interessenten, angedacht ist die Schaffung von Wohnraum. Die Kita auf dem Gelände soll ausgebaut und um eine zusätzliche Gruppe und einen Bewegungsraum erweitert werden.
Das passiert in Neu Wulmstorf
Zu den beiden anderen Standorten: Die 1955 erbaute und 1956 eingeweihte Kirche St. Josef in Neu Wulmstorf soll abgegeben werden. Ein Investor möchte dort bauen, eine Nutzung für genossenschaftliches Mehrgenerationenwohnen ist vorgesehen. Das ist ganz im Sinne der Gemeinde, die das benachbarte Gemeindehaus von 1991 behält und sich gut vorstellen könnte, einige Einrichtungen gemeinsam mit den neuen Nachbarn zu nutzen - wie zum Beispiel den Spielplatz. Besitzer ist das Bistum Hildesheim, das sich zurzeit noch in Verhandlungen befindet. Verkauf oder Erbpacht stehen zur Debatte.
Das sind die Pläne für Harsefeld
Die 60 Jahre alte Kirche St. Michael in Harsefeld soll abgerissen werden, der Saal aber stehenbleiben. Auf dem Grundstück könnten in Reihenhäusern vier kleine Wohnungen für sozial benachteiligte Menschen entstehen. Dazu gibt es Gespräche mit dem Gemeinderat und den Rotenburger Werken. „Uns ist es wichtig, dass dort ein soziales Projekt entsteht“, sagt Katrin Sobanja. Für den Saal wäre eine gemeinschaftliche Nutzung durch Kirchengemeinde und Bewohner möglich. Die beliebte Harsefelder Pilgerherberge, die am Jakobsweg liegt, bleibt erhalten.
Kirchencampus
T Eine neue Kita ist Startschuss für Stader Großprojekt
Pfarrer Johannes Pawellek, der längst im Rentenalter ist, hat versprochen, noch bis Oktober 2026 in der Pfarrei mit ihren drei Standorten zu bleiben. Seit dem 1. März 2025 unterstützt außerdem Pfarrer Dr. Benoy Joseph, der ursprünglich aus Indien kommt und seinen Dienstsitz in Buchholz hat, die Gemeinde.
Auch in Stade baut die Katholische Kirche kräftig um
In Stade sollen rund um die St. Josefkirche und das Altenheim an der Schiffertorsstraße die 5000 Katholiken wie berichtet einen Kirchen-Campus bekommen. Der Standort an der Harsefelder Straße wird aufgegeben, das Kirchengebäude soll verkauft werden. Auch der benachbarte katholische Kindergarten St. Nikolaus aus den 1970er Jahren ist stark sanierungsbedürftig und läuft aus. Stattdessen soll auf dem mehr als 7000 Quadratmeter großen Areal an der St. Josefkirche ein Kita-Neubau entstehen.