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Wasser-Serie

TDie Magie des Wassers: Rituale und mystische Quellen in der Region

Pastorin Anika Röling tauft seit zehn Jahren Kinder und Erwachsene in der Elbe - auch mit Untertauchen.

Pastorin Anika Röling tauft seit zehn Jahren Kinder und Erwachsene in der Elbe - auch mit Untertauchen. Foto: Vasel (Archiv)

„Ich liebe es, da draußen in der Elbe zu taufen“, sagt Anika Röling. Die Pastorin aus Jork-Borstel weiß: Wasser hat eine kraftvolle Symbolik. Von Tauf- und Heilwasser und mystischen Orten in unserer Region.

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Von Anping Richter
Dienstag, 21.10.2025, 17:50 Uhr

Landkreis. Das Taufritual ist ein Reinigungsritual aus der jüdischen Tradition, erklärt Pastorin Anika Röling. Jesus ließ sich einst im Jordan taufen, Altländer Kinder von heute können das in der Elbe. Elf hat die Pastorin aus Jork-Borstel in diesem Sommer dort getauft, so viele wie noch nie.

Manche lassen sich ganz untertauchen. Röling und Patin oder Pate halten den Täufling, wenn er sich nach hinten ins Wasser fallen lässt. „Wenn man aus dem Wasser herauskommt, ist man wie ein neuer Mensch. Das spürt man leiblich.“

Die Este bei Bötersheim.

Die Este bei Bötersheim. Foto: Richter

Abwaschen, was zwischen uns und Gott steht

Das Wasser der Taufe ist lebendiges Wasser, das heilen will, erklärt die Borsteler Pastorin. Die Elbe stehe aber auch für Gefahr: „Man kann darin umkommen.“ Das bilde die Lebensambivalenz ab und habe eine große Kraft: „Wir waschen alles ab, was zwischen uns und Gott steht.“

Auch das, was zwischen uns und anderen Menschen stehe oder das, was uns von uns selbst trenne, werde abgewaschen. „Mit dem Wasser der Taufe sagt Gott: Probier es noch einmal. Fang neu an“, erklärt Anika Röling. Das Weihwasser in der katholischen Kirche behalte diese Eigenschaften sozusagen - und stelle damit immer eine Tauferinnerung dar.

Das Taufbecken in St. Nicolai in Jork-Borstel ist der älteste Gegenstand in der Kirche und wurde 1325 von Meister Ulricus aus Bardowick geschaffen.

Das Taufbecken in St. Nicolai in Jork-Borstel ist der älteste Gegenstand in der Kirche und wurde 1325 von Meister Ulricus aus Bardowick geschaffen. Foto: St. Nikolai-Gemeinde

In früheren Zeiten wurden Kinder bei der Taufe übrigens auch in der Kirche komplett eingetaucht. Am alten Taufbecken in der Borsteler Kirche ist das noch zu erkennen: Es ist ungewohnt tief. Dieser älteste Kunstgegenstand der Kirche wurde 1325 von Meister Ulricus aus Bardowick erschaffen. Eine umlaufende lateinische Inschrift besagt: „Wer getauft ist in dieser Heiligen Quelle, ist rein.“

Die magische Quelle von Bötersheim

Wasser ist nicht nur im Christentum ein wichtiges Symbol. Es gilt in vielen Kulturen als heilig und steht für Leben, Reinigung und Erneuerung.

In Bötersheim, wo die Este gurgelnd durch den Wald fließt, gibt es eine alte Mühle, eine tausendjährige Eiche, in der ein Troll wohnen soll - und einen Ort, der als Naturheiligtum gilt: Mitten im Waldboden brodelt dort eine Quelle. Ihr kristallklares Wasser wirbelt stetig kleine Wolken von dunklem Sand auf. Sie sieht aus wie ein Auge.

Wie ein Auge im Wald: Estequelle bei Bötersheim.

Wie ein Auge im Wald: Estequelle bei Bötersheim. Foto: Richter

Die Bötersheimer Quelle ist eine artesische Quelle. Das heißt, dass solcher Druck herrscht, dass Grundwasser austritt. „Sie ist sommers wie winters zehn Grad warm“, erklärt Sabine Weyhe.

Sie hat viele Jahre in Bötersheim gelebt. Weyhe ist Trommelbauerin und hat an der Quelle schon viele Gruppen in schamanischen Techniken und Ritualen unterwiesen und Jahresrituale abgehalten.

„Wir haben uns mit dem Wasser schon die Augen gewaschen. Es gibt uns das Gefühl, dass die Sicht klarer wird“, erklärt sie.

Viele Hamburger kämen zu dieser Quelle, um sich kanisterweise Wasser zum Teekochen mitzunehmen, weil der Tee dann besser schmecke. „An der Quelle wurden auch schon Ehegelübde abgelegt“, weiß Sabine Weyhe.

Der Paterborn, die Nonnenquelle im Neukloster Forst

Das Wasser dieser Quelle fließt der Este zu, deren eigentliches Quellgebiet in der Lüneburger Heide bei Wintermoor liegt.

Diese artesische Quelle brodelt und speist die Este bei Bötersheim.

Diese artesische Quelle brodelt und speist die Este bei Bötersheim.

Die Quelle der Schwinge ist im Hohen Moor bei Mulsum auf der Stader Geest zu finden, und die Aue, die später zur Lühe wird, entspringt bei Ahrensmoor in der Gemeinde Ahlerstedt. Quellen sind aber auch anderswo zu finden. Besonders bekannt war einst der Paterborn im Neukloster Forst, im Volksmund auch Nonnenquelle genannt.

Gerade war die Eisenbahn fertig und Neukloster als Ausflugsort leicht erreichbar, da baute ein findiger Investor im Jahr 1885 im Neukloster Forst ein Kurhotel. Er benannte es nach einer kleinen Quelle in der Nähe: Paterborn. Flugs wertete er sie zur „Heilquelle“ auf, mit Tafel und Inschrift:

„Dem Wanderer eine Erfrischung – dem Kranken eine Hoffnung“. Das Kurhotel ist längst abgerissen. Doch die mit Steinen eingefasste Quelle gibt es noch: Einfach vom Pfingstmarktplatz aus den Weg in Richtung Mühlenteich gehen. Sie liegt kurz vor dem Teich links.

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