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Das Este-Dörfchen ist zauberhaft und abgeschieden

Bötersheim: Idylle mit einem Hauch Esoterik

Meditation an der Bötersheimer Quelle : Manche Menschen halten sie für heilig und sprechen dem Wasser magische Kräfte zu. Fotos Lepél

Meditation an der Bötersheimer Quelle : Manche Menschen halten sie für heilig und sprechen dem Wasser magische Kräfte zu. Fotos Lepél

Das kleine Dörfchen Bötersheim ist ein Geheimtipp, der allerdings zunehmend von Ruhesuchenden entdeckt wird, die die besondere Atmosphäre des Ortes zu schätzen wissen. Denn hier gibt kaum Verkehr und so gut wie keinen Lärm.

Von Sabine Lepél Montag, 01.07.2019, 11:00 Uhr

Nichts als Ruhe? Von wegen: Plötzlich wird die Stille im Wald von Bötersheim von rhythmischen Trommelschlägen unterbrochen. Mit langsamen Schritten nähert sich eine Gruppe von Menschen – keiner spricht, fast alle haben den Blick zum Boden gesenkt. Sie sind vertieft in ein schamanisches Ritual und begeben sich im Zug an die „heilige“ Bötersheimer Quelle, die versteckt in einem Waldstück hinterm Ortsschild liegt. Manchmal finden hier sogar rituelle Waschungen statt, denn manche Menschen schreiben dem Wasser, das eiskalt aus dem Boden quillt, magische Kräfte zu.

Andere genießen lediglich die Ruhe, die über diesem fraglos mystischen Fleckchen Erde liegt. Und die Bötersheimer selbst wundern sich schon lange nicht mehr, wenn an der Quelle jemand im Schneidersitz hockt und friedvoll meditiert. Und auch unter den Anwohner selbst finden sich inzwischen einige Menschen mit einem künstlerischen oder einem esoterischen Hintergrund. Wie die Trommelbauerin Sabine Weyhe, die Instrumentenmacherin, Handwerkerin, Künstlerin und Seminarleiterin für Trommelbau und Schamanismus ist. Ihre Kurse sind überregional bekannt und meistens schnell ausgebucht.

Bötersheim gehört zur Gemeinde Kakensdorf, die in der Nähe von Hollenstedt liegt. Das 150-Seelen-Dorf ist umgeben von Wald und ein wahres Kleinod. Die Wege entlang der Este sind allerdings oftmals schmal und holperig, und der Wanderer könnte leicht über Baumwurzel stolpern. Dennoch lohnt die „Kraxelei“: Es gibt wohl wenig Ortschaften in der Region mit solch einer bezaubernden Ausstrahlung.

Seit Jahren ist das Kanufahren auf der Este ab Bötersheim verboten. Aus gutem Grund: Hier hat sich unter anderem der Fischotter angesiedelt. In der naturbelassenen Umgebung findet er Unterschlupf und Jagdmöglichkeiten.

Wer hinter dem Ortsschild den Nebenarm der Este überquert, steht vor der Fachwerkfassade des Gutes Bötersheim. Seit 2001 findet hier das mehrtägige Bötersheimer Musikfest statt. In diesem Jahr fiel es allerdings aus.

Etwas weiter folgt rechter Hand die malerische Wassermühle, die bereits 1386 urkundlich erwähnt wurde. Gegenüber befindet sich der idyllische Mühlenteich, an dem Fischreiher auf Beute lauern.

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Rechts hinter der Wassermühle befinden sich noch einige alte historische Gebäude, in welchen damals die Handwerker lebten und arbeiteten. Daneben und hinter dem Kriegerdenkmal steht die beeindruckende 1000-jährige Eiche. Der Sage nach soll ein Kobold im Stamm gehaust haben, bis ein Blitzschlag ihn in den 1960er Jahren vertrieb und den Stamm aushöhlte.

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Bötersheims Geschichte wurde vor allem durch das dominierende Gut und seine ehemaligen Besitzer – das Adelsgeschlecht von Weyhe – geprägt. Ein kleiner Friedhof der Familie findet sich versteckt mitten im Wald. Bereits 1470 erhielt Erp von Weyhe von Herzog Otto von Braunschweig und Lüneburg das Wohnrecht in Bötersheim und wurde gleichzeitig mit den auf beiden Seiten der Este erbauten Höfen und der Mühle belehnt. Anfang der 1930er Jahre kamen die von Rogisters auf das Gut nach Bötersheim. Sie betreiben es noch heute und leben vor allem von der Waldwirtschaft. Die Familie ist zu beneiden: Sie darf in ihrem wunderschönen Gutshaus das ganze Jahr über in dem bezaubernden Bötersheim wohnen.

In derkleinen 360 Jahre alten Schmiede von Schmiedemeister Dirk Tietgen und Petra Schmalz, diplomierte Metallgestalterin und Gärtnermeisterin, am Esteweg wird auf hohem Niveau Handwerk mit Kunst und Design verbunden. Das Paar fertigt unter anderem ausgefallene Rosenbögen, Rankhilfen und Pflanzgefäße für Haus und Garten. In der Schmiede werden noch nahezu täglich alte Schmiedetechniken am Feuer angewandt. Es besteht zudem die Möglichkeit, Schmiedewissen in Wochenendkursen zu erlernen. Die Schmiede ist von Mittwoch bis Sonnabend von 11 bis 17 Uhr geöffnet, mit Ausnahme von Feier- und Brückentagen. Eine besondere Veranstaltung ist auch die von Tietgen und Schmalz veranstaltete „Mohltied – Tafeln & Schwafeln in Boitschen“, die in diesem Jahr am Wochenende des 3. und 4. August jeweils von 12 bis 19 Uhr stattfindet und rund um die Schmiede ausgewähltes Kunsthandwerk sowie leckere Speisen bietet.

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Im uralten Dorfkrug lebt die Geschichte wieder auf: Die Existenz des Gasthauses lässt sich bis in das Jahr 1614 zurückverfolgen, worüber Bilder und Urkunden im Gastraum Auskunft geben. Im idyllischen Kaffeegarten sitzen die Gäste unter alten Eichen und genießen hausgemachte Kuchen und Torten und die Spezialitäten des Hauses. Besonders beliebt ist die Grützwurst mit Bratkartoffeln. Geöffnet von Freitag bis Sonntag sowie feiertags von 10 bis 21 Uhr.

In einer losen Artikelfolge auf der TAGEBLATT-Seite für die Region Neu Wulmstorf/Süderelbe geben wir den Lesern Tipps für schöne und unkomplizierte Ausflüge im Landkreis Harburg. Heute geht es in das charmante Este-Dörfchen Bötersheim.

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